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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Mbit

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei JuSICIUu Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 8. Sonnabend, den 10. Januar 1914.

Bus der Heimat»

* Zur Versicherungspflicht der Auf­wärterinnen, über die so große Ungewißheit herrschte, hat der Bundesrat jetzt Stellung genommen. Wie dieLeipziger N. N." mitteilen können, bleiben nach der bundesrätlichen Entscheidung vorübergehende Dienstleistungen versicherungsfrei, wenn sie von Per­sonen, die überhaupt keine berufsmäßige Lohnarbeit verrichten, nur gelegentlich, insbesondere zur gele­gentlichen Aushilfe, ausgeführt werden, und auf weniger als eine Woche entweder nach der Natur der Sache beschränkt zu sein pflegen oder im Voraus durch den Arbeitsvertrag beschränkt sind. Auch vorüber­gehende Dienstleistungen, die regelmäßig wiederkehren, bleiben versicherungsfrei, wenn sie gegen einen ge­ringfügigen Entgelt ausgeführt werden, d. h. gegen einen solchen, der für den Lebensunterhalt während des Zeitraums, innerhalb dessen die Beschäftigung regelmäßig wiederkehrt, nicht wesentlich ist. Vorüber­gehende Leistungen bleiben bei Personen versicherungs­frei, die sonst berufsmäßige Lohnarbeit verrichten, wenn die Dienstleistungen bei vorübergehender Arbeits­losigkeit nur gelegentlich ausgeführt werden und auf höchstens drei Tage beschränkt sind.

- w- Hersfeld, 9. Januar. Zur Lage des Fleischmarktes gehen uns von unterrichteter Seite folgende Ausführungen zu. Wenn neuerdings aus verschiedenen Gegenden, so gestern wieder aus Hersfeld Nachrichten über ermäßigte Fleischpreise im Detailverkauf einlaufen, so ist dies durchaus kein An­zeichen für eine neuerliche Abwärtsbewegung der Fleischpreise. Auch in Cassel haben namentlich die Schweinefleischpreise einen Rückgang erfahren, wenn dieser auch hier niemals in einem bezüglichen Jnnungsbeschluß zum Ausdruck kommen kann, da sich die Preise stets nach der Qualität der Ware richten werden und nicht zuletzt auch die Konkurrenz (Cassel hat etwa 180 Fleischer) bei der Detailpreisgestaltung mitspricht. In der letzten Zeit sind nun, bedingt durch die Schneeverwehungen und besonders durch die Feiertage, ungleich beschickte Märkte zu verzeichnen gewesen, was natürlich auf gut überfahrenen Märkten einen Preisnachlaß, auf schlecht beschickten ein An­ziehen zur Folge hatte, so daß z. B. am Berliner Schweinemarkt sechs Mark mehr bezahlt wurden als in Hamburg. Was die zukünftige Gestaltung des Fleischmarktes betrifft, so ist aller Voraussicht nach nicht mit einem weiteren Rückgang der Schweine­preise zu rechnen, da der Behauptung, daß die Mäste­reien über große Bestände verfügen, einerseits die Tatsache des Vorhandenseins von großen Futtermengen, , namentlich des unverkäuflichen nassen Roggens der letzten Ernte, entgegengehalten werdenmuß, andrerseits aber die Verkleinerung der Bestände durch die vielen Seuchen, die besonders in den großen Beständen gras­siert haben und teilweise noch grassieren.

) :( Hersfeld, 9. Januar. Im Kreise Hersfeld sind zur Zeit 4Schulstellen offen und zwar in Fried­los, Friedewald, Heringen und Kerspenhausen.

Sontra, 8.. Januar. Einen schweren Unfall erlitt gestern abend'die 62jährige Rentierswitwe E. hier. Infolge der Glätte kam sie auf dem Bürgersteig in der Herrengasse zu Fall und zog sich schwere Ver­letzungen der Hüft- und Beckenknochen zu. Auf Ver­anlassung des Arztes wurde sie dem Landkrankenhaus in Eschwege mittels Automobil durch Mitglieder der Sanitätskolonne zugeführt.

Fulda, 8. Januar. In das hiesige Landkranken- Haus wurde gestern abend gegen V2IO Uhr der 51jährige DZs^ner Heinrich Hohmann aus Ulmbach (Kr. ^suchtern) eingeliefert. Von einem Schüler, der nnttels Flinte nach Spatzen schießen wollte, erhielt Hohmann einen Schuß, der direkt in ein Auge ging, werden vollständig zerstört und muß ausgenommen

Oberkaufunge«, 8. Januar. Der Schäfer Johannes lm ^orfe Furstenhagen stürzte während der Ausübung fernes Berufes, welchem er trotz hoher Srebzrger noch immer oblag, infolge eines Fehltritts berm Herunterwersen von Heu vom Scheunenboöen auf die Tenne hmab und erlitt dabei einen Bruch der Schadeldecke, fowre ichwere innere Verletzungen, sodaß er nach wenigen Stunden seinen Geist aufgab.

Virknuge«, 8. Januar. Das Landwirt Berh. Fuhlrottsche Ehepaar feiert am morgigen Sonnabend rn körperlicher und geistiger Frische das Fest der dramantenen Hochzeit. Der Mann ist 86, die Frau 85 Jahre alt.

V °«r Thüringer Wald, 6. Januar. Die orkan- M^ Stürme in vergangener Nacht, auf der Höhe s^k^HnEefall, in den Tälern von Regen begleitet, yaven neuen, großen Schaden angerichtet. Die infolge

des schweren Schnees stark belasteten Bäume stürzten wie Halme unter der Wucht des Sturmes, an den Straßen Fernsprech- und Telegraphenleitungen unter sich begrabend. Heute vormittag waren ganze Tele­graphenlinien unterbrochen, so von Ilmenau über den Rennsteig nach Suhl und Meiningen hinüber, von Ilmenau bezw. Gehren nach Großbreitenbach-Coburg hinunter usw.; in den Ortsfernsprechnetzen der Höhen- orte waren zahlreiche Sprechleitungen zerschlagen. Große Bautrupps, unter Leitung von Telegraphen­bauführern, Telegraphenbeamten usw., sind mit der Instandsetzung der oft auf Kilometer hinaus zerfetzten Leitungen beschäftigt.

Schloß Wal-eck, 8. Januar. Nachdem die aus Hannoversch-Münden hier angekommenen Pioniere gestern bereits die Vorbereitungen für die Spreng­ung der steinernen Edderbrücke, die nach dem früheren Dorfe Berich führte, getroffen hatten, wurde heute früh die Sprengung vorgenommen. Eine große An­zahl höherer Offiziere, darunter der Kommandeur der Artillerie-Prüfungskommission in Mainz und ein Offizier vom Großen Generalstab, waren erschienen.

Außerdem hatte sich ein zahlreiches schaulustiges Publikum eingefunden. Die Sprengungen begannen um neun Uhr und dauerten bis kurz vor zwölf Uhr. Weithin waren die Detonationen vernehmbar. Es war, als ob ein Erdbeben herrschte. So zitterte die Erde. Jedem Schuß folgte das Aufwirbeln einer dicken Rauchwolke. Die Bogen der Brücke stürzten

dicken Rauchwolke. Die Bogen der Brücke stürzten Das Abgeordnetenhaus trat am Donnerstag zu mit Donnerkrachen zusammen und ihre Trümmer seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Abg. Graf versanken in den hochgehenden Fluten der Edder. von Schwerin-Löwitz eröffnete die Sitzung mit einem Dort bleiben sie vorläufig liegen. Somit ist die Hoch auf den König. Finanzminister Dr. Lentze bringt Brücke, die erst vor wenigen Jahren gebaut worden den Etat ein. Es ist in diesem Jahre gelungen, den ist, vom Erdboden verschwunden. Die Sprengung der Etat im Gleichgewicht zu halten; er schließt ohne Brücke von Bringhausen wurde auf den zwanzigsten Fehlbetrag ab. Die Mehreinnahmen stammen aus Januar verlegt, weil der Landweg im oberen Sperr- den direkten Steuern und den Erträgnissen der Berg­gebiet noch nicht fertiggestellt ist. werke. Der Schaffung der Reichsvermögenszuwachs-

Eisenach, 9. Januar. Von einem Schwindler um steuer habe ich schließlich ^«gestimmt, doch muß es 300 Mark gebracht wurde gestern nachmittag auf der I uun mit derartigen Belastungen aufhören, darüber hiesigen Staatssteuereinnahme der Bürgermeister und bat auch der Herr Reichslanzler keinen Zweifel ge- Steuereinnehmer Döll aus Pferdsdors. Döll war lassen. (Lachen rechts.) Der neue Etat sieht eine er- nach Eisenach gekommen, um die in seiner Gemeinde hebliche Besoldungserhöhung der unteren und erhobenen Steuern auf dem Rechnungsamt abzuliefern. rntttleren Beamten vor ferner eine teilweise Schulden- Als er vor der Zahlstelle 2 des Residenzhauses er- tilgung Auf allen Gebieten machte sich die schlechte schien, trat nach den Angaben des Steuereinnehmers wirtschaftliche Lage bemerkbar es zeigte sich dabei, ein Mann auf ihn zu mit der Frage:Was wollen daß die beste Stütze für'Handel und»Industrie der Sie denn hier? Auf seine Antwort:Ich will das heimische Markt ist. Auf die Steuerzuichlage rvird Steuergeld abliefern," sagte der Fremde:Geben Sie I ^vd) in Zukunft Nicht zu verzichten sein. Die mir das Geld, ich werde es abliefern und dann Steigerung der Anleihen ist die ernsteste Sorge für können Sie gleich wieder gehen." Döll gab hierauf die Finanzverwaltung. Die jährlichen Anleihen noch dem Fremden das Geld, der darauf auf Nimmer- mehr zu steigern, wurde an der Unmöglichkeit scheitern, die Inanspruchnahme des Anleihemarktes weiter aus-

9 . , r zudehnen, zumal in Zeiten so angespannten Geld-

Schlüchtern, 7. Januar. Beim Wasterholen aus standes wie jetzt. Dauernde Förderung soll die innere dem nahen Seemenbach blieb dieser Tage ein junger Kolonisation erfahren, eine Gesetzesvorlage wird die Mann aus Wolferborn aus. Seine Angehörigen Eigen Mittel fordern. Die Ueberschüsse des letzten machten sich auf die Suche und fanden die Leiche des Rechnungsjahres sind allen Verwaltungszweigen jungen Mannes etwa 200 Meter von der Wasser- gleichmäßig zu Teil geworden. Ich richte nun an Holestelle entfernt im Bach. | das Haus die Bitte, mit mir freudig und vertrauens-

1 die Zukunftsarbeit zu gehen. (Bravo!) Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Präsidentenwahl, Lesung des Etats.

Hanau, 7. Januar. Ein Bücherdiebstahl im großen voll an wurde von der hiesigen Polizei aufgedeckt. Als Dieb wurde der 26jährige Buchhandlungsgehilfe Paul Rümmler aus Chemnitz verhaftet, der in einer hiesigen Buchhandlung in Stellung war. Rümmler hat für zirka 78000 Mark Bücher zusammengestohlen. In seiner Wohnung beschlagnahmte die Polizei noch etwa 600 Bände der gestohlenen Bücher. Einer Hanauer Frau hatte er für etwa 400 Mark Bücher geschenkt. Man nimmt an, daß er auch schon in früheren Stellungen Bücherdiebstähle ausgeführt hat. Er ver­weigert jedoch jede Angabe über sein Vorleben und gibt an, längere Zeit im Auslande zugebracht zu haben.

Darmstadt, 8. Jan. Heute nacht wurde in das Jagdwaffengeschäft von Httbner eingebrochen und da­raus Revolver, Pistolen, Jagdmesser und sonstige Jagdgebrauchsgegenstände im Werte von ungefähr 1200 Mk. gestohlen. Die Diebe anscheinend sind es zwei gewesen haben sich wahrscheinlich am Abend in das Haus einschließen lassen und sind von rück­wärts nach Einschlägen der Fensterscheiben in die Ladenräume gelangt; von dort aus Haben sie die Schlösser von innen aus beseitigtundsind verschwunden.

Frankfurt a. M., 8. Januar. In der Spessart- straße 16 wurde das 4jährige Töchterchen der Fabrik­arbeiterin Lotz während kurzer Abwesenheit der Mutter mit schrecklichen Brandwunden bedeckt auf- gefunöen, an dessen Folgen es nach kurzer Zeit starb. Wie die Kleider des Kindes in Brand gerieten, ist noch nicht aufgeklärt.

Frankfurt, 8. Januar. In dem Hause Höhenstraße 40 erschoß heute früh der Schneidergeselle Rudolf Kleinschrot seine Logiswirtin, die Ehefrau Epple und dann sich selbst. Die Tat erfolgte wahrscheinlich aus Eifersucht, da der verwachsene und buckelige Klein­schrot sich verschmäht fühlte und annahm Frau Epple ziehe einen anderen seiner Person vor.

Mainz, 8. Januar. In Eisenbach erschoß der 22jährige Landwirtssohn Seck seinen Vater in der Wohnung und schleppte die Leiche auf deu Hof. Der Täter wurde verhaftet. Die Mutter ist der Mit­täterschaft verdächtig.

Wiesbaden, 6. schaftsschwindel ist

Januar. Einem Millionen-Erb- der Schreiner Schütz zum Opfer

gefallen. Der Mann erhielt von der Londoner Firma I. H. v. Harten alsKorrespondentin" eines Rechts­anwalts in Berea (Ohio) die Mitteilung, daß sie in ihm den Erben eines dort verstorbenen Schütz er­mittelt habe. Die Erbschaft betrage 268 000 Dollars; aber vor Auszahlung müsse er 80 Mark und die Papiere seiner Eltern einsenden. Derglückliche" Erbe borgte sich das Geld und schickte es ab. Die Firma teilte dann noch mit, daß sie 100 Mark und l1/2 Prozent der Erbschaft für ihre Bemühungen zu­rückhalten werde. Eine Anfrage des Sch. nach dem Namen des Rechtsanwalts blieb unbeantwortet. In­zwischen überbrachte ein Verwandter dem Schütz einen Zeitungsausschnitt, in dem vor genannter Firma als einem Heirats- und Erbschaftsinstitut gewarnt wurde. Trotzdem ist Schütz dieser Tage nach London abgeretst, um an Ort uno Stelle die Sache zu verfolgen.

Abgeordnetenhaus

Herrenhaus.

1. Sitzung 8. Januar 1914, 8 Uhr.

Am Ministertisch Frhr. v. Schorlemer, v. Dalwitz,

Dr. Beseler.

Der Präsident der vorigen Session v. Wedel er­öffnet die Sitzung um 374 Uhr mit dem üblichen Hoch auf den König.

Auf den Namensaufruf wird verzichtet.

Das bisherige Präsidium wird auf Vorschlag des Fürsten Hatzfeld durch Zuruf wiedergewählt. Auch die Wiederwahl der Schriftführer erfolgt durch Zuruf.

Eingegangen ist ein Antrag des Grafen Aorck von Wartenburg, worin die Regierung ersucht wird, dahin zu wirken, daß der Stellung Preußens nicht dadurch Abbruch geschieht, daß eine Verschiebung der staatsrechtlichen Verhältnisse zu Ungunsten der Einzel­staaten vor sich geht. (Die Verlesung des Antrages wird von der Rechten mit Beifall begleitet.)

Der Präsident erklärt, er werde den Antrag am Sonnabend znr Beratung stellen.

Nächste Sitzung: Freitag 2 Uhr: Vereidigung neuer Mitglieder, Geschäftliche Mitteilungen, Beschluß­fassung über die Art der Etatsberatung.

Schluß gegen 3-Vi Uhr.

Wetteraussichten für Sonnabend den 10. Januar.

Vorwiegend trüb, Regen- und Schneeschauer kälter, nördliche Winde.