die Vernehmung Bet Gendarmen.
Kreisöirektor Mahl bestritt auf Befragen entschieden, daß er irgendwie auf die Gendarmen einzuwirken versucht habe, insbesondere dahin, daß sie aussagen sollten, die Gendarmerie hätte genügt, um die Ordnung auf- rechtzuerhalten. Er habe im Gegenteil die Zeugen ausgefordert, die reine Wahrheit zu sagen, aber durchaus nichts zu verschweigen. Die Zeugen Lose und Schröder hatten ausgesagt, daß ihnen der Wachtmeister Schmidt II erzählt habe, der Kreisdirektor habe ihm Weisung erteilt, wie die Gendarmen anssagen sollten. Es wurde der Zeuge Schmidt n gerufen. Verhandlungsleiter: Ist von dem Kreisöirektor mit Ihnen darüber gesprochen worden, wie Sie heute aussagen sollen. Zeuge: Nein. Der Kreisdirektor sagte, wir sollten uns streng an die Wahrheit halten. Verhandlungsleiter: Haben Sie mit Ihrem Kameraden in dem Sinne gesprochen, daß der Kreisöirektor gesagt habe, sie sollten so nnd so aussagen? Zeuge: Es muß ein Mißverständnis von Lose und Schröder vorliegen. Wir haben uns lediglich über die Zaberner Vorfälle unterhalten. Zeuge Schröder bleibt bei seinen Aussagen. Der Berhano- lungsleiter stellte fest, daß hier
ein unlösbarer Widerspruch vorliege, und machte die Zeugen eindringlich auf die Folgen eines Meineides aufmerksam. Während der Vernehmung der Gendarmen, die zunächst unvereidigt blieben, waren ihre unmittelbaren Vorgesetzten, der Kreisdirektor und Hauptmann Schotte, nicht im Saale anwesend. Gegen 8 Uhr abends wurde die Weiterverhandlung auf Donnerstag 9 Uhr vertagt.
Der vierte Verhaubluugstag.
o-$> Auf dem Platze vor dem Gerichtsgebäude herrschte am Donnerstag Ruhe. In der fortgesetzten Zeugenvernehmung erklärte Major Uh d e u. a., daß nach seiner Ansicht die Polizei in Zabern
sehr minderwertig sei
langen sei,
wor
und auch sonst nie da sei, wo es nötig sei. Ein Friseur habe ihm am Morgen des 11. November erzählt, daß es am Tage vorher in der Stadt sehr lustig zugegange " " so eine Art Karneval. Die Polizei sei feste verhöhnt worden: es würde nach allgemeiner Ansicht alles aufgehört haben, wenn die Polizei heimgegangen wäre. Der Friseur bestätigte diese Aeußerung. Gendarmeriewachtmeister Schmitt wußte von Steinwürfen zu berichten, die ihm und anderen Polizisten gegolten hätten. Die Menge am fraglichen Tage schätzte er
auf 800 bis 1000 Mann,
meist junge Leute und Neugierige. Mehrere Gendar- meriewachtmeister aus Zabern berichten nur Bekanntes. Sie erklären, daß ihnen und der Polizei das Auftauchen der promenierenden Offiziere nicht provozierend vorgekommen sei. Die Frage, ob Gendarmerie und Polizei —r---- die Offiziere vor Be- : zu schützen, bejahen arm bekundet auf Be-
wohl in der Lage gewesen wären, leidigungen und Anrempelungen „.. , , ______ .
sie nur bedingt. Ein anderer Gendarm bekundet auf Betragen, daß die Gendarmerie mit der Menge nicht hätte fertig werden können.
Die Zuschriften an Oberst Renter.
Die Mitteilung des Obersten von Reuter in dem zur Zeit vor dem Kriegsgericht in Straßburg gegen ihn schwebenden Prozeß, daß ihm die Post zwar Hunderte von offenen Schmähkarten pünktlich bestellt, dagegen Zuschriften, die Zustimmungen enthielten, zurückvehalten habe, hat, wie nach der „Franks. Ztg." aus Kreisen der Postverwaltung verlautet, Anlaß zu einer eingehenden Untersuchung gegeben.Diese ist noch nicht abgeschlossen: aber es heißt, daß nach dem, was bisher schon ermittelt worden ist, tatsächlich mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß die in Zabern herrschende Stimmung zu Pflichtverletzungen geführt hat, die im deutschen Postdienste für unerhört gelten. Es ist I selbstverständlich, daß über das Resultat der abgeschlossenen Untersuchung eine öffentliche amtliche Mitteilung erfolgen muß.
Vermischtes
Eine neue Reichsanstalt mit 25 000 Köpfen. Ein Amt mit mehr als 25 000 Köpfen ist die jüngste Reichsanstalt, die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. Sie umfaßt 25108 Beamte. Von diesen sind aber mehr als 24 000 im Ehrenamt tätig, belasten also den Haushalt der Anstalt höchstens durch Auslagen, Tagegelder oder Reisekosten. Dem Direktorium gehören 4 ntchtbe- amtete Mitglieder an, für die 4 Stellvertreter bestellt sind. Im Verwaltungsrat sitzen im ganzen 72 Mitglieder und Ersatzmänner erster und zweiter Ordnung. Dazu kommen 8224 Vertrauensmänner und 16 448 Ersatzmänner für diese. So ergibt sich eine Zahl von 24744 Ehrenbeamten. Im Hauptamt verzeichnet die neueste amtliche Aufstellung 364 Beamte. Von diesen sind 57 unter die höheren Beamten zu rechnen, und zwar 1 Präsident, 4 beamtete Mitglieder, 12 andere höhere Beamte und 35 kommissarische Hilfsarbeiter. Bei einem neuen Amte wird die Arbeit noch mehr als bei anderen Aemtern durch nichtangestellte Hilfskräfte besorgt. Das Bureau führt als solche 2 Beamte, die Hauptkasse 1, die Kontrolle 1, während Expedierende Sekretäre 49, Bu- reau-Diätare 185 und Kanzlei-Diätare 11 beschäftigt werden. An Frauen verwendet das Amt 62, und zwar 6 Bureau-Gehilfinnen, 32 Bureau-Diätartnnen und 24 Kanzlei-Diätarinnen. Außerdem wird nur ein Unterbeamter aufgeführt, der Botenmeister.
Nach Genuß eines Schlafmittels gestorben. Unter verhängnisvollen Umständen ist am 2. Januar die Witwe des am 3. August in Johannisthal bei Berlin verunglückten Fliegers Brooks in Schneverdingen gestorben. Die jungverwitwete Frau Brooks, geborene Buffelmann, eine Gutsbesitzerstochter, hatte mit ihrem Manne in sehr glücklicher Ehe gelebt und wurde wegen ves Todes ihres Mannes allgemein bedauert. Sie hatte nach dem Abstürze ihres Gatten, dessen Zeugin sie gewesen war, ständig unter Schlaflosigkeit zu leiden. In Ewer auswärtigen Apotheke soll der Dame nun ver- sehentlrch statt eines schwächeren Schlafpulvers ein stär- keres Mittel ausgehändigt worden sein. Nach dem Genusse desselben ist Frau B., ohne das Bewußtsein wie- dererlangt zu haben, in den Tod hinübergeschlummert. ^1? Frau hat ein Alter von nur 26 Jahren erreicht. Die vom Gericht angeordnete Untersuchung si " le der bestätigt haben, daß bet Aushändigung des M tels ein Versehen unterlaufen ist.
Der stärkste Mann von Wie«. Der über die Grenzen Wiens hinaus bekannte Athlet Georg Jagendorfer, der durch etliche Jahrzehnte hindurch den Beinamen „der stärkste Mann von Wien" trug, ist in diesen Tagen im Alter von 64 Jahren gestorben. Jagendorfer hatte seine Glanzzeit in den achtziger Jahren, er war damals einer der ersten Athleten, der seine Kunst auf der Varieteebühne zeigte, und die gewaltige Kraft dieses Mannes erregte damals solche Aufmerksamkeit, daß Jagendorfer von einem Unternehmer nach Amerika mit- genommen wurde. Der „stärkste Mann von Wien" wäre als wohlhabender Mann zurückgekommen, wenn M nicht auf der Rückreise sein ganzes Vermögen, das er m barem Gelbe bei sich trug, gestohlen worden wäre.
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Unter den vielen
Jagendorfer fuhr dann, so erzählt die „N. Fr. Pr.", noch zweimal nach Amerika und erregte zuletzt dadurch, daß er auf der Bühne einen Klavierspieler mitsamt dem Klavier und Klavierstuhl spazieren trug, gewaltiges Aufsehen. Jagendorfer, der einmal bei den Olympischen Spielen den ersten Preis bekam, war ein urwüchsiger Wiener und. wie dies bet körperlich so starken Menschen gewöhnlich der Fall zu sein pflegt, von außerordentlicher Gutmütigkeit. Immerhin ging ihm mitunter auch sein Temperament durch, und in einer sehr lustigen Gerichtsverhandlung hatte sich Jagendorfer einmal wegen Beleidigung zu verantworten, dadurch begangen, daß er einen sehr robusten Herrn in der Pferdebahn in der Luft umhergeschwenkt und niedergelegt hatte. Der Behauptung des Klägers, ihn geohrfeigt zu haben, widersprach Jagendorfer mit der sehr einleuchtenden Erklärung, daß der Kläger ja nicht mehr leben würde, wenn er, Jagendorfer, ihm einen Schlag gegeben hätte. Ein anderes Mal war Jagendorfer wegen Körperverletzung verklagt. Der Athlet hatte in Gesellschaft einen Ausflug unternommen, eine der Damen ging voraus, und zwei Strolche hatten das Pech, gerade sie zu attackieren. Als Jagendorfer auf die Hilferufe des Mädchens herbeikam, hob er kurz entschlossen die beiden Burschen mit je einer Hand in die Höhe und schlug in der Luft ihre Köpfe mit solcher Wucht zusammen, daß die Burschen besinnungslos blieben. Jagendorfer wurde freigesprochen. In Amerika hatte der Wiener Athlet die Kunst des Keulenschwingens erlernt, und in den letzten Jahren, da Jüngere ihm den Rang des stärksten Mannes längst streitig gemacht hatten, betätigte er sich als Lehrer in der Kunst des Keulenschwingens und anderer athletischer Uebungen. Er hinterläßt eine Witwe und drei Söhne.
Paris im Dunkeln. Dienstag abend war die innere Stadt von Parts für eine halbe Stunde in völlige Dunkelheit gehüllt. In der Hauptstatton der Elektrizitätswerke versagte eine der großen Dynamomaschinen gerade um die Hauptgeschäftszeit zwischen 7 und 8 Uhr. Die Untergrundbahn mußte ihren Betrieb auf einige Zeit einstellen, da die Lichtsignale und die Beleuchtungsanlage versagten. In den Straßen herrschte die größte Verwirrung, die noch durch den niedergehenden strömenden Regen gesteigert wurde. Man behalf sich mit schnell herbetgeholten Kerzen, die in Weinflaschen gesteckt wurden, und vorsintflutliche Oellämpchen. Viel beneidet wurden die glücklichen Besitzer elektrischer Ta- schenlämpchen. Endlich um 8 Uhr war der Schaden an der Maschine behoben und die Stadt erstrahlte wieder in der gewohnten Lichtfülle.
Zur Psychologie der amerikanischen Wahlmaschine. Faktoren, die dazu beitrugen, Tafts Präsidenten der Vereinigten Staaten
Wiederwahl zum __________ ... ______________ _
unmöglich zu machen, war — so liest man im „Gaulois" — sein maßlos dicker Bauch nicht der letzte und nicht der unwichtigste: Wahlgunst und Wahlglück sind manchmal von so widersinnigen Elementen abhängig, daß die Geschichte durchaus nicht unwahrscheinlich ist. Tafts Korpulenz war sprichwörtlich: man braucht nur daran zu erinnern, daß an der Universität zu Chicago kein Sessel für seinen breiten Körper gefunden werden konnte. Aber während der letzten Jahre, die er im Weißen Hause verbrachte, hatte er sich eine Diät verschreiben lassen, die ihn um 30 Kilogramm Fett brächte. Er war glücklich, aber sein Glück brächte ihm Verdruß. Die Grundlage seiner Kur war Mäßigkeit im Trinken: alkoholische Getränke durfte er überhaupt nicht trinken. Das war kaum bekannt geworden, als der Präsident aus allen Staaten der Union zahllose Glückwünsche erhielt: Mitglieder von Mäßigkeitsgesellschaften priesen ihn als herrlichstes Vorbild für alle Bürger des Landes. Es gelangten an Taft auch neun Briefe von Bischöfen, die ihn baten, ein Manifest, das den Alkohol verdammen sollte, zu unterzeichnen: das würde von großartiger Wirkung sein. Taft antwortete recht freundlich, daß er den Kreuzzug gegen das übermäßige Trinken für gut heiße,' er fügte jedoch hinzu, daß er selbst sich des Trinkens nicht aus irgend einem moralischen Grunde enthalte, sondern nur deshalb, weil er magerer werden
wollte. Dieses Schreiben wirkte wie eine kalte Dusche. Seine Freimütigkeit brächte Taft um die Stimmen Der Abstinenzler,' infolge feiner Mäßigkeit aber verlor er auch die Stimmen der Gastwirte und der Kaffeehausve- sitzer, und so kam es, daß er nicht wieder gewählt wurde.
Wahres Geschichtchen. Der bei seinen Hörern und Hörerinnen sehr beliebte, etwas kurzsichtige Professor N. bereitete kürzlich seinem Auditorium ein seltenes Schauspiel. Inmitten einer Vorlesung entnahm er, zum größten Erstaunen der Anwesenden, seinem Munde das künstliche Gebiß, um es mit seinem Taschentttchlein krä- tig zu wischen und reiben. Zuerst war alles sprachlos. Dann folgte ein Heiterkeitsausbruch von so elementarer Gewalt, daß der alte Herr um Aufklärung dieser Fröhlichkeit ersuchte. Nachdem ihm solche geworden, bat er seine Zerstreutheit zu entschuldigen, es läge eine einfache Verwechslung vor: er wollte nämlich seine — angelaufenen Brillengläser putzen.
Ueberboten. „Unsere Köchin ist sehr ängstlich mit Dieben: den ganzen Tag guckt sie nach der Korridortür." „Das ist gar nichts. Unsere Köchin hat sogar immer einen Polizisten in der Küche."
Zideikommisse des Sollars.
Aus Neuyork wird der „Inf." geschrieben: In Amerika machen sich jetzt Bestrebungen geltend, die bei uns vielfach als veraltet angesehenen und daher sehr an- gefeindeten Familienfideikommisse in einer den modernen amerikanischen Verhältnissen angepaßten Gestalt wieder aufleben zu lassen und weiter zu entwickeln. Auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, daß Männer so neuzeitlicher Anschauungen, wie die amerikanischen Dollarfürsten auf ein aus den stärksten Zeiten des Feudalismus überkommenes Institut zurückgreifen. Dennoch erklärt sich diese auffällige Erscheinung in einfacher Weise dahin, daß die Könige des Dollars sich ganz dem gleichen Problem gegenü.bergestellt sehen, wie die alten Adelsgeschlechter, nämlich den von Generation auf Generation vererbten und weiter entwickelten Familien- besitz zusammenzufassen, um eine Zersplitterung und Teilung in zahllose Äeste zu verhindern.
Ein amerikanisches Sprichwort sagt: „Zwischen Hemdsärmel und Hemdsärmel liegen nur drei Generationen". Das besagt, wenn ein großes Vermögen, in langen Jahren erworben und angehäuft, nach dem Tode unter alle Kinder verteilt, und dann wieder unter die Kinder der Kinder, dann können die Enkelkinder im Grunde von vorn anfangen, denn es ist nichts mehr übrig geblieben. Der Gründer des Rothschild'schen Riesenvermögens, Mayer Amschel Rothschild, erkannte daher die Bedeutung einer Familienstiftung für die Zusammen- Haltung des Vermögens sehr wohl und hinterließ, ähnlich wie in dynastischen Häusern, ein Hausgesetz, demzufolge kein Erbe aus dem Familienvermögen auch nur emen Pfennig herausziehen durfte, sondern sich lediglich mit der Nutzniesung der Zinsen zu begnügen hatte. Wenn auch heute die Monopolstellung der Rothschilds auf dem internationalen Geldmarkt längst gebrochen ist, so wird dennoch das Hausgesetz immer noch strengstens befolgt.
Ganz fm gleichen Sinne handeln die nwdertten Dol- larkönige, wenn sie durch hausgesetzliche Fideikommisse ihr Vermögen nach ihrem Tode zusammenzuhalten trachten. In den Familien Astvr und Vanderbilt besteht die Besttmmnng, daß der älteste Sohn der älteren Linie den Hauptanteil am Vermögen erbt, die übrigen Söhne und Töchter werden anteilsweise abgefunden. Besonders interessant ist die von John D. Rockefeller beabsichtigte Familienstiftung. Er wollte unter dem Titel „Rockefeller Foundation" Hunderte von Millionen Dollars in das Nationalvermögen überführen, von den Zinsen bestimmte er einen kleinen Teil zu wohltätigen Zwecken, den Riesenrest sollten seine Erben, gleichsam als Pensionäre des Staates, jährlich ausbezahlt bekommen. Die Regierung lehnte diesen Plan von vornherein ab. Man darf gespannt sein, ob die Fideikommisse des Dollars immer weitere Kreise ziehen werden.
Sie angebliche« Kronprinzenlelegranime.
Der Kronprinz und Zabern.
Die Annahme, die abfällige Kritik, welche die „Kölnische Zeitung" an dem Telegramm des deutschen Kronprinzen an den Oberst von Reuter geübt hat, und in welcher dem Kronprinzen „Mangel an staatlicher Auffassung und an Rücksicht anf das Gemeinwohl" vor» geworfen und nachgesagt wurde, er habe die Zaberner Offiziere in einer Haltung bestärkt, die sie vor das Kriegsgericht und auch in Konflikt mit ihren Vorgesetzten, letzten Endes mit dem Kaiser, führen mußte, stamme aus Kreisen, die dem Reichskanzler nahe stünden, wird von wohlunterrichteter Seite auf das nachdrücklichste zu- rückgewiesen. In jenen Kreisen erklärt man es für nach Lage der Sache ganz ausgeschlossen, daß der Kronprinz durch sein Telegramm etwa eine Ausschaltung der Zi- vilgewalt zu Gunsten der Militärgewalt habe befür- worten wollen. Auch von einem Gegensatze der Auf- fassungen beim Kaiser und beim Kronprinzen könne nicht im entferntesten gesprochen werden.
Die „Voss. Ztg." schreibt: Wie uns von absolut zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, entsprechen Die angeblichen Kronprinzentelegramme in der von mehreren Blättern wiedergegebenen Fassung in keiner Weise dem wahren Wortlant. Als der Kronprinz von den Presseauslassungen über seine Stellung zu Den Zaberner Vorgängen Kenntnis erhielt, äußerte er sich dahin, daß sein Standpunkt allerdings der sei, daß die Offiziere vor Jn- sulten geschützt werden müßten, aber seine Auffassung sei nicht die, daß dies mit ungesetzlichen Mitteln geschehen müßte. Er sei geradezu entrüstet darüber, daß man mit Fälschungen rein privater Aenßernngen vorgehe und ihm unterstelle, er sei für eine Willkürberrschaft nnd hege die Meinung, daß die Gesetze nicht, gletchgiltig von' wem immer, beachtet werden müssen.
Eröffnung Des preußischen Landtags.
Verlesung der Thronrede durch den Ministerpräsidenten.
o-fr Berlin, 8. Januar. Nach voraufgegaugenem Gottesdienst für die evangelischen uud die katholischen Mitglieder der beiden Käufer des Landtags fand heute vormittag im Weißen Saale des Königlichen Schlosses die Eröffnung des preußischen Landtags mit einer durch den Ministerpräsidenten von Bethmann Hollweg verlesenen Thronrede statt. Diese stellt fest, daß die Staats- finanzen sich auf dem Wege völliger Gesundung befinden, obwohl neuerdings, dem Gange des wirtschaftlichen Lebens folgend, ein Nachlassen in den Staatsertrüg- nissen bemerkbar werde. Die Fonds für außerordentliche Ausgaben seien so reich ausgestattet, daß die erwünschte Stärkung des Industrie- und Arbeitsmarktes erzielt wird. Für den gering besoldeten Teil der Unterbeamten sowie für Assistenten und die mit diesen Be- solöungsklassen zusammenfallenden Beamtengruppen seien Gehaltserhöhungen vorgesehen. Für Erweiterung und bessere Ausrüstung des Staatsetsenbahnnetzes sowie zur Unterstützung der Kleinbahnen wird wiederum eine umfangreiche Vorlage ausgearbeitet. Angesichts der unbefriedigenden Zustände in den Wohn- und Unterkunfts- verhältnissen der unbemittelten Schichten sollen gesetzliche Grundlagen für eine nachhaltige Verbesserung durch ein Wohnungsgesetz beschafft werden. Die Mittel für die erfreulich sich ausbreitende Jugendpflege werden nicht unbeträchtlich erhöht. Als bedeutsamste der beabsichtigten Vorlagen auf dem Gebiete der Berwaltungsreform wird eine Vorlage zum Landesverwaltungsgesetz vorgelegt werden. Ferner werden Borschläge für eine Verbesserung des Abgabenwesens der Gemeinden und weiteren Kommunalverbände sowie ein Gesetzentwurf über die Zuständigkeit im Volks- und Prtvatschulwesen unterbreitet. Angekündigt werden ferner die Wiederein- bringung des Ansgrabungsgesetzes, eine neue Ordnung des Rechts der Familienfideikommisse und Familien- stiftungen, der Entwurf eines Grundteilungsgesetzes, welcher der unwirtschaftlichen Zerschlagung ländlicher Grundstücke entgegentreten und außerdem die innere Kolonisation erleichtern soll. Zum Schluß wird auf die große Tragweite der angekündigten Vorlagen sowie darauf hingewtesen, daß dank den gemeinsamen Bemühungen der Großmächte der Weltfriede, dessen Störung auch unserer nationalen Wohlfahrt die schwersten Wunden schlagen würde, erhalten und gesichert worden sei. Auf dieser Grundlage werde auch die Arbeit des Landtages eine nutzbringende sein und dem Vaterlande zum Segen gereichen. Beifällige Zurufe wurden bet der Verlesung der Thronrede laut bei der Erwähnung der günstigen Finanzen. Zum Schluß der Eröffnungsfeier brächte der Präsident des Herrenhauses Graf von Wedel- Piesöorf das Hoch auf den König und Kaiser aus. Aus dem Schlosse waren die drei Standarten gehißt.
** neuestes vom Cage«
Versuchsfahrten mit einer neuen Bremse.
Eisenach, 8. Januar. Auf den Thüringisclien Bahnstrecken sollen in diesen Tagen große Versuchsfahrten vorgenommen werden, bei denen die Klinische Bremsvorrichtung für Güterzüge einer genauen Prüfung unterzogen werden soll. An den Versuchsfahrten nehmen etwa 80 höhere Eisenbahnbeamte aus allen Teilen Europas teil.
Bei einem Brande schwer verletzt.
0-* Oberueubrnnn (Thüringen), 8. Januar. (B. Z.) Hier ist das Hohmannsche Sägeiverk niedergebrannt. Drei in dem Gebäude nächtigende Arbeiter wurden vom Feuer im Schlafe überrascht und sprangen aus dem Fenster. Sie erlitten schrvere Verletzungen.
Explosion in einer Filmfabrik.
** Wien, 8. Januar. In der Filmfabrik von Gau- mont in der Maria Hilf-Straße sind heute vormittag infolge der Unvorsichtigkeit einer Arbeiterin, die Films mit Benzin reinigte, eine Anzahl Films explodiert. Das Feuer verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit. Zwei Personen verbrannten, zwei weitere wurden schwer verletzt, eine weitere Person wird vermißt. Nach zweistündiger Löscharbeit war das Feuer auf feinen Herd beschränkt.