Eine Siraserpedllion in Kamerun.
Ein unbotmäßiger Häuptling.
Aus Kamerun ist die drahtliche Meldung des Gouvernements eingegangen, daß der Tod des Oberleutnants v. Raven nunmehr seine Sühne gefunden hat. v. Raven war am 12. Oktober vorigen Jahres beim Vorgehen gegen das zwei Tagesmärsche nordwestlich von Nola am Sanaha gelegene Dorf Nguku, dessen Häuptling Gabola schon der französischen Verwaltung dauernd Schwierigkeiten gemacht hatte, von den Eingefrorenen durch einen Lungenschutz getötet worden, während Btf derselben Gelegenheit Bezirksrichter Dr. Seger durch einen Schutz in den rechten Oberschenkel verwundet worden war.
Auf die Nachricht von diesen Ereignissen ist der Leiter des Bezirks Mittel-Sanga-Lobaye, Hauptmann von Puttkamer, sofort von Mbaiki aufgebrochen, um die aufständischen Dörfer zu unterwerfen. Er eroberte mit der 6. Kompagnie der Schutztruppe am 18. Dezember vorigen Jahres das Hauptdorf Nguku nach hartnäckigem Widerstände und begann sofort die Verfolgung des fliehenden Gegners. Auf unserer Seite wurden zwei Soldaten verwundet. Die Verluste des Gegners waren bedeutend. Ein weiteres Vorgehen scheint noch gegen die Häuptlinge nördlich und nordöstlich von Nguku erforöer- lich, soweit sie sich der Aufstandsbewegung angeschlossen hatten.
Ueber den Charakter des Häuptlings Gabola meldet der frühere' Postenführer von Nola, Leutnant Tamm, im „Dtsch. Kol.-Blatt" folgendes: „Der Häuptling Gabola ist der.weitaus bedeutendste Häuptling des gesamten Nola-Bezirks. Er ist von einer fast abergläubischen Furcht befangen, datz der Europäer ihn töten will. Solange die französische Verwaltung im Lande war, ist er vor Jahren ein einziges Mal zu bewegen gewesen, nach Nola zu kommen. Seit dieser Zeit hat er sich nicht mehr sehen lassen. Nie betritt er auch den Boden der Faktorei Nguku. Er bleibt stets etwa 50 Meter davor stehen und sagt durch Zuruf, was er haben will. Dabei ist er dauernd von etwa 150 mit geladenen Gewehren bewaffneten Gefolgsleuten umgeben. Häuptling Gabola gibt ganz offen zu erkennen, daß er nichts mit der Verwaltung zu tun haben will. So wie früher unter den Franzosen, ist es auch jetzt nicht möglich, einen Postboten oder eine Patrouille durch sein Dorf zu schicken, ohne daß sie angegriffen wird. Vor jedem Europäer, der mit Soldaten sich nähert, reißt er aus."
Sie Lezahlung des Vehrbeilrags
durch die deutschen Vundessürslen.
Die Verhandlungen der obersten Finanzbehörden, in deren Händen die Berechnung der bnnöesfürstlichen Beiträge zu Wehrsteuer liegt, mit den einzelnen Haus- mintsterien und Schatullverwaltungen sind nunmehr zum Abschluß gelangt, sodatz der Entrichtung keine größeren Schwierigkeiten mehr entgegenstehen werden. Die Finanzbehörden haben die Berechnungen auf Grund genauesten Unterlagematerials bezüglich Bemessung und Bezahlung der Zivillisten bereits vornehmen können. Allerdings bestehen noch zwischen den beteiligten Stellen Meinungsverschiedenheiten über die Festsetzung und Begleichung der fürstlichen Beiträge. Vor allem ist man sich noch nicht ganz einig darüber, was als Vermögen zu betrachten und wie hoch dieses Vermögen zu ver- m scalagen ist. Jedenfalls darf heute schon mit der Tat- {ache gerechnet werden, daß die Beiträge der Bundes- ürsten in den meisten Fällen ziemlich hoch bemessen ein dürften.
Ueber die Art der Bezahlung der fürstlichen Wehr- betträge steht rwch nichts Bestimmtes fest. Bekanntlich gestattet das Gesetz über den Wehrbeitrag eine Zahlung auch in einzelnen Raten. Es dürfte wohl mit Sicherheit zu erwarten sein, daß einzelne fürstliche Hausministerien und Schatullverwaltungen sich dieser gesetzlichen Ausnahme bedienen werden und nicht den auf die einzelnen Fürsten entfallenden Anteil im Ganzen aus einmal entrichten werden. Dies wird nur in den seltensten Fällen geschehen können, denn es liegt auf der Hand, daß wegen des Beitrags das Kapital als solches nicht angegriffen werden darf, sondern daß für die Entrichtung der Beiträge nur die Zinsen herangezogen werden dürfen. Dabei ist natürlich eine Ratenzahlung eine bedeutende Erleichterung.
Von einer Abrundung der einzelnen Summen nach oben, von der man erst vielfach gesprochen hatte, dürfte wohl abgesehen werden können, da sich die Beiträge im Einzelnen als genügend hoch erweisen und im großen ganzen der Versicherung des Reichsschatzsekretärs entsprechen, es wäre bei der Bemessung der fürstlichen Wehrbeiträge in keiner Weise kleinlich vorgegangen worden.
Die Same im Schleier.
Spionage-Roman von Matthias Blank.
9) (Nachdruck verboten.)
Ohne Verlegenheit antwortete Robert Hatzfeld darauf: „Eine bestimmte Erklärung muß ich Dir schuldig bleiben."
„Oho, Du wirst doch nicht behaupten, daß Du noch keine Mädchenherzen erobert hast?"
„Das habe ich nicht behauptet. Aber meine Liebe mit der Treue, die unbedingt dazu gehört, habe ich noch zu vergeben. Von meinem Herzen mit allen Torheiten hat noch keine Besitz ergreifen wollen. Vielleicht werde ich in Berlin mehr Glück haben."
„Dann nimm Dich in acht! Berlin ist ein gefährlicher Boden. Besonders für junge Männer. Nicht wahr, Papa?"
„Darüber weiß ich nichts, denn ich gehöre wohl nicht mehr recht zu den jungen Leuten. Wenn ich aber durchaus eine Bestätigung geben soll, dann gestehe ich gern zu, daß es in Berlin manche gefährliche Schönheiten gibt."
„Dafür wird mir kaum viel freie Zeit übrigbleiben. Meine Arbeit —"
Hier wurde Hatzfeld von seiner Cousine unterbrochen: „Schon wieder die Arbeit. Dies scheint für die Herren die bequemste Ausflucht zu fein, wenn gefährliche Klippen genommen werden sollen."
„So glaubst Du also nicht an den Ernst der Arbeit, die gerade einen Mann so sehr fesseln kann, daß er der Arbeit Opfer bringt, deren ein Weib kaum fähig fein würde?"
„Diese Opfer sind dann nur angebliche, denn die Arbeit ist nur der Vorwand für egoistische Ziele. Der Mann will etwas erreichen, Ruhm, Reichtum, oder was es ist Die Mittel zu diesem Ziele nennt er Arbeit."
Politische Rundschau
Das kaiserliche Hoflager wird am 16. Januar vom Neuen Palais in Potsdam nach Berlin verlegt werden. Der Kaiser wird bis Mitte März in der Neich^aup - stadt bleiben und dann wahrscheinlich zu längerem Aufenthalt nach Korfu reisen. ..
Der Entwurf eines Fideikommttzgesetzes für Preußen, der dem preußischen Herrenhause zugegangerr ist, sieht eine Reihe Bestimmungen vor, welche einer Errichtung von Fideikommissen vorzubeugen Bestimmt sind. So wird zwar von jeder Beschränkung in bezug auf die fideikommissarische Bindung von Wald abgesehen, dagegen für die Verwendung von landwirtschaftlich genutzten Geländen in Fideikommissen eine Mttldest- grenze von 300 und eine Höchstgrenze von 2500 Hektar vorgeschrieben. Ebenso sind Anordnungen getroffen, durch welche die Errichtung von Fideikommissen, in denen die fideikommissarische Bindung von Grund und Boden bereits eine übertriebene Ausdehnung gewonnen hat, verhütet wird. Damit ferner die fldeikommissarifche Bindung von Grund und Boden den öffentlichen Interessen, insbesondere der inneren Kolonisation und der gedeihlichen Entwickelung von Gemeinden und anderen öffentlichen Korporationen nicht hindernd im Wege steht, ist vorgesehen, daß von Fideikommissen Gelände aus Rücksicht des öffentlichen Wohles abverkauft werden kann. Endlich soll die Aufhebung von für ihre Zweckbestimmung nicht mehr geeigneten Fideikommissen wesentlich erleichtert werden.
Graf Mielzynski vei
er-
Graf Mielzynski verzichtet auf fein Reichstagsmandat. Der Reichstagsabgeordnete Graf Brudzewo Mielzynski, der vor kurzem seine Frau und einen Vc- wandten erschoß, hat sein Mandat niedergelegt.
Die Kosten der Gehaltserhöhung in Heer und Flotte in Frankreich. Die soeben von den gesetzgebenden französischen Körperschaften bewilligte Aufbesserung der Offiziers- und Unteroffiziersgehälter hat für das laufende Jahr eine Nachtragsbewilligung von 3 077 096 Francs bedingt. Gleichzeitig ist Bestimmung getroffen worden, Offizieren vom Major abwärts und Unteroffizieren für jedes Kind unter 16 Jahren, soweit solches nicht im Be- itz einer Freistelle einer staatlichen Erziehungsanstalt st, einen jährlichen Zuschuß von 200 Frcs. zu zahlen.
Enver Pascha und Jzzet Pascha. Die Lösung des Rätsels des plötzlichen Rücktritts des bisherigen türkischen Kriegsministers Jzzet Pascha wird von einer Seite, die gute Fühlung mit der Berliner türkischen Bot-
K unterhält, lediglich in der seitens der jungtürkischen
_ erung für unbedingt notwendig gehaltenen Verjüngung des Offizierkorps der osmanischen Armee gefunden. Jzzet Pascha habe diese Maßnahme, die zahlreiche seiner engeren Kameraden betrifft, nicht ausführen wollen, und nachdem sich auch andere höhere türkische Offiziere dessen geweigert hätten, habe Enver Pascha selbst mit dem Amt des Kriegsministers auch die Verjüngung des Offizierkorps übernommen. Die albanische Thronfrage habe bei dem Rücktritt Jzzet Paschas nicht die geringste Rolle gespielt.
Die Verjüngung des türkischen Offizierkorps. Unter den türkischen Offizieren, die den Abschied erhalten haben, befinden sich im ganzen 33 Divisionsgenerale. vierzig Brigadegenerale, zwölf Obersten im Generalstab
und 76 andere Obersten. Die betreffenden Jrades sind bereits erschienen. Zu gleicher Zeit sind auch weitere Jrades über Ernennungen und Beförderungen erschienen. Der Botschafter in Berlin Mahmud Muktar Pascha wird zum Inspekteur der 3. Armeeinspektion ernannt. Er hat vom Kriegsministerium telegraphischen Befehl erhalten, seinen Posten sofort anzutreten. U. a. wird der Oberst Bronsart von Schellendorf zum Kommandeur der 3. Division ernannt. In der Liste steht auch General Liman von Sanders als Kommandeur des 1. Armeekorps.
Kleine Rachrichfen
Tumultszenen in der Berliner Örtskrankenkasse.
^.^^^^^...... 'ten Melde- und
Ortskrankenkasse
In der in der Gerichtsstraße untergebracht Zahlstelle der Allgemeinen Berliner O._________ kam es in den Vormittagsstunden des Mittwochs zu heftigen und sogar tumultarischen Auftritten. Der Andrang des Publikums zu den Neuanmeldungen hatte gegen 11 Uhr einen derartigen Umfang angenommen, daß der Schalterraum gesperrt werden mußte. Eine große Anzahl von Frauen wurde durch das stundenlange Warten ohnmächtig. In dem Schalterraum selbst nahm das Gedränge lebensgefährliche Formen an. Die an den Schaltern befindlichen Personen wurden direkt in die Schalterfenster hineingedrängt, sodaß sie in Trümmergingen .
„Lampeuexplosion im Gefängnis. Im Gefängnis zu Gelsenkirchen explodierte eine Petroleumlampe. Ein Untersuchungsgefangener erlitt derart schwere Brand- er nach kurzer Zeit starb. Vor seinem Tode hatte er sich noch mit seiner Braut trauen lassen.
„Du scheinst uns Männern nicht sonderlich gut ge- smnt zu sein."
„Doch! Es ist dies ein gesunder Egoismus des Mannes. Nur die Frauen sind töricht und opfern sich meist einem Wahn.
»Was verstehst Du unter Wahn."
... "Was wir Frauen Liebe nennen. Wir opfern dafür meist alles, unser Glaube ist die Liebe, für diese geberlwrr alles hin, mit allem, was wir geben können, ^er Mann nicht! Er hat sich etwas übrigbehalten, die Arbeit, seinen gesunden Egoismus, ein weites Ziel, wobei für ihn die Liebe nur eine Zwischenstation, fast möchte idj sagen, eine Erholung ist."
„Vielleicht ist es doch anders. Ich denke, daß der Mann ein hohes Ziel erstrebt, um damit seine Liebe F Tm bist hier gegen uns Männer zu mißtrauisch."
„Die armen Männer! Soll ich sie bemitleiden?" Da lachte Hatzfeld: „Das wäre doch zu unbescheiden. Jedenfalls bin ich anderer Ansicht."
von Marberg war mit einer solchen Wendung des Gespräches nicht zufrieden: „Gegenseitige Bekehrungs- versuche könnt Ihr Euch ersparen. Reden wir von vernünftigeren Dingen."
Schnell schlüpfte eine berg dazwischen: „So ist Künftiges?"
»Ich will kein Urteil
Frage von Berta von Mar- also die Liebe etwas Unver-
. , - . -------abgeben. Liebe ist Glaubenssache. Wer daran glaubt, wird vom Gegenteil nicht zu bekehren sein. Nun aber Schluß. Du wirst natürlich hrer bleiben, unser Fremdenzimmer wird Dich während Deines Berliner Aufenthaltes beherbergen."
„Aber Onkel! Ich mache Euch da Scherereien!" „Nichts da! Befehl ist Befehl! Du bleibst!" Und Berta von Marberg nickte: „Natürlich!"
„Dann werde ich mit viel Vergnügen annehmen.
Das vereiste Spanien. Ganz Spanien starrt in Ets und Schnee. Die Zeitungen haben für nichts Interesse als für die Unwetternachrichten. Der Schaden ist nicht nur in Spanien selbst, sondern auch in Nordamerika ganz ungeheuer, da sowohl die Oel- als auch die Weinpflanzungen unter der Kälte schwer gelitten haben: In den hochgelegenen Sierras sind Tausende von Schafen ein Opfer der Kälte geworden. In einigen Provinzen verzeichnete man 4 Grad Kälte, ein für diese Landstriche ganz unerhörte Temperatur.
Ein Kardinal als Millionenerve. Eine Depesche aus Baltimore meldet, daß die im vergangenen Dezember verstorbene mehrfache Millionärin Elise Andrews dem Kardinal Gibbons, Erzbischof von Baltimore, ihr Vermögen in Höhe von 1 Million Dollars hinterlassen hat.
Edisons neueste Erfindnng. Der berühmte amerikanische Erfinder Thomas A. Edison hat, Blättermeldungen zufolge, neuerdings einen äußerst komplizierten Apparat konstruiert, mit dem Messungen der Tonstärke und der Wellenmenge der menschlichen Stimme vor- genommen werden können.
Gericht und Recht.
Ein neuer Krupp-Prozeß. Am Freitag den 16. Januar, vormittags 9 Uhr, wird vor dem Oberkriegsgericht in Berlin unter dem Vorsitz des Kriegsgerichtsrats Dr. Glasewald über die Berufung der Zeugleutnants Tilian, Hoge, Hinst und Schleuder sowie des Ober-Jn- tendantur-Sekretärs Pfeiffer und des Feuerwerkers Schmidt gegen das Urteil des Kommandanturgerichts Berlin vom 5. August 1913 verhandelt werden.
Eine unnatürliche Mutter. Vor dem Schöffengericht in Wiesbaden hatte sich die Ehefrau Andreas Weitzen- berger wegen Mißhandlung ihres unehelichen Kindes zu verantworten. Als die Frau vor drei Jahren heiratete, brächte sie einen vier Jahre alten Jungen mit. Der Knabe war seiner Mutter und noch mehr seinem Stiefvater ein Dorn im Auge. Die Verhandlung förderte haarsträubende Dinge zutage. „Mißgeburt" und ähnliche Dinge bekam er täglich zu hören. „Hätte ich Arsenik, so würde ich das Kind vergiften," sagte die Mutter eines Tages zu einer Nachbarin. Zu einer anderen Frau sagte sie: „Wenn ich das Kino nur unter ein Auto werfen könnte." Ueber die Behandlung des Kindes wissen die Nachbarn ein trauriges Lied zu singen. Bei großer Kälte wurde es, nur mit einem Hemd bekleidet, in den Abort gesperrt. In der gleichen Bekleidung mußte es in einem naß ausgewaschenen Zinrmer sitzen. Fußtritte und Schläge mit dem Schlüsselbund auf den Kopf waren etwas alltägliches. Vor Hunger schrie das Kind oft so laut, daß es die ganze Nachbarschaft hörte. Das Kind wurde schließlich in eine Anstalt gebracht. Das Gericht verurteilte die Rabenmutter zu drei Monaten Gefängnis. Als strafmildernd wurde in Betracht gezogen, daß die Frau unter dem Einfluß ihres Mannes gehandelt hat, der wegen eines Lungen- leidens gegenwärtig nicht bestraft werden kann.
Die Verhandlung gegen Oberst v. Heutet.
In der Mittwoch-Abendsitzung wurde u. a. Rechtsanwalt Schaufler -Zaberu vernommen, der sich als Zeuge angeboten hatte. Er müsse erklären, die Zeugen, die von einem Lärmen oder einem Auflauf berichteten, der das Eingreifen des Militärs rechtfertige, sagen die Wahrheit nicht.
Er habe die Zaberner Einwohnerschaft bewundert: jede andere deutsche Stadt hätte sich das nicht gefallen lassen. Bon früheren Aufläufen gegen die Offiziere wisse er, aber die seien gewiß harmloser Natur gewesen. Frauen amüsierten sich dabei mit dem Abbrennen von FröschÄ— Die gattze Sache wäre im Sande verlaufen, wenn man den Leutnant v. Forstner entfernt hätte. Gewiß hatte er ein Recht, auf die Straße zu gehen, aber das hätte nicht in so provozierender Weise geschehen sollen, wie der Zeuge es beobachtete. Der Zeuge Rechtsanwalt Setter gab eine ähnliche Darstellung der Vorgänge.
er Zeuge Referendar Gärtner bekundete gleichfalls, daß auf dem Schloßplatz und in den Straßen vollkommene Ruhe herrschte. Er hält, wie er bereits in der Voruntersuchung angegeben hat, seine Erklärung aufrecht, er habe den Eindruck gehabt, daß die Leutnants vorgeschickt worden seien, um die Bevölkerung zu reizen. Einige Musketiere sagen aus, daß sie verhöhnt worden seien. Zahlmeister Körtje bekundete, daß er am 28. November abends von seinem Dienstzimmer aus in gewissen Zeitabständen von der Hauptstraße her Lärm hörte. Zeuge Kornmann erklärte, daß er von Leut- nant Schad ohne Grund in den Rücken gestoßen und ins Gesicht geschlagen worden sei, sodatz er einen Zahn verloren habe. Er habe wegen Körperverletzung Straf- antrag gestellt. Leutnant Schad kann sich an den Vorfall nicht erinnern. Kornmann, die Soldaten und andere Zeugen wurden darauf vereidigt. Unter großer Spannung erfolgte darauf
Wenn ich dann eine Last werden sollte, dürft Ihr Euch nicht beschweren."
„Nur keine Sorge."
„Wie geht es Dir sonst? Daß ich in Pension gesetzt wurde, daß ich gezwungen wurde, mir einen Zylinder anzuschaffen, das wirst Du ja schon gewußt haben."
„Nein! Ich war sehr erstaunt darüber. Ich wollte schon fragen."
„Das würde eine lange Geschichte werden. Ich bin ein Opfer der englischen Spione geworden; gerade in meiner Obhut waren die Pläne der neuen Gewehrmodelle, die auf irgendeine Weise nach England verraten wurden. Darüber erhielt ich natürlich den Abschied."
Bei dieser Gefprächswendung war Berta von Mar- berg vom Tische weggegangen und blickte durch das Erkerfenster auf die Straße hinunter.
„Ist denn daran etwas Wahres, daß England bei uns so manchen Agenten und Spion unterhält?"
„Manchen? Ich sage Dir, Du darfst nicht Deinem Nachbar trauen. Mir ist es ein Rätsel, wie aus meiner Wohnung die Kopien der Gewehrmodelle hinausgelangten. Aus meiner Wohnung!"
„Aber Papa, Du regst Dich immer wieder darüber auf!" klang es vom Fenster her.
„Ein Wunder würde es sein, wenn es nicht so wäre."
»Ich hatte es Dir doch schon so oft erklärt, daß es nur an jenem Abend geschehen sein kann, da wir Gäste hatten."
(Fortsetzung folgt.)