blick von hinten gefaßt und über das Geländer in die Mosel geschleudert.
Zufälligerweise war das Wasser an dieser Stelle nicht tief, und während die Radaubrüder entflohen, gelang es dem Unteroffizier mit Hilfe eines unbeteiligten Mannes, das Ufer wieder zu erreichen. Da festgestellt werden konnte, daß derselbe Tagelöhner Bäumer, der sich von Anfang an in den Ausschreitungen gegen den Unteroffizier hervorgetan hatte, derjenige gewesen war, der ihn ins Wasser gestoßen hatte, so half dem Täter die törichte Ausrede, es sei dies „unabsichtlich" geschehen, nicht viel. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis, während der Staatsanwalt neun Monate beantragt hatte.
Gericht und Recht«
Vier Matrosen wegen Aufruhrs verurteilt. Wegen militärischen Aufruhrs verurteilte das Marinekriegsgericht in Kiel die Marineartilleristen Koebke zu 3 Jahren 4 Monaten, Weber zu 2 Jahren 9 Monaten, Langenweg und Leckefeld zu je 2 Jahren 8 Monaten Gefängnis. Es handelt sich um eine Krawallszene, die die Angeklagten mit mehreren nicht zu ermittelnden Kameraden in dem Forts Stosch herbeiführten, indem sie einen Feuerwerker, der an diesem Tage den Offizier im Dienst vertrat, den Gehorsam verweigerten.
Ein unangenehmer Geldbriefträger. Ein gemeingefährlicher Verbrecher, der sich in der Maske des Heiratskandidaten an heiratslustige ältere Mädchen herangemacht hatte, um sie dann, wenn er ihnen das letzte Geld abgenommen hatte, dem Laster in die Arme zu führen, wurde von der 3. Berliner Strafkammer auf längere Zeit unschädlich gemacht. Der Angeklagte, der angebliche Pferdehändler Rudolf Frank, verbüßt zurzeit eine ihm wegen zahlreicher Heiratsschwindeleien zudiktierte Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 8 Monaten. Wie sich seinerzeit schon ergab, hatte der Angeklagte ein Dienstmädchen, nachdem er der Vertrauensseligen ihre gesamten Ersparnisse abgenommen hatte, auf die Straße geschickt, wo sie für ihn Geld verdienen mußte. Alle Bemühungen, seiner habhaft zu werden, scheiterten an dem Raffinement des gefährlichen Burschen. Schließlich gelang es durch List, ihn aus seinen Schlupfwinkeln herauszulocken. Ein Kriminalschutzmann verkleidete sich als Geldbrieftrüger und erschien als solcher in der Wohnung einer seiner Geliebten mit dem Hinweise, daß er eine Postanweisung zu bestellen habe, die aber nur an Frank selbst ausgezahlt werden dürfe. Der Beamte wurde aufgefordert, am nächsten Tage wiederzukommen. Der Angeklagte ging auch in die Falle und statt des erwarteten Mammons blinkte ihn die Erkennungsmarke des Kriminalbeamten entgegen. Wegen der jetzt zur Anklage stehenden Straftaten erkannte die Strafkammer auf 2 Jahre Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust und Ueber- weisung an das Arbeitshaus nach verbüßter Strafe.
der Prozeß gegen Lbersl v. Reuter.
Der Andrang des Publikums zum zweiten Verhandlungstage am Dienstag war noch stärker als bei der Eröffnung. Als erster Zeuge wurde Leutnant Rethke vernommen, der die Gründe darlegte, aus denen er Verhaftungen vorgenommen hat. Eine Zeugin, Frau Evers, die neben dem Hotel „Zum Karpfen" wohnt, sagte aus, daß die Offiziere im Hotel faßen, von der Menge mit Worten wie „Dreckschwob" „Saupreitz" usw. beschimpft worden feien. Sie habe sogar gehört, daß eine Prämie von 10 Mark für denjenigen ausgesetzt worden sei,
der am meisten Radau mache.
Auch sei ihr erzählt worden, daß 200 Mann aus Mühlhausen eintreffen sollten, um einen Krawall zu provozieren. Diese Aussage hätte sie schon früher gemacht, habe sie aber auf Verlangen des Bürgermeisters zurückgenommen. Dann folgten die Vernehmungen von Offizieren, Mannschaften und Unteroffizieren sowie der verhafteten Bewohner von Zabern. Während die Soldaten übereinstimmend bekunden, daß Ansammlungen stattgefunden haben und für das Militär Anlaß zum Einschreiten gegeben war, um die Offiziere vor Beleidigungen zu schützen, sind die Verhafteten sämtlich der Ansicht, sie hatten sich
keines Vergehens schuldig gemacht.
Diese Zeugen geben aber doch zu, daß geschrieen, gepfiffen und gejohlt wurde. Diese Aussagen stehen in scharfem Gegensatz zu den Bekundungen der Justizbeamten, des Staatsanwalts Krause, des Amtsrichters Brand und des Assessors Gries, die erklärt hatten, daß Stillschweigen geherrscht habe. Im allgemeinen gestaltete sich das Gesamtbild, das sich bis jetzt aus den Vernehmungen ergeben hat, günstiger für die Angeklagten. Kreisdirektor Mahl erklärte, daß er am Montag in einem Punkte mißverstanden sei, nämlich in seinen Aeußerungen über die Persönlichkeit des Kaiserlichen Statthalters.
Abweichende Aussagen.
Nach einer Mittagspause wurde die Verhandlung mit der Zeugenvernehmung fortgesetzt, die das gleiche Bild wie am Vormittag ergab. Sämtliche Zivilpersonen behaupteten, daß sie ruhig ihres Weges gegangen waren und daß nur einige junge Leute ein wenig gejohlt und geschrien hätten. Das Militär hätte friedliche Bürger festgenommen, und im Pandurenkeller sei ihnen nicht einmal Erlaubnis zum Verrichten der Notdurft gegeben worden. Die Militärpersonen bekunden dagegen, daß in den Straßen laut geschrien worden sei und daß nur solche Leute festgenommen worden wären, die gejohlt und geschrien hätten. Zur wetteren Verhand- wng wurde noch eine Reihe weiterer Zeugen geladen. Darauf wurde der Prozeß auf Mittwoch früh 9 Uh
ir ver-
Zeuge von Forstner im Gedränge.
^^eSn^5ten des Landgerichtsgebäudes wartete SCÄC Menschenmenge, bis Leutnant von Forstner, ^ von zwei Kameraden befand, er- diesen durch die belebten Straßen nach dem Bahnhof. Er wurde von einigen SrÄ 0^ allmählich andere an- schlossen, sodaß schließlich eine ansehnliche Menschenmenge hinter ihm herschritt. Am alten Baumarkt, etwa dreihundert Meter vom Bahnhof entfernt, hielten es die Offiziere für geraten, ihren Weg nicht zu Fuß fort- stmdern bestiegen eine Elektrische. In diesem Augenblick wurden
laute Hohn- und Pfuirufe gegen Leutnant von Forstner laut. Die Polizeibeamten, welche hinter den Offizieren Hergingen, vermochten nicht, diese vor> der peinlichen Szene zu bewahren.
Der dritte Berhandlungstag.
** Am Mittwoch, dem dritten Verhanölungstage, ÄM»«
m^f^^g Vertreters der Anklage wurden noch weitere Zeugen geladen, darunter die Landgerichtsräte Ka- ^ und BeenelMMN und Stgatsanwatt Kleinbövmer>
Der erste Zeuge, Kreiskommissar Müller aus Zavern, behauptet, daß er sich des Eindrucks nicht erwehren sönne, daß bei der Vernehmung seine Aussagen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden sollten und daß ihm sogar Worte in den Mund gelegt worden seien, die er nicht gebraucht habe. Kriegsgerichtsrat O s s i a n d e r verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf der Verfälschung des Protokolls und beantragt die Ladung des damaligen Protokollführers. Kreiskommissar Müller erklärt weiter, daß er gehört habe, daß ein Dienstmädchen des Hauptmanns Rogge im Protokollbuch gelesen habe, daß für den 28. November abends von 5 bis 12 Uhr Maschinengewehre bereit zu stellen seien. Leutnant von Forstner soll auch gesagt haben, blaue Bohnen sollten noch fliegen. Oberst von Reuter erklärt, das Aufkommen derartiger Gerüchte sei begreiflich. Er hätte angeordnet, die Wochen zu verstärken und
die Maschinengewehre bereit zn stellen, weil er erwartet hätte, daß der Kreisdirektor die Hilfe des Militärs anrufen würde. Kreiskommissar M tt 1 - I e r stellt fest, daß an den strittigen Tagen gejohlt und gepfiffen worden sei. Zeuge Polizeiwachtmeister M i s ch t l e r, seit 41 Jahren in Zabern, betont, daß es sich bei den Ansammlungen nur um Neugierde, nicht aber um Bösartigkeit gehandelt habe. Der Zeuge bezeichnet es
als Kinderei, daß nach Polizisten und Gendarmen mit Steinen ge- worfen worden sei.
Vermischtes
Sechs Frauen und Mädchen von einem Messerstecher verletzt. Messerattentate sind in den letzten Tagen tn Heide (Schleswig-Holstein) ausgeführt worden. Wie bis jetzt festgestellt werden konnte, hat der Attentäter sechs Frauen und junge Mädchen auf offener Straße durch Messerstiche verletzt, die meist in den Oberschenkel drangen. Die Verletzungen sind im ganzen nicht schwer; doch haben einige Frauen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Der Unhold wurde schließlich in der Nähe des
verletzt. Messerattentate sin
Rathauses, wo er eben eine Frau gestochen hatte, von einem Passanten gefaßt und mit Hilfe von einigen jungen Leuten nach dem Rathause gebracht, wo seine Verhaftung erfolgte. Bei seiner Vernehmung gab er an, Ernst Kroll zu heißen, am 4. Januar 1884 in Remscheid geboren und von Beruf Schlosser zu sein.
Der Polizeihund an Bord eines Linienschiffes. Auf dem Linienschiff „Kaiserin" war, wie aus Kiel gemeldet wird, die Kantinenlast von Dieben gewaltsam geöffnet und zum Teil ausgeraubt worden. Gestohlen wurden u. a. Mettwürste, ein großer Karton mit Schokolade, Pfeifen, Tabak und mehrere hundert Mützenbänder. Tags darauf ließ man den Kieler Polizeihund „Flora" an Bord kommen. Nachdem das Tier an den leeren Schachteln, die in der Nähe der Kantine gefunden worden waren, Witterung genommen hatte, verbellte es vor der angetretenen Mannschaft drei Heizer als Täter. Bei der Untersuchung ihrer Spinde und der Bunker wurde der größte Teil der gestohlenen Sachen vorgefunden.
Pflichttreu bis in den Tod. Der Eisenbahnschlosser Körver aus Windhausen war auf dem Bahnhöfe Her- zogenrath mit dem Anziehen von Gleisschrauben, die sich gelockert hatten, beschäftigt. In einer Weiche klemmte sich der Schraubenschlüssel gerade in dem Augenblicke fest, als ein Güterzug heranbrauste. Körver erkannte sofort, daß eine Entgleijung des Zuges unvermeidlich sei, wenn der Schraubenschlüssel in der Weiche stecken bliebe. Sein Pflichtgefühl siegte über den Selbsterhaltungstrieb. Der Gefahr, in die er sich beaab, nicht achtend, suchte er mit aller Kraft den Schlüssel ays der Weiche zu entfernen. Im letzten Augenblick gelang ihm dies; ungefährdet passierte der Zug die Weiche. Er selbst, aber mußte seine Pflichttreue mit dem Leben bezahlen, denn er selbst vermochte nicht mehr zur Seite zu springen, der Zug erfaßte ihn und tötete ihn auf der Stelle. Ehre sei dem braven Eisenbahner, der auf dem Felde der Pflicht mutig und treu gefallen ist, wie der Soldat in der Schlacht!
Die amtliche Verfolgung des „Bauernschrecks" eingestellt. Als Ergebnis einer von der steiermärktschen Statthalteret angeordneten Konferenz in dem vom „Bauernschreck" bedrohten Gebiete wird aus Graz mitgeteilt, daß die bisher mit Aufwendung außerordentlicher Hilfsmittel betriebene Verfolgung des Raubtieres eingestellt wurde. Die Regierung ließ sich hierbei von folgenden Gesichtspunkten bestimmen: Ist das Raubtier — dessen Art leider noch immer nicht festgestellt werden konnte — wider Erwarten auch nach Eintritt des Winters nicht in die Niederungen herabgewechselt sondern verblieb in den höher gelegenen Gebieten der Kor- alpe, und wird seit dem Abtrieb des Weideviehes nur noch Wild verfolgt und gerissen, so ist es gerechtfertigt, von weiteren sicherheitspolizeilichen Vorkehrungen ab- zusehen und die zu treffenden jagdlichen Maßnahmen den Inhabern jener großen Jagdgebiete zu überlassen, in denen sich das Raubtier zeit einigen Wochen ausschließlich aufhält.
Ein lustiges Stückchen vollführten zwei Schwindler in Ronsdorf bei Cöln. Die beiden Arbeiter Dugen und Weber waren des Dtebstahls verdächtig und daraufhin verhaftet worden. Dugen wurde jedoch zunächst wieder entlassen; er hatte aber nichts Eiligeres zu tun, als die Rondorfer Polizei telephonisch anzurufen und sich dem Beamten am Apparat als Kollegen aus Langerfelö vor- zustellen, der beauftragt sei, die Freilassung des Weber zu veranlassen. Dieser genieße einen guten Ruf und es läge nichts gegen ihn vor. Man möge ihm außerdem eine Mark Zehrgeld mit auf den Weg geben, die die Gemeinde Langerfeld ersetzen werde. So geschah es denn auch, und die beiden Gauner trafen sich bald darauf, um gemeinsam die empfangene Mark zu ver- kneipen. Die Freude dauerte allerdings nicht allzu lange, da der Schwindel entdeckt und die beiden wieder festgenommen wurden.
Die Hochzeit einer Kobleuprinzessin. Im Palais des Geheimrats Fritz v. Friedlaender-Fuld in Berlin wird die Vermählung der einzigen Tochter Marie-Anne des Kohlenmagnaten mit John Freeman-Mitford gefeiert. Als Vorveranstaltung wurde am Sonntag abend eine große Soiree gegeben. Etwa 300 Personen aus den Kreisen der Hofgesellschaft, der Diplomatie, der Hochfinanz und Großindustrie nahmen an dem Feste teil. Das Programm des Abends brächte, wie aus Berlin gemeldet wird, künstlerische Genüsse nicht alltäglicher Art. Unter der Regie Max Reinhardts führten die bewährtesten Kräfte des Deutschen Theaters einige Szenen aus dem „Sommernachtstraum" auf. Tänze von Grete Wiesenthal, die eigens aus Wien gekommen war, Gesangsvorträge von Herta Stolzenberg und Luise Marck vom Deutschen Opernhaus in Charlottenburg und Vorträge des Philharmonischen Orchesters bildeten den übrigen Teil der Abendunterhaltung, die nach einem an kleinen Tischen servierten Souper mit einem Ball endete, der die Gesellschaft bis nach Mitternacht vereinigt hielt. Unter der großen Zahl der Gäste bemerkte man auch die Minister Dr. Delbrück, Dr. von Dallwitz, von Breitenbach, den Oberpräsidenten Dr. von Rheinbaben, die Gemahlin des Kolonialfekretärs Dr. Solf, den Po- ltzeivräsidenten von Jaaow, den Chef des Generalstabes
General von Moltke, den ehemaligen Kriegsminister v. Einem. Am Montag fand die standesanüliche Trauung statt. Am Dienstag um 2 Uhr erfolgte tn der Dreifaltigkeitskirche die kirchliche Trauung des jungen Paares.
Aus der Jugend. Als ich das letzte Mal in Berlin war, sehe ich „Unter den Linden", wie ein größerer Junge einen kleineren ganz jämmerlich verhaut. Ich wende mich darauf an den größeren und sage: „Wenn ich jetzt Dein Vater wär', ich würde Dir aber eine ganz kräftige Portion verabfolgen." — Darauf kommt prompt die Antwort: „Det Vergnügen könn' Se haben, meine Olle is' Witwe!"
Eine interessante Löwenjagd.
Der bekannte englische Löwenjäger Dugmore erzählt in einer englischen Zeitschrist von einer aufregenden Löwenjagd, die er in Afrika unternommen hatte, und bei der es ihm gelungen war, mehrere sehr interessante photographische Aufnahmen von Löwen zu machen. Mit sechs Gefährten zog er in die Nähe des Thika-Flusses, da dieses Gebiet als besonders löweu- reich gilt. Sein Hauptzweck war, zum ersten Male lebende Löwen in voller Freiheit auf die photographische Platte zu bannen. Danach traf er auch mit seinen Gefährten seine Vorbereitungen, die weniger dem Erlegen von Löwen galten, als dem Photographieren.
Bis an die Zähne bewaffnet, lagerten sie sich an einer durch Dornenbüsche geschützten Stelle, in deren Nähe ein von Löwen überfallenes Zebra lag. Sie legten ihre Büchsen schußbereit hin mit) stellten acht photographische Apparate in einer Linie von 64 Fuß Länge nebeneinander auf. Nun lauschten sie der Dinge, die da kommen sollten. Bei Anbruch der Nacht wurde in dem hohen Grase ein leises Geräusch hörbar, das die Annäherung eines Löwen ankündigte. Mit Hilfe einer kleinen elektrischen Lampe wurde die Nähe des Tieres estgestellt und im selben Augenblick der elektrische Knopf n Bewegung gesetzt, der die Beleuchtung hervorbringen ollte. Als das Blitzlicht nun plötzlich mit einem schuh- artigen Knall aufleuchtete, und die Dunkelheit in ein grelles, bläuliches Blitzlicht getaucht wurde, sprang die Löwin, die sich bei dem Zebra niedergelassen hatte, erschreckt auf und zog sich mit zornigem Brüllen zurück.
Nun dauerte es ungefähr eine Stunde, bis wieder ein Tier herannahte. Diesmal war es ein männlicher Löwe von ungeheuren Dimensionen, der sich fast lautlos heranschlich. Im richtigen Augenblick leuchtete das Blitzlicht von neuem auf, und ein zorniges Brüllen war wiederum die Antwort des in seinem Mahle gestörten Königs der Wüste. Er zog sich einige Schritte zurück, wobei er fortwährend die Leute im Dornengebüsch im Auge behielt. Mit Hilfe der elektrischen Lampe stellten die Löwenjäger fest, daß noch drei Löwen herannahten. Sie wollten sich dies Bild nicht entgehen lassen und ließen das Blitzlicht wiederum in Wirkung treten. Die Löwen waren furchtbar aufgeregt, ihr Brüllen wurde immer zorniger, und die Jäger griffen jetzt zu ihren Gewehren, da die Lage sehr verzweifelt war. Plötzlich sahen sie, wie das größte Tier sich zum Sprung gegen sie anschtckte. In diesem Augenblick riß Dugmore sein Gewehr an die Wange und gab auf das Tier einen Schutz ab. Zugleich mit ihm feuerten alle seine Gefährten.
Der Erfolg war großartig. Zwei Tiere lagen in Todeszuckungen, und die anderen zogen sich unter unaufhörlichem Gebrüll langsam zurück. Nun konnten die Jäger aufatmen. Sie blieben noch einige Stunden, um noch einmal eine Gelegenheit zu photographische« Aufnahmen zu finden. Gegen 3 Uhr nachts schlich wiederum ein Löwe heran, der aber beim Aufleuchten des Blitzlichtes sofort den Rückweg antrat. Während der ganzen Nacht ertönte noch im wetten Umkreis das Brüllen der aufgeschreckten, zornigen Tiere. Dugmore hatte aber seinen Zweck erreicht und neben einer aufregenden Lö- wenjagö auch mehrere vorzügliche Bilder von den Tieren machen können.
*■ neuestes vom Coge.
Tod im Brauukohlenschacht.
es* Anuaburg (Bez. Halle), 7. Januar. Auf der Ag- nesgrube bei Plessa töteten niedergehende Kohlenmassen zwei Grubenhäuer. Auf der Senftenberger Margagrube verunglückten im Wasserstollen zwei Arbeiter tödlich.
Explosion in einer Pulverfabrik.
es* Paris, 7. Januar. Wie die Blätter melden, sind in der staatlichen Pulverfabrik zu Vonges bet Lyon zwei Arbetter durch eine Explosion getötet und mehrere andere schwer verletzt worden. Ein Teil des Gebäudes ist zerstört. Nach einer Mitteilung ds Kriegsministeriums sind vier Mann verwundet, jedoch keiner getötet worden.
Schweres Unglück auf einem französischen Panzer.
«s* Paris, 7. Januar. Nach einer Meldung aus Toulon wurden durch einen Kesselrohrbruch an Bord des Kreuzers „Gaulois" vier Mann durch ausströmen- den Dampf schwer verletzt.
Jahrelang im Keller gefangen gehalten.
e-* Paris, 7. Januar. (B. Z.) In dem Dorfe Olivet bet Orleans sind eine 68 Jahre alte Besitzerin und ihr Sohn verhaftet worden, die eine Verwandte wegen Erbschaftsstreitigkeiten seit zwanzig Jahren im Keller ihres Hauses gefangen gehalten hatten. Das Mädchen war mit Ketten an die Wand gefesselt und hat tn ihrer Kerkerhaft den Verstand verloren. Als Lager diente der Unglücklichen ein armseliger Strohhaufen.
Erdbeben in Griechenland.
«e* Athen, 7. Januar. Aeußerst heftige Erdstöße, die von unterirdischem Donner begleitet waren, wurden gestern nachmittag verspürt. Es soll bedeutender Materialschaden angerichtet sein. Verluste an Menschenleben sind anscheinend nicht zu beklagen.
280 verabschiedete türkische Offiziere.
e** Konstantinopel, 7. Januar. Die genaue Zahl der in den Ruhestand versetzten höheren Offiziere beträgt 280. Für militärische Ausgaben während des Etats- jahres ist ein Nachtragskredit von 3 210 000 Pfund bereu gestellt.
Die Schwierigkeiten der Flugtechnik überwunden?
es* Neuyork, 7. Januar. Die hiesige Presse veröffentlicht lange Berichte über die Versuche, die Orville Wright in Dayton in Ohio mit seinem automatischen Stabilisator unternommen hat. Danach sollen die letzten Schwierigkeiten der Flugtechnik überwunden sein. Wright umfuhr verschiedene Male den Flugplatz von Dayton mit großer Geschwindigkeit, ohne mit den Händen die Lenkvorrichtung des Aeroplans zu berühren. In jeder Lage fand das Flugzeug sein Gleichgewicht wieder. Mit Hilfe der Wrightschen Borrichtung soll jedermann imstande sein, in der kurzen Zeit von einer halben Stunde die Handhabung des Flugzeuges zu erlernen.