Blutvergießen verhindert
zu haben. Verschiedene Vorfälle seien harmlos zu erklären. Es war eine ganze Zeitlang ruhig in Zabern, bis am 26. November ein Liebesmahl der Offiziere statt- gefunden haben soll, nach dem sich die Offiziere auf der Straße sehr laut benommen und Leutnant Schad gestolpert sein soll. An sich würde ich dabei gar nichts finden. Oberst von Reutter telephonierte mich an diesem Abend an, seine Offiziere würden auf der Straße belästigt. Obwohl ich Gäste zu Hause hatte, ging ich sofort hinunter und hörte, daß der Bankbeamte Kahn von Leutnant Schad verhaftet worden sei. Ich habe weiter gesehen, wie Leutnant Schad mit einer Patrouille von vier Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr auf und ab ging. Ich ging auf Leutnant Schad zu und forderte ihn auf, mit mir auf den menschenleeren Schloßplatz zu gehen und seine Patrouille zurückzuschicken. Er sagte aber, er sei beleidigt worden und hätte jemand verhaftet. Ich habe ihm gesagt,
er dürfe niemand verhaften, und wenn er jemand auf frischer Tat festnehme, müsse er ihn sofort der Polizei übergeben. Ich würbe dafür sorgen, daß die Leute sofort dem ordentlichen Richter vorgeführt werden. Ein Beisitzer: Hatten Sie den Einoruck, daß Leutnant Schad bei diesem Gespräch betrunken war? Zeuge: Jawohl, den Eindruck hatte ick. Angekl. Leutnant Schad: Das ist nicht wahr. Als ich an dem Abend dem Kreisdirektor von den Vorfällen Mitteilung machte, hat der Kreisdirektor zu den Leuten, die vor einer Wirtschaft standen, gesagt, macht doch nicht so viel Lärm und geht nach Hause. Ich habe beim Liebesmahl etwas Wein getrunken, aber dann habe ich an einer Turnstunde teilgenommen, und ich war keineswegs am Abend, während ich mit der Patrouille ging, betrunken. — Zeuge: Er war ordentlich angetrunken, aber er hat der Uniform, das will ich sagen, keine Un- ehre angetan. Er hat eben einen über den Durst getrunken. Der Zeuge erklärte dann weiter: Am 27. November war ich in Straßburg bei Unterstaatssekretär Mandel zum Diner. Der kommandierende General von Deimling war auch da.
Plötzlich kam ein Telegramm: „Aufruhr in Zabern".
Ich wollte sofort nach Zabern fahren. Aber da sagte Exzellenz Mandel: Sie kommen doch schon zu spät: jetzt ist alles passiert. Ich hatte wiederholt gebeten, nach Zabern fahren zu können, aber Exzellenz Mandel ließ mich nicht fahren. Auch der kommandierende General von Deimling hatte den Eindruck, daß ich nicht zu fahren brauchte: denn er fügte: Herr Kreisdirektor^ trinken wir beide auf den Frieden von Zabern. Der Zeuge Rsgie- rungsamtmann Großmann erklärte, er habe vom Kreisdirektor aus Straßburq, als er diesem die Unruhen meldete, die Anweisung erhalten, bei dem Obersten v. Reutter die Zurückziehung der Militärpatrouillen zu erbitten. Der Oberst habe ihm erklärt, er halte es für ein Glück, wenn jetzt Blut fließe.- Er bekomme so schon Vorwürfe, weil er nicht energisch genug vorgeye. — Nach der Aussage des Bürgermeisters Knöpfle war von einem Aufruhr keine Rede.
Die Aussagen der nächste» Zeugen, darunter der Offiziere des Regiments Nr. 99, lassen sich kurz zusammenfassen. Gegenüber den Behauptungen der militärischen Zeugen, daß gejohlt und gegröhlt worden sei, und daß eine mehr oder weniger namhafte Menge sich auf den Straßen oder bei der Hauptwache an dem denkwürdigen 28. November angesammelt habe, beharren vier Zeugen aus dem Zivilistenstanöe auf ihren Aussagen, wonach auf dem Platze „Totenstille" geherrscht habe, und auch von dem Johlen wollen einzelne dieser Zeugen nichts gehört haben. Unter den Zeugen befindet sich auch Leutnant v. Forstner, der u. a. bekundet, daß er allein 1400 Zuschriften und Postkarten schmähenden Inhalts erhalten habe.
Die Fortsetzung -er Zeugenvernehmung,
** Am Dienstag vormittag 9 Uhr wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Es sind noch 58 Zeugen zu vernehmen. Die Zeugin Frau E v e r s, Inhaberin eines Zigarrengeschäfts, gibt eine Reihe von Schimpfworten wieder, mit welchen die Offiziere belegt wurden. Die Aeußerung, es werde offenbar gegen die Offiziere gehetzt, nimmt die Frau auf Veranlassung des Bürgermeisters zurück. Die Radaubrüder seien Leute aus der Umgegend und halbwüchsige junge Leute aus Zabern gewesen. Den Obersten von Reutter bezeichnet sie als einen begeisterten Elsässerfreund, der an dem Leid kleiner Leute werktätigen Anteil nahm. Leutnant Brunswick sagt aus, daß sich sieben Arbeiter am 29. November im „Karpfen" dicht neben die Offiziere gesetzt, herausfordernde Reden geführt und offenbar beabsichtigt hätten, Skandalszenen zu veranstalten, woran sie jedoch das Erscheinen des Obersten von Reuter gehindert habe. Um 10 Uhr zog sich der Gerichtshof zurück, um gegen die Berichterstattung der „Franks. Ztg? Stellung zu nehmen.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Parsifal in Berlin. Montag abend wurde im Ber- ttner Königlichen Opernhause zum ersten Male Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal gegeben. Die
Einrichtung, für die der Kaiser sich lebhaft interessiert hat, ist unter der Oberleitung des Generalintendanten v. Hülsen-Häseler geschaffen worden. Das Haus war ünem festlich gekleideten Publikum gefüllt. IN
von der
oßen Hofloge versammelten sich die Umgebungen ajestäten. Um 6% Uhr erschienen der Kaiser, die
der ^.—,^,.^.^,,. WH1 V/Z W^** VV|VyiV*lV*U VW dlUl|V(/ VIV Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin. Orchester und Darsteller vereinigten sich zu ganz hervorragenden Wirkungen. Das Publikum folgte der großzügig geleiteten und in jedem Betracht vortrefflich ge- kungenen Aufführung ' “ " Versuche, am Schluß & wurden abgelehnt.
^1^ ^jähriger Blinder das Sehen lernt. Die ^ae?arzten^angestellten Beobachtungen Wer das ^^^^^^heilter angeborener Blindheit haben ge- der.operierte Blindgeborene die ihm vorge- legtw Gegenstände erst durch Befühlen richtig deutet. Das ^ehen muß erlernt werden, wie die Neugeborenen interessanten Fall be- Augstein in der neuesten Nummer der „Um chau", Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik Frankfurt aM) Es handelt sich hier um einen 15jährigen blindgeborenen Zögling. Der Knabe unterschied sich in den ersten Wo- Ken nach der Operation „gar Nickt von einem Blinden und lief auf alle Gegenstände auf. In der vierten und fünften Woche trat die Möglichkeit ein, Tischen und Stühlen aus dem Wege zu gehen, wenn er es mit einiger Muhe fertig brächte, zentral zu fixieren, ö. h. die Gegen- stande genau st, der SebackL zu haben. Er hatte also
j in ernster Stimmung. Einige chluß der Vorstellung Beifall zu klatschen,
M kein „Gesichtsfeld", 5.^. feiste Möglichkeit der von der Seite. In den nächsten Wochen &M alsdann auch „Gesichtsfeld" ein, während die MirÖ' also die Zentrale Wahrnehmungsfähigkeit, Tatsack^s. öunahm. Es ergibt sich also die gewichtige feelt& Aß "eben dem bisher ausschließlich betonten 'epischen VorganLL, durch den &j Tastsinn Lebrer und
Führer des optischen Sinnes wird, für die Anfangszeit auch das Verhalten der Netzhaut eine Rolle spielt. Sie ist zunächst nicht fähig, Biloer der Außenwelt in einer für die Nervenbahnen der Außenwelt verwendbaren Form aufzunehmen.
Vermischtes.
Eine Tragödie zweier Liebenden. Der frühere Redakteur des „Korrespondent", der Zeitschrift des Buchdruckgewerbes, Ludwig Rexhäuser aus Raöolfzell am Bodensee, der durch seine leidenschaftlichen Polemiken gegen die Sozialüemokratie seinerzeit in den weitesten Kreisen bekannt wurde, lebte seit einigen Tagen mit seiner Geliebten, der Gattin seines Chefs, in Pfronten. Auf einem Ausfluge faßten sie den Entschluß, sich im Walde mit Opium zu töten. Nach mehreren Stunden erwachte aber Rexhäuser wieder und machte nun den Versuch, sich mit seinen vollständig erstarrten Händen die Pulsadern zu öffnen, was ihm jedoch nicht gelang. Mittlerweile kam auch die Frau wieder zum Bewußtsein. Sie irrten lange Zeit im Walde umher und traten schließlich unter unsäglichen Schmerzen den Rückweg mit vollständig erfrorenen Füßen an. In Pfronten wurden sie ins Krankenhaus gebracht, wo ihnen die Füße werden abgenommen werden müssen.
Untergang eines Tankdampfers. Nach einem von dem Hapagdampfer „Bavaria" eingelaufenen drahtlosen Telegramm heißt der an der atlantischen Küste in Seenot geratene Tankdampfer „Oklahoma". Von seiner Besatzung sind wahrscheinlich 24 Mann ertrunken. Acht Mann sind gerettet worden. Obwohl noch mehrere andere Schiffe zum Beistand herbeigeeilt waren, war doch die „Bavaria" nur allein imstande, Hilfe zu leisten. Sie nahm den Kapitän Gunter, mehrere Offiziere und Mannschaften auf. Von der übrigen Besatzung hat man keine Nachricht. Nach der Meldung der „Bavaria" ist der Dampfer nicht vollständig gesunken, sondern treibt, teilweise unter Wasser, hilflos dahin. Die „Bavaria" mit dem Kapitän der „Oklahama" und sieben Mann der Besatzung an Bord, wird am Dienstag in Boston fällig. Man hofft, daß sich noch Leute der Mannschaft auf anderen Schiffen befinden.
Den Tod eines weiblichen Sonderlings, der in der dänischen Hauptstadt großes Aufsehen erregt hat, melden Kopenhagener Blätter. Es war eine alte Dame, die abgeschlossen von der Außenwelt, in einer großen Villa hauste. Aber von der endlosen Zimmerflucht bewohnte sie nur einen einzigen Raum. Die anderen Stuben standen seit einer Reihe von Jahren verschlossen, und keines Menschen Fuß hat sie betreten, bis jetzt beim Tode der alten Dame die Polizei sich gewaltsam den Eingang erzwäng. Zwanzig Jahre hindurch hatte die alte Dame das Leben eines weiblichen Sonderlings ge- sührt. Mit niemanden kam sie zusammen, sie lebte von kärglicher Nahrung, die ihr durch ein Fenster täglich zugeschoben wurde. Der weibliche Sonderling kam denn auch auf eine seltsame Art und Weise ums Leben. Die alte Dame verbrannte im Bette, und als Nachbarn auf das Feuer aufmerksam wurden und zur Rettung Her- beieilten. fanden sie nur die verkohlte Leiche vor. Glücklicherweise aber gelang es, die Flammen zu ersticken. Denn sonst wäre ein Vermögen von 150 000 Kronen, das sich unter allerhand Gerümpel und altem Papier vorfand, zerstört worden. In ihrem Testamente vermachte die seltsame Alte Wohltätigkeitsanstalten große Summen.
Vom „Dienstmädchen" zur „Haushaltsassistentin". Am 1. Januar hat für die dänischen Dienstmädchen eine neue Aera begonnen. Am 31. Dezember waren sie ausgestorben, radikal verschwunden: am Neujahrstage 1914 aber standen sie wie der Phönix aus der Äsche wieder auf: als „Haushaltsassistentinnen" erwachten sie zu neuem Leben. Wehe der ehrsamen Hausfrau, die mit beiden Füßen noch im Altertum steckt und es sich einfallen läßt, auf dem Mietskontor ein „Dienstmädchen" zu verlangen. „Es gibt keine Dienstmädchen mehr," wird man sie belehren. „Aber wenn Sie eine Koch- Sientin oder eine Zimmerassistentin oder vielleicht eine Kinderassistentin wünschen, dann kann Ihnen damit gedient werden." Noch eins haben ferner die dienstbaren Geister in Dänemark durchgesetzt. Sie dürfen fortan nicht mehr bei ihrem Vornamen gerufen werden. So seltsam diese Neuerungen auf den ersten Blick anmuten mögen, sie haben einen sehr anzuerkennenden Untergrund. Man will natürlich auf diese Weise den Versuch machen, eine bessere Dienstbotenklasse heranzu- bilden, und dadurch, daß man den dienstbaren Geistern die Anrede zubilltgt, die man im täglichen Leben sonst jedem weiblichen Wesen widmet, auch die Mädchen für den Haushalt gewinnen, die bislang gerade wegen dieses nicht mit Unrecht als Entwürdigung ausgefaßten alten Zopfes fernblieben. Die Neuerungen tragen also auch dem Interesse der Herrschaften Rechnung.
Ein schweres Weihnachtsgeschenk. Ein Bäckermeister in Passau sammelte seit etwa zwei Jahren alle Kupfermünzen, die er erhielt, um den Wunsch seiner Gattin, deren Lieblingsspruch war: „Wenn ma nur alleweil an Pfennig ham!" in genügender Weise zu erfüllen. Der Meister brächte bis 3. Dezember insgesamt 15 872 Pfennigstücke und 5966 Zweipfennigstücke, die einen Zentner wogen, zusammen. Mit Stolz übergab er dann das Geld, das einen Betrag von 278 ^K 4 ^ ausmacht, der Gattin als Weihnachtsgeschenk.
Die Hochzeit vor Toresschluß. Im amerikanischen Staate Wisconsin gab es an diesem Silvester eine ganz besondere Aufregung: an diesem Abend, an dem ^nst die Geschäfte ruhen, hatten die Standesbeamten alle Hände voll zu tun und ihre Bureaus waren so voll, daß sie bis Mitternacht offen bleiben mußten Jmme.r neue Pärchen drängten heran, die durchaus noch vor Anbruch des neuen Jahres in den Hafen der Ehe etn- laufen wollten. Der Grund für diese merkwürdige Eilfertigkeit lag darin, daß am 1. Januar ein neues Ehegesetz in Kraft trat, das eine genaue ärztliche Untersuchung für Braut und Bräutigam verlangt, von deren Ausfall die Gewährung der Heiratserlaubnis abhängt. Die Bestimmungen sind aber im einzelnen so unklar, daß die Standesbeamten sich überhaupt weigern, Leute zu trauen, bis alles geklärt ist. Und daher hatten es die Silvesterbräute von Wisconsin so eilig.
Auf Witwen und geschiedene Frauen hatte es ein Berliner Heiratsschwindler abgesehen, der als Kammermusiker aufzutreten pflegte. Hinter ihm verbarg sich ein früherer Landmesser Karl Felsch, der schon lange in seinem Berufe nicht mehr arbeitete. Felsch besuchte Frauen, die Zimmer vermieteten, ließ sich die Räume zeigen, und wurde umso leichter mit den Vermieterinnen einig, als er auf den Preis nicht zu sehen pflegte. Er hob sogar hervor, daß es ihm darauf nicht so sehr an- komme, weil er als Kammermusiker ein festes Gehalt von 300 Mark beziehe und außerdem noch reichliche Nebeneinkünfte habe. Schon recht bald stellte sich der Herr Kammermusiker mit seinen Wirtinnen auf den freundlichsten Fuß, und er hatte das umso leichter, als er durchblicken ließ, daß er gar nicht abgeneigt sei, sich einen eigenen Hausstand zu gründen. Wenn er sich genügend in das Vertrauen einaeschlicben und bestimmte
Hoffnungen erweckt hatte, so kam er mit der Klage, -atz ein Freund ihn mit einer Bürgschaft hineingelegt habe. Beweglich schilderte er, daß dieser ärgerliche Zwischen- fall ihn noch zwingen könne, seine wertvolle Geige zu verpfänden. In diese böse „Zwangslage" ließen ihn aber die heiratslustigen Frauen erst gar nicht kounnen. Sie streckten ihm gern vor, was er zur Einlösung seiner Bürgschaft brauchte, sei es, daß er einen Wechsel zu bezahlen oder Gerichtskosten zu decken, oder sonst was zu leisten hat. Sobald ihm der Schwindel geglückt war, ließ der „Kammermusiker" sich in der Wohnung nicht mehr sehen. Die Frauen waren um ihr Geld und um ihre Hoffnungen ärmer. Mehrere Betrogene wandten sich an die Kriminalpolizei, die nach den Beschreibungen auf Felsch kam. AIs sie den Frauen dessen Bild vor- legte, erkannten sie ihn anch gleich wieder. Beamte ermittelten nun eine Geliebte des Schwindlers, zu der er schon länger in Beziehung stand, beobachtete deren Wohnung und nahm ihn fest, als er wieder einmal zu Besuch kam.
Auf Umwege». „Der Heine Hugo (nach Schulschlutz zum Vater): „Denke Dir, Papa, siebzehn in unserer Klasse bleiben sitzen." — Vater: „Und Du?" — Der kleine Hugo: „Ich auch."
Spionageaffäten an der Oslgrenze.
Mehrere Verhaftungen.
Im Laufe der letzten beiden Wochen wurde in K ö - n i a s b e r g eine Anzahl von Personen unter Spionageverdacht verhaftet. Es handelt sich hauptsächlich um Personen von Militärbehörden und mit diesen im Zusammenhang stehender Institute. Es soll eine umfang- reiche, schon seit Jahren betriebene Spionage vorliegen. Die in Haft genommenen Personen erhielten von Rußland aus ihre Anweisungen und lieferten dorthin ihre Berichte. Als einer der ersten wurde ein Angestellter der Landesversicherungsanstalt in Haft genommen. Wie verlautet, soll er früher lange Jahre beim Militär einen Vertrauensposten bekleidet haben und durch einen Russen zum Landesverrat verleitet worden sein.
In dem Haus, in dem der erwähnte Beamte wohnte, soll man sich schon lange über den Aufwand, den die Familie trieb und der mit dem Einkommen des Beam
ten in keinem Verhältnis stand, gewundert haben. Erwiesen ist jetzt, daß dieser Beamte sowohl bet einer Kö- nigsberger Bank und bei einem Bankgeschäft in Kopenhagen bedeutende Summen — man spricht von über 100 000 Mark — hinterlegt hat, die bei seiner Verhaftung mit Beschlag belegt wurden. Die in aller Stille eingeleitete Untersuchung hat noch andere BeweMtücke für die Schuld des Beamten ergeben und zu einer Reihe weiterer Verhaftungen geführt.
Einer der Beihilfe Verdächtigen wurde von offener Straße weg in Hast genommen. Als einer der Haupt- beteiligten an der Spionage wird ein bei einem Kö- nigsberger Konsulat Angestellter bezeichnet, der trotz seines bescheidenen Gehalts einen großen Aufwand trieb, sich einen eigenen Kraftwagen leistete und bet kostspieligen Veranstaltungen nie fehlte. Diesem ist es jedoch gelungen, sich durch die Flucht in Sicherheit zu bringen. Seit einigen Tagen ist eine Anzahl Berliner Geheimagenten mit der Klärnng der ganzen Angelegenheit und der Aufdeckung der zahlreichen von den spionagever- öächtigen Personen unterhaltenen Verbindungen beschäftigt. Das Ergebnis der ganzen Untersuchung wird streng geheimgehalten.
neueste Drahtnachrichten.
Die angebliche» Telegramme -es Kronprinzen.
o-*! Frankfurt a. M., 6. Januar. Die „Frkf. Ztg." erfährt von ihrem Straßburger Korrespondeten aus angeblich eingeweihten Kreisen, daß der.Kronprinz an den General v. Deimling, nicht an den Obersten v. Reutter, zwei Telegramme gerichtet habe. Das erste datiere schon vor den Ereignissen vom 28. November und laute: „Immer feste drauf! Friedrich Wilhelm, Kronprinz!" Das zweite datiere vom 29. November und laute kurz: „Bravo! Friedrich Wilhelm, Kronprinz." Ferner erwähnt der Korrespondent, daß General v. Deimling das erste Telegramm für eine Mystifikation nach dem Beispiele des Zahlmeisteraspiranten Wolter hielt und sich die Nichtigkeit des Telegramms vom Telegraphenamt bestätigen ließ.
Ein Versuch mit -er Arbeitslosenversicherung.
w Frankfurt a. M., 6. Januar. Hier ist die städtische Arbeitslosenversicherung eingeführt worden. Als Grundsatz der Versicherung gilt, daß der Arbeitslose sich mindestens ein Jahr hier aufgehalten hat und nicht nur vorübergehend als Arbeitnehmer tätig war. Ferner muß der Arbeitslose einem Gewerbe angehören, auf Grund dessen ihm die Ausführung städtischer Notstands- arbeiten nicht zugemutet werden kann. Die Unterstützung beträgt für Unverheiratete 70 Pfennige, für Verheiratete eine Mark, für jedes unversorgte Kind bis zum Alter von 16 Jahren 15 Pfennige, im Gesamtbetrage bis zu 1,60 Mark pro Tag.
Versuche mit dem Friedmannsche« Serum.
** Berlin, 6. Januar. (B. Z.) Professor Schleich und Dr. Frieömann sind nach Davos abgereist, um einer Aufforderung folgend dort tuberkulöse Patienten mit dem Friedmannschen Heilmittel zu behandeln.
Einbruch in die Villa Humboldt.
»-* Berlin, 6. Januar. lB. Z.) Aus dem gegenwärtig von der Gräfin von Heyns bewohnten Humboldtschlößchen bei Tegel erbeuteten Einbrecher eine große Anzahl silberner Bestecke und andere Silbergeräte, ferner neun wertvolle elfenbeinerne Figuren, mit denen die Gebrüder Humboldt oft dem Unterhaltungs- spiel oblagen.
Tod auf der Strecke.
w» Marienwerder, 6. Januar. Der Vorstand des Eisenbahnbetriebsamts Marienwerder, Regierungsbaurat Mortensen wurde heute früh 9% Uhr bei Kilo- meter 87 in der Nähe von Sedlinen vom Zuge 503 überfahren und sofort getötet. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.
Der Tod auf dem Elfe.
o-* Königsberg, 6. Januar. Der Fischer Unruh und seine beiden ältesten Söhne sind bet Himmerbude auf dem Eise des Seekanals, den sie im Schlitten überschreiten wollten, eingebrochen und ertrunken.
Leiden Schiffbrüchiger.
w» Chrtstiania, 6. Januar. Der norwegische Korndampfer „Espana", von Stettin unterwegs, scheiterte nachts in der Höhe von Stavanger. Acht Mann ertranken, sechs Mann der Besatzung retteten sich unter fürchterlichen Qualen mit Rettungsgürteln an die Küste.
Familientragödie infolge eines ErbschaftsstretteS.
»-£ Madrid, 6. Januar. In dem Marktflecken Ber- begal erschoß der älteste Sohn eines kürzlich verstorbenen Gutsbesitzers infolge eines Erbschaftsstreites feine Mutter und seine beiden Geschwister. Darauf entleibte er sich selbst.