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Exotische Soldaten in Frankreich

Eine begrabene Hoffnung der Franzosen.

Aus Paris kommt soeben die Nachricht, daß der Kriegsminister auf den Bericht des Generalstabsarztes der Armee hin beschlossen bat, die gegenwärtig in meh­reren Städten Südfrankreichs diensttuenden Kreolen kontingente, die sich nicht an das Klima gewöhnen köm nen, wieder in die Kolonien zurückzuschicken. Das im vergangenen Jahre in Frankreich in Kraft getretene Wehrgesetz hat nicht nur die dreijährige Dienstzeit wie­der eingeführt, sondern auch, um für verschiedene Neu- formationen und für Verstärkung schon bestehender Truppenteile das nötige Menschenmaterial zu schaff, die Bewohner der afrikanischen Kolonien Frankreh zum aktiven Heeresdienste verpflichtet.

Es handelt sich hier hauptsächlich um die Bewohner der Antillen, von Martinique und Guadeloupe, die unter dem 14. bis 18. Breitengrade geboren sind und nun plötzlich unter dem 43., leben sollen. Man hatte sie schon wohlweislich in die im Süden Frankreichs stehenden Kolonialregimenter gesteckt, weck man von vornherein annahm, daß die armen Halb- und Ganz- neger das viel rauhere Klima Mittel- oder aar Nord- Frankreichs keinesfalls vertragen würden. Aber auch diese Vorsicht hat nichts genützt, denn aus Marseille wurde in den letzten Tagen gemeldet, daß von 338 Bet dem 22. Kolonial-Jnfanterieregiment eingestellten Nig­gern einige 60 an den verschiedensten Krankheiten im Lazarett lägen, und ein unverhältnismäßig hoher Pro­zentsatz schon gestorben sei. Genau dieselben Verhält­nisse liegen beim 24. Kolonialregimente vm:.

Der Etirdruck, den es auf die unglücklichen Menschen machen muß, wenn jeden Morgen beim Appell mehrere ihrer Kameraden fehlen, die vor Frost bebend in ihren Betten liegen, und wenn sie erfahren müssen, daß reden Tag ein Opfer des Klimas begraben werden muß, ist natürlich ein sehr schlechter und niederdrückender und macht sie immer widerstandsunfähiger. Dabei hat man alles Mögliche versucht, um den Kolonialtruppen das Klima erträglicher zu machen und hat sie sogar mög­lichst nach heimatlicher Weise ernährt, aber alles ver­geblich. Aus Marseille werden darüber interessante Einzelheiten berichtet. Die schwarzen Rekruten werden von der Regierung mit der größten Sorgfalt behandelt. Die Oefen in der Kaserne stehen Tag und Nacht in Hoch­glut. Die Leute erhalten morgens ein gutes Frühstück und bleiben bis 8 Uhr in ihren Stuben, wo man ihnen Unterricht erteilt. Falls das Wetter günstig ist, wird 1^ Stunden lang in der Sonne exerziert. Nach ihrer Rückkehr in die Kaserne wird das Mittagessen, das in der Hauptsache aus Reis und anderen den Rekruten genehmen Speisen besteht, eingenommen. Nachmtztags findet nur bei Sonnenschein wieder ein zweistündiges Exerzieren statt. In der Zwischenzeit erhalten die Re­kruten heißen Rum. Um 5 Uhr werden nochmals warme Getränke verabreicht.

Natürlich entstehen durch eine solche Verpflegung Mehrkosten, die durch die zur Verfügung stehenden Dienstgelder nicht bestritten werden können. Dieser Umstand, aber noch viel mehr die Ueberzeugung, daß die armen Menschen nutzlos hingeopfert werden, da sie sich ja doch nie an das europäische Klima gewöhnen können, hat bewirkt, daß jetzt endlich diesem Skandal ein Ende gemacht wird, trotzdem man durch einen ähn­lichen mit Senegalesen gemachten Versuch von vorne- herein hätte gewarnt sein können. Allerdings müssen die Franzosen hiermit eine Hoffnung zu Grabe tragen, die sie auf diese Leute in'einem zukünftigen Kriege mit

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, vtMMältüna, ihre Entlassung zu nehmen, habe der I Kaiser, noch bevor der Reichskanzler in Donaueschingen I eingetroffen war, seine Entscheidung im Sinne des Statthalters getroffen: als Herr v. Bethmann Hollweg ’ ankam, war die Sache bereits erledigt und er hatte sich vergebens bemüht. Das Regiment wurde zur Winters­zeit in die Verbannung geschickt — General v. Deimling soll in Kürze ein anderes Armeekorps erhalten. Staats­sekretär Zorn v. Bulach konnte — ein bisher unerhörter Vorgang in der deutschen Beamtenschaft — an ine „Ber­liner Morgenpost", ausgerechnet die „Morgenpost, drahten, daß er nun keinen Anlaß mehr habe, seine Ent­lassung zu nehmen. D' s - ^~

Sieg der Zivilverwaltung und wir wer.

daß der prächtige Führer des elsässischen Korps aus Straßburg weichen muß, während Graf Wedel, Zorn von Bulach und die Unterstaatssekretäre im Amte blei-

Diese Kundgebung bestätigt den ' wen es erleben,

ben."

Soweit die sachliche Mitteilung, für die man die Verantwortung natürlich den „Alldeutschen Blattern überlassen muß. Das Neue an ihr ist die Behauptung, daß der Kaiser sich zunächst für den General v. Deimling entschieden habe, dann aber von dem Grafen Wedel, ohne jede Fühlung mit dem Reichskanzler, umgestimmt wor­den sei. Bei diesem Sachverhalt, den man aber natür­lich noch nicht als erwiesen annehmen kann, würde man in dem Verhalten des Reichskanzlers manches erklärlich finden.

Politische Rundschau.

Das Kronprinzentelegramm an Oberst von Rentier. Von gut unterrichteter Seite wird unter Bestätigung der Nachricht, daß der Kronprinz seinerzeit dem Obersten v. Reuter in Zabern auf telegraphischem Wege seine Anerkennung wegen der schneidigen Wahrung der mili­tärischen Autorität ausgesprochen habe, die Behauptung aufs entschiedenste bestritten, daß zwischen diesem Ver­halten des Kronprinzen und seiner Versetzung nach Berlin ein Zusammenhang bestehe. Auch die Ausbeu­tung des Umstandes, daß der Kronprinz nicht an dem Festmahl der kommandierenden Generale beim Kaiser teilgenommen habe, in der Richtung, daß zwischen dem Kaiser und dem Kronprinzen eine ernstliche Differenz bestehe, wirb von unterrichteter Seite als gänzlich grund­los bezeichnet.

Der „Fall Jagow" erledigt? Wie laut dem „Vor-

wärts" das führende konservative Organ in Pommern zuverlässig erfährt, darf der Fall Jagow als erledigt an­gesehen werden. Das Staatsministerium habe sich mit der Sache überhaupt nicht befaßt, das Ministerium des Innern aber habe keine Veranlassung gefunden, gegen v. Jagow dienstlich vorzugehen, da seine publizistische Auslassung eine rein private Auslassung gewesen sei.

König Ludwig und der Reichsgedanke. Die Baye­rische Staatszeitung schreibt in ihrem dem Geburtstage des Königs gewidmeten Festartckel: „In Bayern wie im Reiche erfreut sich unser geliebter König als Mann wie als Fürst aufrichtiger Achtung und hoher Vereh­rung. Noch steht in frischer Erinnerung, in welch ritter­licher Weise Kaiser Wilhelm 2. seine Gefühle für den Herrscher Bayerns bekundet hat. Die sympathischen und warmen Worte, mit denen die ös'

öffentliche Meinung cd Auftreten König

die Franzosen hiermit _____ . ,, „ „ _

die sie auf diese Leute in'einem zukünftigen Kriea Deutschland gesetzt hatten. Denn wenn sie nur n Sonne leben können, eine besondere Verpflegung und eine reichliche Menge warmer Getränke haben müssen, dürften sie wol" '

in der

Hl in einem europäischen Kriege nicht recht un. Vielleicht sind sie aber noch in Nord-

verwendbar fe\ _____ , ,

afrika zu verwenden und damit wäre den Franzosen auch schon geholfen, weil sie dann ihre dort stehenden braunen Truppen gegen Deutschland ins Feld stellen

könnten.

vouaueschlugeu in neuer Beleuchtung.

Ueber die Entscheidung, die der Kaiser in Donau- eschingen inbezug aus die Zaberner Vorfälle getroffen hat, bringen die „Alldeutschen Blätter", das Organ des Alldeutschen Verbandes, eine Darstellung, die in der Oeffentlichkeit sicher noch lebhaft besprochen werden wird. Sie lautet wie folgt:

Aus Berlin wird uns mitgeteilt, daß der Statt­halter Graf Wedel, nachdem der Kaiser zunächst den Vorschlägen des kommandierenden Generals v. Deim- " w zugestimmt hatte, sein eigenes Entlassungsgesuch ...:b das des Staatssekretärs Freiherrn Zorn v. Bulach, sowie der Unterstaatssekretäre angekündigt habe, falls der Zivilbehörde nicht Recht gegeben werde: dies müsse in der Form geschehen, daß das Regiment 99 von Zabern entfernt und daß General v. Deimling versetzt werde. Gegenüber dieser Msicht aller obersten Spitzen der Zi-

liN!

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Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

7) (Nachdruck verboten.)

Er verbeugte sich dabei auch gegen deren Beglei­terin, die mit einem Nicken dankte und dann antwortete: „Baronin Theben. Und dies ist meine Tochter Mia. Sie sehen mich erstaunt, von einer Gefahr zu hören, die Mia bedroht haben soll. Mir hatte sie nichts erzählt."

„O, es war wirklich nicht so schlimm gewesen, Mama," versuchte Mia von Theben äbzulehnen.

Aber die Baronin von Theden ließ sich nicht be­irren: „Davon müssen Sie mir erzählen!"

Und Robert Hatzfeld berichtete sein Abenteuer und tat dies mit Worten, die so lebhaft die Kühnheit der jun­gen Dame schilderten, der ja alle Gedanken der letzten Tage gehört hatten, daß die Baronin lächelnd antwor­tete: „Ich ahnte gar nicht, baß ich eine solche Heldin zur Tochter habe. Mir hgtte sie nichts erzählt."

„Es war aber wirklich nichts Besonderes. Wäre Herr Hatzfeld nicht hinzugekommen, dann hätte ich das Kind kaum retten können, und ich selbst wäre nicht sehr gut durch meine Kühnheit weggekommen."

„Da muß ich Ihnen noch danken, daß dieser Vor­witz meines Kindes kein schlimmeres Ende genommen hatte."

„Deshalb habe ich gewiß nicht davon erzählt. Ich habe das gnädige Fräulein nur bewundert, weil es bei der Gefahr des Kindes an sich selbst am wenigsten ge­dacht hatte."

Und im Laufe der Unterhaltung wurde auch das Ziel der Fahrt genannt.

„Dann streben wir dem gleichen Ziele zu. Sie haben gewiß geschästlich in Berlin zu tun?" forschte die Baronin.

„Allerdings. War ich dort zu tun habe, ist sogar

Deutschlands bisher das Wirken un, ,.

Ludwigs 3. begleitet hat, zeigen, daß das deutsche Volk sich in diesem Empfinden mit dem Kaiser eins fühlt. Die Nachörücklichkeit, mit der unser König jederzeit den Reichsgedanken betont hat, der Ernst, mit dem er

das deutsche Volk wiederholt auf die Notwendigkeit in­nerer Abgeschlossenheit und die Bundesstaaten aus die Notwendigkeit gemeinsamer, die gegenseitigen Inter­essen achtender Zusammenarbeit hingewiesen hat, haben im ganzen Reiche Widerhall erweckt und Beisall ge­funden.^

Eine Novelle zum preußischen Beamtengesetz vom 21. Juli 1852 wird dem preußischen Landtage demnächst zugehen. Die Novelle beschästigt sich, wie eine parla­mentarische Nachrichtenstelle erfährt, mit der Wieder­aufnahme des Disziplinarverfahrens und entspricht im wesentlichen dem dem Reichstage vorgelegten Gesetz­entwurf über die Wiederaufnahme von Disziplinarver­fahren. Bei dieser Gelegenheit werden auch einige Un­ebenheiten und Kompliziertheiten des alten Beamten­gesetzes eine Abänderung erfahren.

Kleine nachrichten.

Ein neues Zeppelinschiff hat am Montag in Frieü- richshafen die Gasfüllung erhalten. Die erste Fahrt ist für Mittwoch in Aussicht genommen. Das Schiff ist für Dresden bestimmt.

Meuchelmord an einem Lehrer. In Quidersbach bei Landstuhl (Baden) wurde der Lehrer Wesner auf dem Nachhauseweg in der Nähe seiner Wohnung von zwei Männern hinterrücks erschossen. Wesner war 45 Jahre alt und Vater von sechs Kindern.

geeignet, einiges Grauen hervorzurufen. Mordmaschi­nen soll ich auf deren Wirksamkeit erproben."

„Mordmaschinen? Wie war doch Ihr Name?"

„Hatzfeld, Robert Hatzfeld."

„Ich glaube mich entsinnen zu können, den Namen schon einmal irgendwo gelesen zu haben. Haben Sie vielleicht schon Erfindungen gemacht?"

„Einige bedeutende. Interessieren Sie sich dafür, gnädige Frau?"

„Etwas. Was aber haben Sie mit Mordmaschinen zu tun?"

„Sehr viel! Ich habe solche mit bedeutenden Verbes­serungen konstruiert, Kanonen nämlich, die leichter transportfähig sind, durch neues Sprengpulver gestei­gerte Explosionskraft besitzen und außerdem bis auf die Sekunde für die Zündung regulierbar sind. Man kann genau einstellen, daß beispielsweise das Geschoß in einer Entfernung von zweitausend Meter zwei Meter über dem Boden zur Explosion gelangt, sogar bei Schützen­gräben selbst bis zu fünf Meter unter der Erde. Das Gewicht meiner Geschütze würde sich bei gleicher Wirk­samkeit der bisherigen auf die Hälfte reduzieren lassen. Der Vorteil liegt also auf tret Hand."

Robert Haßfeld hatte bisher nur mit der Baronin von Theden gesprochen, bis er es fühlte, daß er dadurch gerade die vernachlässigt hatte, die er allein hatte aufsu­chen wollen. Und er wandte sich ihr zu: „Verzeihen Sie, daß ich Sie damit langweile. Aber jeder Mann ist töricht genug, seinen Beruf und seine Arbeit als das Wichtigste anzusehen."

Mit einem leichten Lächeln antwortete Mia von Theden: „Ich finde es doch interessant, was Sie erzähl­ten. Ihre Erfindung soll also in Berlin erprobt werden?"

„Gewiß! Und dann soll die deutsche Regierung sie ankaufen."

„Warum gerade die deutsche? Wenn doch Ihre Er-

Die Katze im Schornstein. Aus einem eigenartigen Anlaß wurde die Berliner Feuerwehr am Sonntag nach­mittag nach der Müllerstraße gerufen. Dort war eine Katze in den Schornstein geraten und klagte jämmerlich, da sie seit mehr als acht Tagen ohne Nahrung war. Die Feuerwehr stemmte den Schornstein an zwei Stellen aus, und es gelang ihr auch, die Katze nach fast zweistün­diger Arbeit zu befreien.

Unter dem Verdacht der Unterschlagung verhaftet wurde in Bern der Buchhalter Johann Tusin aus Düs­seldorf. Der Verhaftete soll sich unrechtmäßig 150 000 ,X angeeignet haben. Er wohnte seit einiger Zeit mit sei­ner Familie in Bern. Da die Papiere nicht in Ordnung befunden wurden, wird Tusin an Deutschland ausge­liefert werden.

Die Berliner kriegen nie genug. Eine neue Zeit­rechnung scheint, wie wir im „Franks. Generalanz." lesen, die Kaiserliche Post in Berlin eingeführt zu ha­ben, denn sie arbeitet jetzt mit 13 Monaten. So traf ein Brief aus Berlin W. in Wiesbaden ein, der den deut­lichen Poststempel trug: „31. 13. 13. 1—2 N."

Von einem Bierfaß erdrückt. Vor einem Restaurant am Dönhoffplatz in Berlin waren Passanten unfrei­willige Zeugen eines schrecklichen Unglücksfalles. Ein Bierwagen hielt dort und der Bierfahrer Kaul schaffte im Verein mit dem Kutscher Fässer nach dem Keller der Wirtschaft. Beide rollten der Zeitersparnis wegen die Fässer die steile Kellertreppe hinab. Dabei glitt Kaul auf dem nassen Boden aus und stürzte rücklings die Treppe hinab. Das schwere Faß fiel so unglücklich auf ihn, daß der Tod fast augenblicklich eintrat.

Der neue Zabern-Vrozeß.

Die Vernehmung des Angeklagten Lt. Schad ergab folgendes: Der Leutnant schildert die Vorfälle an den einzelnen Tagen in ähnlicher Weise wie Oberst von Reutter. Unter den Ausdrücken, die sich die Offiziere gefallen lassen mußten, befand sich am meisten der Zu­ruf „Schwob". Weiter wurde den Offizieren mit Zu­sammenstechen gedroht. Zu der Anklage wegen Haus­friedensbruchs in den Häusern Heil und des Beigeord­neten Gunz sagte der Angeklagte aus, daß von den Tü­ren bezw. den Treppen aus eine laute Verhöhnung des Militärs erfolgt sei. Er habe seiner Instruktion gemäß gehandelt, die ihm befahl, bei Ergreifung auf frischer Tat mit allen Mitteln die Verhaftung zu betreiben. Vom Hause Gunz aus habe ein Lehrling den ganzen Vormittag über die Ueberführung der Gefangenen nach dem Amtsgericht beobachtet und mit lautem Johlen und Pfeifen begleitet. Als er festgenommen werden sollte, schlug der Junge dem Militär die Tür vor der Nase zu. Er gab Befehl, die Tür einzutreten und den Burschen zu suchen. Er glaubte nach bestem Wissen gehandelt zu haben und hielt sich an seine Instruktion, die er vorher auf der Wache durchgelesen hatte.

Die Beweisaufnahme.

Erster Zeuge ist der Kreisdirektor Mahl (Zabern). Er sagt, daß er über den Beginn der Unruhen, die er im übrigen als recht harmlos hinstellt, durch Zaberner Ortsbehörden, so auch durch den Bürgermeister, den Landtagsabgeordneten Knöpfle, recht mangelhaft unter­richtet worden sei. Die anfänglichen Ereignisse kannte er nur durch Hörensagen. Als Kränkung habe ers emp­finden müssen, daß der Kommandant sich nicht an ihn gewandt habe. Sein, Eingreifen begann erst, /s die Zu­sammenrottungen auf der Straße sich ereigneten. Die Kundgebungen richteten sich gegen die Offiziere, nament­lich gegen Leutnant von Forstner wegen dessen Aeuße­rungen über die Wackes. Der Zeuge hat die Anwsiqöurg gegeben, daß die ihm unterstellten Organe den Vorgän­gen mit der größten Entschiedenheit ein Ende zu bereiten hätten. Das Militär sollte unter allen Umständen vor Belästigungen geschützt werden, damit es nicht etwa selbst zum Eingreifen veranlaßt würde. Der Zeuge gab dann eine eingehende Schilderung von dem Eingreifen der Zivilbehörden gegen Ausschreitungen des Publikums. Der Vertreter der Anklage hält dem Zeugen vor, warum er sich nicht ein einziges Mal in der Angelegenheit zum Oberst begeben habe, um mit diesem Rücksprache zu neh­men. — Der Zeuge erwidert, er sei Chef der Landes­polizei, von Rentier Garnisonkommandant. Sie seien gleichberechtigte Behörden, und wer etwas vom anderen verlange, müsse zu diesem hingehen. Warum sei der Oberst nicht zu ihm gekommen? Was solle man auch gegen schreiende Gassenbuben tun? Gegen deren Joh­len könnte niemand etwas. Am nächsten Tage habe er sich zum Empfange des Statthalters am Bahnhöfe ein- genmden. Da fei er in einer unerhörten Weise von Oberst von Reutter behandelt worden. Dieser trat auf ihn zu und fuhr in ihm Kasernentone an: „Wie kom­men Sie dazu, nicht zu mir zu kommen, wenn ich Sie darum ersuche. Sie wissen doch, daß ich Rat zweiter, Sie aber nur Rat vierter Klasse sind." Oberst von Reutter bestreitet die Richtigkeit dieser Darstellung. Sein Hauptverdienst erblickt der Zeuge darin,

findung so wertvoll ist, wie sie nach Ihren Ausführun­gen zu sein scheint, dann würde Ihnen schließlich Eng­land oder Frankreich mehr bezahlen," erwiderte die Baronin.

„Möglich! Aber das will ich nicht, denn ich würde ein schlechter Deutscher sein. Ich liebe mein Vaterland."

Er besam nicht gleich eine Antwort. Die Lippen der Baronin zuckten unmerklich, aber doch im leichten Spotte, worauf Robert Hatzfeld aber wenig achtete, da er in den blauen Augen der Baronesse Mia einen desto wärmeren Blick zugesandt bekommen hatte.

Die Baronin fragte: „Sie werden also für längere Zeit in Berlin Aufenthalt nehmen?"

„Allerdings."

„Haben Sie dort viele Verbindungen?"

„Nein! Ich werde ziemlich fremd sein. Aber da ja Berlin auch Ihr Reiseziel ist, so nehmen Sie eine kleine Unbescheidenheit nicht allzu ungnädig auf. Vielleicht darf ich Sie in Berlin begrüßen?"

„Warum nicht? An jedem Donnerstag ist Emp­fangsabend. Sie werden dabei manche Bekanntschaften machen können. Rauchstratze zwei."

„Ich werde von Ihrer Liebenswürdigkeit bestimmt Gebrauch machen."

„Haben Sie für Berlin sonst gar keinen Anschluß?"

„Doch! General von Marberg ist mein Onkel: es kann sehr leicht sein, daß ich während meines ganzen Berliner Aufenthalts fein Gast sein werde."

„General von Marberg? Ein kleiner, sehr beweg­licher Herr. Er hat auch eine Tochter."

„Ja, das ist er."

Und nun beteiligte sich auch Baronesse Mia am Ge­spräch, in dessen Verlauf Robert Hatzfeld erfuhr, daß eine flüchtige Bekanntschaft mit der Familie feines Onkels bestand.

(Fortsetzung folgt)