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** Ein Festmahl »er kommandierenden Generale. Im großen Festsaal des Hotels Adlon zu Berlin fand gestern abend ein Festmahl der anläßlich des Neujahrs- empfanaes in Berlin versammelten kommandierenden Generale statt. Den Vorsitz führte General von Bock und Polach. Auch an den Berliner Polizeipräsidenten war eine Einladung ergangen.

0* ®ine Reise des französischen Präsidenten nach Rußland. Nach dem Pariser Matin wird Präsident Poincaree in diesem Sommer eine Reise nach Rußland unternehmen und dabei von einem Teile der Mittel­meerflotte begleitet sein. In Rußland wird der Prä­sident den Heeresmanövern beiwohnen.

0-* Wilde Roste vor Maschinengewehren. Aus Würzburg meldet der Draht: Gestern nachmittag zwi­schen 1 und 2 Uhr wurden die P erde der Maschinen­gewehrabteilung des 9. Infanterie - Regiments unter Leutnant Kimmel scheu und gingen durch. Die Pferde einer anderen Maschinengewehrabteilung unter Leutnant Mosureier gingen gleichfalls durch. Beide Leutnants wurden zu Boden geschleudert und erlitten nicht uner­hebliche Verletzungen. Die Pferde überrannten eine alte Frau, die gleichfalls schwer verletzt wurde.

Durch das Tauwetter haben sich die Verkehrsschwie­rigkeiten in Berlin weiter vermehrt. Annähernd vier Millionen Kubikmeter Schnee sind in Berlin zu besei­tigen. Insgesamt sind von der städtischen Stratzenrei- nigungs-Verwaltung siebentausend auf den Straßen be­schäftigt. Die vorhandenen 66 Schneepflüge arbeiten ununterbrochen Tag und Nacht. In der Domburger Straße stürzte, als der Oberleutnant Vogt auf dem Bür- gersteig ging, vom Dache eines Hauses eine große Schnee- last ab. Sie fiel dem Oberleutnant auf den Kopf. Der Verunglückte trug eine anscheinend schwere Gehirner­schütterung davon.

Im Schneesturm erfroren. Der Führer eines Petro- leumwagens aus Neubrandenburg, der sich auf dem Wege nach Feldberg (Mecklenburg) befand, geriet in ei­nen Schneesturm und erfror. Auch eins der Pferde fiel dem Frost zum Opfer. Die Geldtasche des Kutschers, die etwa fünfhundert Mark enthielt, ist verschwunden, soöaß der Erfrorene wahrscheinlich durch einen noch Unbekann­ten beraubt worden ist.

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)f. Der hirner-

ob* Schwerer Stratzennnfall in Berlin. Durch Schneemassen, die vom Dache eines Hauses in der Frank­furter Straße fielen, wurde die Pferde eines Omnibusses scheu. Sie schleuderten den Wagen gegen einen Straßen­bahnwagen, wobei drei Personen von der Plattform des Omnibusses herunterfielen. Der Schaffner erlitt schwere Verletzungen.

Ob» Raubüberfall in einem Hamburger Vorort. In der Nähe des Hamburger Vorortbahnhofs Barmbeck wurde in der Nacht zum Sonnabend der Rangierführer Vogel, der einen Beutel mit 14 000 Mark Lohngeldern auf dem Rücken trug, überfallen und beraubt. Auf der Flucht warf der Täter einen Teil des Geldes fort und entkam.

Rasereien eines Eifersüchtigen. Wegen vermeint­licher Untreue seiner Frau sperrte der Bauerwirt Karac- zun bei Minsk sein Weib in einen Speicher und zündete ihn an. Die Frau verbrannte in dem Speicher mit allem was darin war. Darauf erschoß der Bauer alles Vieh, sämtliche Pferde und Hunde und stellte sich öaiv frei­willig der Polizei. Von dem Gehöft des Rasenden war nichts übriggeblieben als ein rauchender Trümmerhaufen o-* Schwerer Jagdunfall eines italienischen Fürsten. Aus Rom meldet der Draht: Als Fürst Giovanni Borg- hese der Fuchsjagd oblag, scheute das Pferd und sprang in einen tiefen Wassergraben. Die Jagdbegleiter fanden den Fürsten am Kopse schwer verwundet besinnungslos auf. Das Pferd war tot. Der Verwundete wurde in das nächste Bauernhaus getragen, wo er nachts wieder zu sich kam. Er hat eine schwere Gehirnerschütterung erlit­ten. Die Gefahr ist aber überwunden.

o-* Die Kälte in Spanien. Die Provinzen im Nor­den und Nordwesten des Landes, teilweise auch im Sü­den sind von schweren Schneestürmen heimgesucht wor­den. Depeschen aus Almeria und Murcia besagen, daß seit dreißig Jahren nicht derartige Schneemassen nieder- gegangen seien. In Jaca, in der Provinz Huesca beträgt ie Kälte 15 Grad. Zahlreiche Bewohner sind durch den f>chnee von der Ortschaft abgeschlossen. In Madrid wur- en am Freitag 12 Grad Kälte gemessen, die durch einen eisigen Sturm noch unerträglicher wurde.

24 000 Hinrichtungen in einer chinesischen Pro­vinz. Aus Tschengsu (Provinz Szetschuan) wird gemel­det, daß in der genannten Provinz im Jahre 1913 24 000 Hinrichtungen, meist von Räubern, vollzogen wurden. Die hohe Zahl wird auf die neue Umwälzung, den hohen Preis für Opium und die Uebervölkerung zurückgeführt. Die wirklichen Zahlen dürften die Schätzung noch über- treffen._______________________________________________________

Ein Militärzug verunglückt

Sieben Tote.

Aus Metz wird amtlich gemeldet: Freitag nacht gegen 11 Uhr stieß der Militärurlauberzim 44 bei der Ablenkung auf Gleis 9 auf dem Bahnhof Boippy wegen Ueberhol««g durch den Eilzug 112 a«f einen Prellvock aus. Es sind sieben Tote «nd vier Schwerverletzte fest­gestellt worden.

Nach privaten Mitteilungen ist bei dem Ausstößen des Urlauoszuges auf den Prellbock die Maschine ent­gleist und der Packwagen t« eine« Personenwagen hin- etugefahre«. Die Zahl der Toten wird privatim gleich­falls mit sieben angenommen, die Zahl der Schwerver­letzten aber auf zwölf. Dazu kommen noch etwa zwölf Lächtverletzte. Mehrere Bahn- und Militärärzte waren sofort zur Stelle. Auch wurde sofort ein Urlaubszug an die Unfallstelle entsandt, der den Verwundeten die erste Hilfe leistete. Soweit bisher bekannt ist, sind die Ver­wundeten sämtlich in den Lazaretten ««tergebracht. Die Soldaten gehören den in Metz gernisonierenden Regi­mentern Nr. 67 und 144 an.

Weitere Meldungen über das Unglück.

o-* Der verunglückte Militärzug kam aus der Ge­gend von Elberfäd-Barmen und brächte Urlauber der in Metz liegendem Regi______X " 1", "" ihrer Heimat in die Garnison zurück. Die Zahl der Ge­töteten beträgt siebe«. Ihre Namen sind noch nicht ein­wandfrei festgestellt. Je einer gehört den Regi­mentern 67 und 145, die übrigen dem Regiment 173 an. Schwer verletzt, darunter einer lebens­gefährlich, sind fünf Soldaten: Krämer vom 67. Infanterie-Regiment, Mais, Wedding, Schmidt und Dörfer von der 9. Kompagnie des 173. Jnf.-Reg. Die Getöteten sind im Garnisonlazarett in Metz aufgebahrt, «»hm werden auch die fünf Schwerverletzten gebracht. Zwei leicht Verletzte wurden in das Garnisonlazarett zu Montigny überführt. Beide haben Beinbrüche da- vongetragen. Das Unglück ereignete sich zwischen den Bahnhöfen Boippy und Metz. Die Lokomotive hatte

\ bis zur Achse in den Erdboden eingewühlt. Der hinter ihr laufende Packwagen ist im Hinteren Teile zer- i^urmert. Der folgende Personenwagen dritter Klasse, ^^tark beschädigt ist, ist aus ein Nebengleis gebracht SuJekhi F* der Unglücksstelle lagen Taschentücher so- £S£U' in denen die Soldaten ihren Proviant aus er eiW «Machte» »M zerstreut umher,

^imenter 67, 144, 145, 173 aus son zurück. Die Zahl der Ge-

Montigny überfüh Petragen. Das Ui

Die Opfer.

Nach amtlicher Mitteilung der Eisenbahnver- waltung sind die Getöteten: Kicker, Richard, Pütz vom Jnf.-Reg. 174, Wilke, Bahlhoff vom Jnf.-Reg. 145, Lohmeyer, Willncr vom Jnf.-Reg. 67. Das Unglück ist vermutlich auf eine Unachtsamkeit des Lokomotivführers zurückzuführen. Von militärischer Seite wird mitgeteilt, daß die Namen der Opfer noch nicht einwandfrei fest- stehen, da ihre Personalien von der Eisenbahnverwal­tung nach den Namen in den Kleidern ermittelt worden sind. Bei einigen der Toten wurden indessen mehrere Namen festgestellt, wonach sich vermuten läßt, daß einige der Urlauber die Monturen der Kameraden angelegt hatten, was zu Verwechselungen bei der Feststellung der Namen geführt haben kann.

Gericht und Recht«

Die Streupflicht bei Glatteis. Nun hat der Winter sich wieder eingefunden — dazu mit ganz gefährlichem Charakter: bald Eis und Schnee, bald Tauwind und Regen. Von größtem Interesse ist deshalb die Frage der Regelung der Haftpflicht bei Unfällen, die infolge von Eisglätte auf ordnungsmäßigen Gehwegen ein­treten. Die Streupflicht bei Glatteis ergibt sich aus den ortspolizeilichen Verfügungen. Wer gegen eine solche Verfügung verstößt und das Streuen unterläßt, verstößt gleichzeitig gegen Absatz 2 des § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Danach wird der haftpflichtig, der gegen ein den Schutz eines andern bezweckendes Gesetz verstoßt. §u solchen Schutzgesetzen gehören auch die polizeilichen erordnungen. Vielfach besteht die irrige Meinung, daß der Hauseigentümer durch Observanz (Ortsttbung, verliehene Rechte) von der Reintgungspflicht und Streu­pflicht der Straße trotz der polizeilichen Verfügung be­freit fein könne. Bezüglich der Straßenreinigungs- pflicht trifft das zu, dagegen hat das Reichsgericht aus­gesprochen, daß die Polizei ungeachtet der bestehenden Observanz rechtsgültige Verfügungen zum Schutze von Leben und Gesundheit des Publikums erlassen kaun. Zu solchen Verfügungen gehören auch die, die den Grund­stückseigentümern und Straßenanltegern die Pflicht zum Streuen bei Glatteis auferlegen. Nunmehr hat das Reichsgericht wieder ein Urteil des Oberlandesgerichts Breslau aufgehoben, das die Ansicht vertritt, daß eine polizeiliche Verfügung zum Streuen bei Glatteis nichtig sei, weil der betreffende Hausbesitzer durch Observanz von der Straßenreinigungspflicht befreit sei. Das Reichsgericht hat zur Begründung ausgeführt, daß es dort, wo es sich um den Schutz von Leben und Gesundheit der Mitmenschen handelt, nicht darauf ankommt, ob eine Observanz besteht, die durch die polizeiliche Verfügung umgestoßen wird.

Vermischtes

Kaiserliche Ehrung eines Hundertjährigen. Der Kai­ser hat dem früheren Landwirt Nikolaus Grantz in Neunkirchen (Dithmarschen) aus Anlaß seines hundert­sten Geburtstages durch den zuständigen Landrat ein Geldgeschenk von 300 Mark überreichen lassen. Die Grantzsche Familie liefert übrigens so recht den Be­weis von der Vererbung gewisser Familieneigentümlich- keiten, auch der Langlebigkeit. Sein Vater starb im Alter von 78, seine Mutter im Alter von 86 Jahren. Seme Brüder erreichten ein Alter von 77, 78 und 87 Jahren, seine älteste Schwester wurde 94 Jahre alt. Das greise Geburtstagskind war zwar zweimal verheiratet, doch waren diese beiden Ehen mit Kindern nicht gesegnet.

Die Wehrsteuer als Mietsteuer. Zur Frage „Wer be- sahlt die Wehrsteuer?" veröffentlicht ein Mannheimer Blatt ein Zirkular, das der Bauunternehmer und mehr­fache Hausbesitzer Merkel seinen Mietern hat zugehen lassen. Es lautet: Mannheim, den 22. Dezember 1913. Herrn N. N., hier! Durch die Einführung der „Wehr­steuer" auf 1. Januar 1914 — die für mich zirka 5000 .F. betragt — fällt eine allgemeine Mietsteigerung nötig, so leid es mir tut, dieselbe entsprechend zu erhöhen . . Ihre Miete beträgt daher vom 1. April 1914 ab monatlich ►^ • • ., also jährlich ^ . . ., wovon Sie gefälligst Ver­merk nehmen wollen......Hochachtungsvoll! Mich. Merkel. Nach den Beträgen, um die Herr Merkel seine Mieter gesteigert hat, verdankt er, wie die „Frkf. Ztg." dazu bemerkt, dem Wehrbeitrag ein recht gutes Geschäft.

Ein wahrer Held scheint der Schneidermeister Lud­wig Spies von Karlstadt in Unterfranken zu sein. Auf einen Magistratsbeschlutz, in dem ein im Rathaus ein- gelaufenes Schreiben als anonym und deshalb als einer Antwort unwürdig betrachtet worden war, hat Ludwig Spies in der Karlstadter Zeitung nachstehende gehar­nischte Erklärung gegeben: „Der Sp. mit dem Gedanken­strich, das bin ich, Spies Ludwig. Das Schreiben an die kgl. Regierung war nicht anonym, in diesem Falle werde ich die kgl. Regierung und seine Exzellenz zum Zeugen anrufen, denn groß und deutlich war dort meine Na- mensunterschrift zu lesen: Ludwig Spies, Schneider­meister. Auch war es kein Lügengewebe, sondern nur Wahrheiten. An dieser Stelle fällt mir Koppernikus ein, schon stand er auf dem Scheiterhaufen, um für die Wahr­heit verbrannt zu werden, die Welt, sie dreht sich heute noch wie dazumal, daß aber bei der Magistratssitzung nicht ein einziger Mann dabei war, der gesagt hätte, das dürfen wir nicht tun, das Schreiben ist nicht ano­nym, so muß ich unwillkürlich ausrufen: O, alte Bur­schenherrlichkeit, wie tief bist du gesunken. Der wohllöb- liche Magistrat stellt sich hinter die Mauer und schießt mit vergifteten Pfeilen nach einem Familienvater, der weiter nichts getan hat, wie bloß die Wahrheit berichtet und sich seines Lebens wehrt. Ich fordere daher den Staütmagistrat auf, treten Sie vor die Front und kämp- fen Sie offen für die Wahrheit und das Recht. Ihr seid ja so viele große Männer und ich bin nur ein armseliges Schneiderlein. Wie Sie sehen, fürchte ich mich nicht und beuge meinen Nacken nicht vor solchen Verleumdungen und ich gehe an Euch, wie Blücher über den Rhein. Prosit Neujahr! Ludwig Spies, Schneidermeister."

Die erste Kritik -es Parsifal. Zu den ersten Auf­führungen des Parsifal wird über die Aufnahme, die das bedeutsame Werk bei der Uraufführung, die im Jahre 1882 stattfand, aus Kunstkreisen folgendes ge­schrieben: Der Parsifal hat im Jahre 1882 bei seiner Erstaufführung nicht sofort die allgemeine Begeisterung hervorgerufen, die sie heute bei allen Kunstverständigen findet. Wenn man die Kritiken betrachtet, die damals in der Presse veröffentlicht worden sind, dann erkennt man, daß Wagner einem Unverständnis gegenüberstand, das zum Teil an Feindseligkeiten grenzte. So wurde er in manchen Kritiken geradezu verhöhnt und beschimpft. In einer Kritik kann man lesen, daß Wagner weniger ein Komponist großen Stils als ein „Vereinsmeier, Reklameheld, Ränkeschmied, Skandalmacher und Sektie­rer" sei. Die Musik des Parsifal sei ein „unerträgliches Durcheinander und ein Höllenlärm, der von Scheinhei­ligkeit erfüllt sei". In einer anderen Kritik wirb erklärt, daß der Text nur komisch sei, und daß Wagner es vor­züglich verstanden habe, diesem Text ein komisches Operngewand anzulegen. In ähnlichem Sinne äußerte sich auch noch ein großer Teil der Musiksachverständigen, besonders in Frankreich, wo Richard Wagner aus leicht erLärULen Gründe« lange Zeit auf den größten Wider-

So wurde er

iö5nt und beschimpft.

stand Metz. Heute ist in der allgemeinen Auffafstmg ein solcher Umschwung eingetreten, daß man ruhig diese Kritiken belächeln kann.

Vom Karrenschieber zum Bergrat. In Bad Sulza starb dieser Tage, 79jährig, ein in der Bergwissenschaft hochangesehener Mann, der Salinen-Oberinspektor Berg­rat Wunderwald. Wunderwald hat seine Laufbahn le­diglich seiner Zähigkeit und seiner Energie zu verdanken. Er wurde im Königreich Sachsen als der Sohn eines em- fachen Bergmanns geboren, und seine Eltern dachten

nicht daran, den Jungen etwas anderes als auch Berg­mann werden zu lassen. So begann er feine Laufbahn in der Tat als Karrenschteber in den Freiberger Bergwer­ken. Der Jüngling benützte aber jeden freien Augenblick zur weiteren Ausbildung unö es gelang ihm, als er noch nicht 20 Jahre alt war, den Befähigungsnachweis für den Besuch der Bergakademie in Freiberg zu erlangen. Nach­dem er seine Studien vollendet hatte, trat er in den sächsischen Staatsdienst. Späterhin erhielt er den Auf­trag, die Bergwerke im Harz und die Kohlengruben Sachsens wissenschaftlich zu erforschen. Er hat diese Auf­gabe aufs sorgfältigste durchgeführt. Ein weithin be­kanntes Werk über die Bergwerke und Salinen Sachsens war das Produkt seiner Forschungen. Auf Grund dieses Werkes wurde Wunderwald nach Bad Sulza berufen, wo er mehr als 50 Jahre lang tätig gewesen ist. Die Saline von Bad Sulza hat er auf die höchste Stufe der Entwickelung gebracht.

Neues über den Zarewitsch. Der Korrespondent der „Times" in Petersburg bringt einige interessante Ein­zelheiten über den Zarewitsch, die er von einer hochge­stellten Persönlichkeit über die Gesundheit des Knaben erhalten hatte. Nach Verlaus von drei Monaten sah er den Thronfolger anfangs Dezember zum erstenmal wie­der und war erstaunt über den wunderbaren Wechsel, den der Zustand des Prinzen durchgemacht hatte. Ende August zeigte sich immer noch eine schwere Lahmheit im linken Bein, das durch Schienen gestützt werden mußte. Nur unter großer Anstrengung konnte der Prinz an der Hand eines Erwachsenen sich vorwärts bewegen. Er trug ein ruheloses und gedrücktes Wesen zur Schau. „Vor vier Wochen," so fuhr der Gewährsmann fort, „sah ich Seit Prinzen wieder. Er sah rosig und gesund aus und lief ohne Schienen umher, zog aber den linken Fuß noch immer etwas nach. Um mir einen Beweis seiner wiedergewonneucn Kräfte zu geben, stand er auf dem linken Fuß und hob das andere Bein hoch. Die Kräfte des Prinzen haben beträchtlich zugenommen." Der be­treffende Herr hatte eine Unterredung mit dem Hofarzt, der erklärte, daß der Prinz in ein paar Wochen wieder vollständig hergestellt sein wird. Ein paar Tage später, als der französische Lehrer des Prinzen ihm den Rücken zudrehte, sprang der Kleine auf einen Tisch und fiel auf die Erde, wobei er sich das Schienbein des gesunden Fußes verletzte. Es dauerte jedoch nur einige Tage und der Thronfolger sprang wieder umher, als ob nichts ge­schehen wäre. Zur Vorsicht wurde ihm jedoch ein Zim­merarrest von vierzehn Tagen auferlegt. Der kleine Un­fall soll in keiner Weise irgendeinen nachteiligen Ein­fluß auf das tränte Bein ausgeübt haben.

Menelik, der neue Salomo. Der verstorbene Negus Menelik rühmte sich, und seine Untertanen waren felsen­fest davon überzeugt, daß er ein Sproß des Königs Sa­lomo wäre. Die Art, wie er bisweilen in schwierigen Fällen das Recht zu finden wußte, läßt ihn wenigstens als geistigen Nachfolger dieses Ahnherrn erscheinen. In Abessinien herrscht das mosaische Gesetz des Auge um Auge: wer einen anderen verletzt oder getötet hat, und feine Schuld nicht mit teurem Gelde ablösen kann, muß den Blutpreis zahlen. Eines Tages waren nun, wie in der „Times" erzählt wird, zwei Männer damit be­schäftigt, Pflaumen zu ernten; der eine saß auf demVaum und schüttelte die Zweige, der andere stand darunter und las die Früchte auf. Plötzlich brach jedoch der Ast, auf dem der Mann oben saß: dieser stürzte herunter auf sei­nen Gefährten und brach ihm das Rückgrat. Während der schwer Getroffene seinen Verletzungen erlag, kam der andere mit einigen Wunden davon. Die Familie des Getöteten forderte eine Geldentschädigung von 500 X und da der Schuldige kein Geld hatte, forderte sie sein Leben. Der Fall wurde vor Menelik gebracht. „Gut/ sagte der Negus, nachdem er beide Parteien angehört hatte, „ihr habt das Recht, das Leben dieses Mannes zu fordern. Aber das Gesetz stellt fest, daß -er Mörder denselben Tod sterben muß wie sein Opfer. Also klet-

:, auf

zu fordern. Aber das Gesetz stellt fest, daß der $ denselben Tod sterben muß wie sein Opfer. Als- tere einer von euch auf diesen Baum (und tarnt ...... Menelik auf einen riesigen Maulbeerbaum in der Nähe) und stürze sich von den Zweigen auf den Schuldigen herab!" Dazu konnte sich indessen keiner von den Ver­wandten des Getöteten entschließen, und so war für den unfreiwillig Schuldigen Leben und auch Geld gerettet.

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Der Januar in Sprichwörtern.

Dieser Monat hieß früher in Deutschland fall allge­mein der „Frostmond" oder auch der „große Hornung . Wie über andere Monate und Jahreszeiten, hat die bäuerliche Bevölkerung auch über den Januar die man­nigfachsten Sinnsprüche aufgestellt. Je nachdem, ob die- ser Monat in den einzelnen Ländern und Landstrichen mehr oder weniger Frost, Schnee, Eis und Regen bringt, sind auch diese Sinnsprüche recht verschiedenartig, in allen aber kommt zum Ausdruck, daß die nächste Ernte in den Weinbergen, auf Feldern und Wiesen zu einem großen Teil von dem Verlaufe des Wetters im Januar veeinflußt wird. ,......

Fast überall lauten die Sprüche dahin, daß auf einen milden Januar eine schlechte Ernte folgen werde. „Spie­len die Mücken im Januar, kommt der Bauer in große Gefahr," heißt es im westlichen Deutschland,' einen ähn­lichen Gedankengang hat ein süddeutsches Sprichwort, in dem es heißt: „Januar kalt, das gefallt: Januar warm, daß Gott erbarm." Die Weinbauern am Rhein und an der Mosel sagen: „Ist der Januar naß, bleibt leer das Faß." In vielen Gegenden Deutschlands, bis nach Oesterreich hinein, behauptet die ländliche Bevölke­rung: „Wächst das Gras im Januar, wächst es schlecht im ganzen Jahr," oder auch: „Wächst das Korn im Januar, wird es auf dem Markte rar."

Derartige Aussprüche sind auch in anderen Ländern anzutreffen. So sagen die russischen Bauern: „Wenn der Januar Regen bringt, werden die Friedhöfe ge­düngt," aber auch: „Eiszapfen im Januar groß und dicht, dies eine gute Ernte verspricht." In südlicher gelegenen Ländern tritt natürlich der Januar in anderer Weise auf als im Norden, und so sind auch die Sprichwörter anders. In Spanien meinen die Landleute: „Viel Regen im Januar, bringt ein gutes Erntejahr." Ganz anderer Meinung sind wieder die Landleute in Italien: sie be­haupten: „Ist der Januar stets trocken, hat der Land- mann fette Brocken, oder auch: „Wenn der Januar nicht naß, füllt dem Winzer er das Faß."

In der Schweiz heißt es in einem Sprichwort: „Lacht der Januar im Scheiden, bringt das Jahr uns viele Freuden," dag gen aber auch: „Wenn der Januar naß und lau, wird das Frühjahr sicher rauh." Den­selben Gedanken bringen die französischen Landleute zum Ausdruck, wenn sie sagen: „Ist der Januar ge­linde, folgen nach viel rauhe Winde." Aehnliche Sprüche über den ersten Monat des Jahres gibt es noch sehr viele.