Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

SersfeWer KrMlütt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-5!nschluh Nr. 8

Nr. 2. Sonnabend, den 3. Jannar 1914.

Bus der Heimat.

Gedenket der armen Vögel!

Bereits hat der Winter seine Herrschaft gezeigt. Es ist deshalb hohe Zeit, daß wir für die kleinen ge­fiederten Sänger in Busch und Baum, die uns auch über die kalte, unwirtliche Winterszeit treu bleiben wollen, zu sorgen beginnen. Jeder kann es der will, doch ist das Versorgen nicht so einfach, wie es sich viele denken. Vor allem sollen die Futtervorrichtungen an den vor Wind geschützten Stellen, sei es im Hofe, Garten, Park, an offenen Plätzen oder Fensterge­simsen, angebracht werden, damit sie den Katzen und sonstigem Raubwild nicht zugänglich sind. Hier kann mit Reisig, Dornen oder Stacheldraht Vorsorge ge­troffen werden, damit Kleinvögel den Futterplatz be­treten können. Als Futter läßt sich fast alles ver­wenden: Sämereien, Abfälle vom Küchen- und Eß­tisch aus Metzgereien usw. Zu empfehlen sind Sämereien aller Art, besonders ölhaltige, wie Hanf, sowie Nußkernen, Sonnenblumen, Kürbiskernen, leicht gequetscht, auch getrocknete und wieder aufge­weichte oder gemahlene Beeren, wie Hollunder, Eber- e.schen, Hagenbutten, ferner Rosinen und Weinbeeren, zetkleinertes Fett, gekochtes, wenig oder gar nicht ge­salzenes, fein gehacktes Fleisch, Lunge, Herz und Leber. Die letzteren eignen sich namentlich für Meißen und Amseln. Brot zu füttern ist wegen des Naß- und Sauerwerdens nicht geeignet. Auch erzeugt es unge­heuren Durst bei den Tieren. Das Befestigen von Schweinsnabeln und größeren Speck- oder Schwarten- stücken an Bäumen oder Futtertischen usw. ist mit Vorsicht anzuwenden, indem die daran hängenden Meisen sich leicht die Flügel einfetten, dadurch flieg- unfähig und somit leicht eine Beute der Katzen werden.

* (Bekommen wir noch einen harten Winter?) Starke Kälte ist trotz der riesigen Schnee­fälle der letzten Tage meist nicht zu verzeichnen ge­wesen, und die Frage liegt nahe, ob wir noch einen harten Winter zu erwarten haben. Ein Natur­beobachter verneint die Frage und zwar aus folgenden Gründen: Der Igel, der sich sonst fest zusammenrollt, läuft noch ganz gemächlich in den Fluren spazieren, und geht auf die Jagd,- die Fledermäuse haben in der letzten Zeit schon wiederholt geflattert,- unsere Bienen sind immer noch mobil, die Eingänge haben sie, wie man es auch weiterhin beobachten konnte, noch nicht verwachst (zugebaut),- der Maulwurf wirst immer noch tüchtig Hügel, ein Beweis, daß dieser Nimmersatt immer noch in der oberen Erdschicht seine Nahrung (Gewürm, Engerlinge usw.) findet,- die Vegetation ist so weit gediehen, wie wohl selten. Alle Triebe sind schon da. Daran, daß der Winter aller Voraussicht nach mild werden wird, kann auch die Tatsache nichts ändern, daß von den Meteorologen für die nächsten Tage eine ungewöhnlich tiefe Tem­peratur prophezeit wird.

):( Hersfeld, 2. Januar. Wie bereits amtlich be­kannt gegeben findet morgen nachmittag im Saale des Hotel zum Stern eine Besprechung sämt­licher Bürgermeister unseres Kreises statt und zwar über die bevorstehende Veranlagung zum Wehrbeitrag und die sich für die Bürgermeister daraus ergebenden Pflichten.

):( Hersfeld, 2. Januar. Der B e a m t e n v e r e i n hält morgen abend in der Lullusquelle seine monat­liche Versammlung ab, worauf besonders aufmerksam gemacht sei.

):( Hersfeld, 2.'Januar. Die Z a h l d e r Fremden, welche im Monat Dezember hier übernachteten, be­trug 287.

§ Hersfeld, 2. Januar. Dem Zentral-Verbande derGemeindebeamtenPreußens 85 000 Mitglieder ist bekannt geworden, daß in neuerer Zeit im Buch­handel Schriften erschienen sind, durch deren Inhalt Eltern und Vormünder unter anderem darauf hin­gewiesen werden, daß für die die Volksschule ver­lassenden Knaben nicht ungünstige Aussichten bestehen, sich ohne besondere Schwierigkeiten imGemeinde- beamten-Berufe eine gut besoldete feste Be­amtenstellung zu erringen. Diese Angaben stimmen mit der Wirklichkeit nicht überein, denn jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß selbst die mittleren und kleineren Gemeindeverwaltungen, veranlaßt durch die gesteigerten Erfordernisse der Neuzeit, immer mehr dazu übergehen, für wirkliche Beamtenstellen nur be­gabte, mit höherer Schulbildung ausgestattete An­wärter anzunehmen. Die von der Bank der Volks­schule hinweg als Bürolehrling eintretenden jungen Leute, die zufolge einer vom Zentral-Verbande der Gemeindebeamten Preußens bewirkten Erhebung in sehr großer, zur Zahl der wirklichen Beamtenstellen in gar keinem Verhältnis stehenden Anzahl vorhanden

sind, führen in den weitaus meisten Fällen ein be­dauernswertes Dasein. EinHeraufschreiben" zum Sekretär usw., wie dies früher vielfach möglich war, ist jetzt nahezu ausgeschlossen. Gewöhnlich bleiben sie Gehilfen". Es kann hiernach gar keinem Zweifel unterliegen und der Zentral-Verband der Ge­meindebeamten Preußens hält es für seine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß es für einen, lediglich mit dem Wissen eines Volksschiilers ausgerüsteten Knaben durchaus unzweckmäßig ist, in die Gemeinde- beamten-Laufbahn einzutreten; er geht bitteren Ent­täuschungen entgegen. Jeder Handwerker, ja jeder bessere Arbeiter gelangt nach kurzer Zeit in den Besitz eines höheren Verdienstes, als der als Bürolehrling oder Gehilfe beschäftigte junge Mann. Allen Eltern, Vormündern und den die Volksschule verlassenden Knaben sei diese Darstellung eindringlich vor Augen geführt.

* (Düppelgedächtnisfeier 1914.) Zur Erinnerung an die Erstürmung der Düppeler Schanzen und den Uebergang nach AlseN, wo vor 50 Jahren (Preußens reorganisierte Heere die Feuertaufe erhielten, soll in den Tagen vom 27. bis 29. Juni 1914 in Sonderburg eine große Jubiläumsfeier statt- finden. An alle Kämpfer von 1864 ergeht die Auf­forderung, sich an dem Feste zu beteiligen und ihre Meldung dem Festausschuß für die Düppelgedächt­nisfeier 1914 in Sonderburg (Laudratsamt) unter genauer Angabe ihrer Adresse sowie des Truppenteils, in dem sie den Feldzug mitgemacht haben, alsbald anzuzeigen. Mit dem Feste ist auch eine Kriegs­erinnerungausstellung verbunden und werden die Veteranen gebeten, etwaige Erinnerungsgegenstände an die genannte Adresse einzusenden. Die Kosten hierfür werden vergütet.

):( Hersfeld, 2. Januar. Die Nacheichuug der Maße und Gewichte aus der Stadt Hersfeld findet nicht wie ursprünglich bekannt gegeben in der Turn­halle an der Hainstraße sondern in der friiher Stelznerschen Zigarrenspitzenfabrik statt.

Bebra, 1. Januar. Heute früh gegen/25 Uhr ist der etwa vierzigjährige Maschinenwärter Georg Feh- ling im hiesigen Elektrizitätswerk infolge Ausgleitens in das Getriebe einer Maschine geraten. Der Un­glückliche wurde in grausiger Weise förmlich in Stücke gerissen und diese weit weggeschleudert. Der Ver­unglückte hinterläßt eine junge Witwe und drei kleine Kinder.

Fulda, 30. Dezember. Heute nacht ^2 Uhr trug sich auf dem hiesigen Güterbahnhofe ein schwerer Un­fall zu. Der 34 Jahre alte Bremser Nesser aus Hanau, verheiratet und Vater von drei Kindern, glitt während des Dienstes aus, fiel auf das Gleis und wurde von einem Wagen überfahren. Beide Beine bis unterhalb des Knies wurden ihm abgequetscht. Er kam schwer­verletzt in das hiesige Landkrankenhaus.

Caffel, 1. Januar. Ein schweres Unglück ereignete sich in der Sylvesternacht in der unteren Fuldagasse. Dort vergnügte sich der 13jährige Schüler R. mit Schießen aus einer Schreckpistole, wobei gleichaltrige Kinder zuschauten. Plötzlich ging unerwarteterweise ein Schuß los und traf die 13jährige Tochter des Klempners A. in das linke Auge, wodurch dasselbe sofort auslief. Das schwerverletzte Kind wurde sofort nach dem Landkrankenhause transportiert.

Caffel, 1. Januar. Als Nachfolger des Komman­dierenden Generals Frhr. v. Scheffer-Boyadel ist Generalleutnant v. Plüskow, bisher Kommandeur der 25. Division in Darmstadt, mit der Führung des elften Armeekorps beauftragt. Generalmajor Kluge, der hiesige Brigadekommandeur, wurde unter Er­nennung zum Generalleutnant zum Führer der 18. Division (Flensburg) ernannt.

Witzenhansen, 1. Januar. Der Wilderer Fuhr­mann, der am Weihnachtsabend den Förster Knoche vom Forsthaus Nonnenholz ermordete, ist heute früh gegen 3 Uhr durch drei Gendarmen festgenommen und in das Gefängnis hierselbst eingeliefert worden. Fuhrmann hatte sich dem Wirt des Gasthauses zur Krone vorher zu erkennen gegeben und die Absicht geäußert, sich der Polizei zu stellen. Während dieser Zeit ist dann die Gendarmerie benachrichtigt worden und hat den Mörder darauf später verhaftet. Dre Vernehmungen sind bereits im Gange.

Caffel, 2. Januar. Die hiesige Krieger-Sanitäts- kolonne wurde gestern morgen nach Großalmerode gerufen. Dort war es in der Neujahrsnacht in einer Wirtschaft zwischen jungen Burschen zu einer schweren Schlägerei gekommen, in deren Verlauf dem polnischen Arbeiter K. von einem seiner Gegner mit einem Rasiermesser die rechte Hand fast vollständig abge­schnitten wurde. Der Schwerverletzte wurde nach dem Unfallkrankenhause in Wolfsanger gebracht.

Waldeck, 30. Dez. Während eines heftigen Schnee- 1

sturmes kam heute der 14jährige landwirtschaftliche Arbeiter Sträube aus Kleinern, der sich zum Markte nach Wildungen begeben wollte, vom Wege ab und wurde später in einer Schneeverwehung auf dem Felde erfroren aufgefunden.

Suhl, 1. Januar. Bei dem Transport eines Möbelwagens wurde der Geschirrführer Wilhelm Röhner zu Boden gerissen. Der Mann erlitt dabei einen Schädel- und Rtppenbruch, was seinen Tod zur Folge hatte.

Stadtilm, 1. Januar. Im benachbarten Groß­liebringen verbrühte sich das dreijährige Söhnchen des Windmüllers Schnell derart, daß es nach 24 Stunden starb.

Erfurt, 31. Dezember. In Eisfeld erhängte sich der zehnjährige Schulknabe Armin Geisthart am Stubenofen. Als die Angehörigen die Stube betraten war er bereits tot. Was ihn in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt.

Frankfurt a. M., 30. Dezember. In der Altstadt erschoß sich ein Soldat, der in Forbach in Lothringen diente und die Feiertage hier bei seinen Eltern zu- brachte. Heute nachmittag wollte er zu seinem Re­giment zurückkehren,- er hatte bereits Abschied ge­nommen, als man einen Schuß hörte. Die Eltern drangen in das Zimmer und fanden ihren Sohn mit einem Schuß in der Brust tot vor. Am Grenz- graben bei Oberrad wurde gestern nachmittag eine unbekannte etwa 60 Jahre alte Frau erfroren auf­gefunden. Anscheinend handelt es sich um eine Geistes­gestörte, die, ganz notdürftig gekleidet von Hause fortgelaufen war. Die Leiche kam auf den Sachsen­häuser Friedhof.

Eingesandt.

(Unter Verantwortung des Einsenders.)

Ober- und Unterneurode.

Nachdem sämtliche Gemeinden in unserer Um­gebung sich eine Wasserleitung gebaut haben, wird die für unsere Gemeinde projektierte Anlage noch arg bekämpft. Im Sommer holen die meisten Bewohner das Wasser in dem Dorfbach, in welchem die Nachbar- orte Lautenhausen und Hillartshausen ihre Abwässer fließen lassen. Auch werden in dem Bach die Pferde und Schafe gewaschen. Manchmal bringt das Wasser auch einen Tierkadaver (Ratten) mit. Brunnen sind nur wenige vorhanden und im Sommer haben diese kein Wasser. Es wäre gut, wenn die Aufsichtsbehörde dafür sorgen würde, daß das bereits ausgearbeitete Projekt zur Ausführung gelangt.

Eine große Rücksichtslosigkeit herrscht bei der Bahnverwaltung gegen das reisende Publikum auf der Strecke Hersfeld-Treysa. Die dritte und zweite Wagenklasse ist leidlich, vielleicht stellenweise auch gut geheizt, aber die vierte Wagenklasse ist kalt. Dieses ist schon öfters beobachtet und konnte namentlich auch am gestrigen Neujahrstage, der gewiß kalt war, wahrgenommen werden; sowohl beim Früh- zug 6.52 Uhr ab Hersfeld, als auch beim Abendzug 6.32 Uhr ab Oberaula waren die vierte Klassenwaaen kalt. Bei der augenblicklichen Witterung und den ergiebigen Schneefällen gibt es kalte und nasse Füße und es ist nicht mehr wie billig und recht, wenn die EisenbahnverwaltungzwischendemreisendenPublikum, einerlei ob es sich in der zweiten oder vierten Klasse befindet, im Bezug auf die Heizung keinen Unterschied kennt, und namentlich an kalten Tagen die vor­schriftsmäßigen Wärmegrade zu erzielen sucht. Es wird stark die Hoffnung gehegt, daß in Zukunft die vierte Klassenwagen auch ohne Beschwerde beim Herrn Eisenbahnminister die vorgeschriebene Temperatur haben. Ein Wintersportler.

Doch jeden Tag

werden Bestellungen auf das Hersfelder Tageblatt an- genommeu. Dasselbe ist mit seinem amtlichen An­zeiger eine wertvolle Zeitung für jeden Kreiseingesessenen. Das Hersfelder Tageblatt bringt seinen Lesern wöchent­lich ein 8seitiges illustriertes Unterhaltungsblatt sowie eine besondere 4seitige Romanzeitung und alle 14 Tage eine landwirtschaftliche Beilage. Fernere Gratisbeilagen: Wandkalender, Märkteverzeichui^, Taschen- und Plakatsahrpläne mit allen in Betracht kommenden

Strecken.

Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich 1.40 Mk. bei Abholung in unserer Geschäftsstelle, 1.50 Mk. für Hers- seld frei ins Haus, 1.60 Mk. durch die Post.