Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- > . .. zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei SGtSluDtl

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werttag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 1.

Donnerstag, den 1. Jannar

1914.

Zum Neujahr 1914.

Es sind in der Sylvesternacht dieselben 12 Glocken- schläge wie jede Nacht, aber wie anders wirken sie doch auf unser Denken ein. Jedem, der das Leben nicht oberflächlich nimmt, ists, als stockte ihm in diesem Augenblick der Puls, da er dem Zufammenfließen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lauscht, und ein eigenartiges Gemisch von Unsicherheit, Ernst und Ehrfurcht erfüllt unter Herz, wie immer, wenn wir für einen Augenblick uns angeweht fühlen von einem Hauch der Ewigkeit. Tann, wenn wir uns bewußt werden, daß nun wirklich ein ganzes Jahr mit seinen Freuden und Leiden dahingegangen ist, daß der Zeiger der Weltzeit einen Sprung vor­wärts tat, der nie mehr zurückgewonnen werden kann, so wenig wie alle unsere Fehler, Torheiten und Versäumnisse im verflossenen Jahr, dann steigen wohl gute Vorsätze für uns und herzliche Wünsche für die Unsrigen, insbesondere auch für unser Volk und Vaterland im Herzen auf.

Aber not tut uns vor allem ein fester Halt. Mancher erinnert sich, in der Schule den Vers gelernt zu haben: ^Jch habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält." Ein Schiff, das Anker werfen und sich vor Anker legen kann, ist gesichert. Auch wir Menschen kommen nicht durch Gelderwerb und Vergrößerung unseres Besitzes, noch durch Zer­streuung und Genuß zu einem festen Halt für das Leben, sondern durch Gottvertrauen und Ankerwerfen in das alte, unverbrüchliche Gotteswort, das dem heutigen Geschlecht in seiner Unrast und in seinem Wankelmut noch ebenso zur rechten Festigkeit und Klarheit verhelfen kann, wie es unsere Vorfahren vor 100 Jahren in ernster Zeit Entschlossenheit und Kraft gab. Wie sagt doch der Edelsten einer aus jenen gr^ß-n Tagen Ernst Moritz Arndt:Ich weiß, an wen ich glaube, ich weiß, was fen besteht, wenn alles hier im Staube, wie Rauch und Staub verweht: Es und des Heilands Worte, die Worte fest und klar, an diesem Felsenhorte halt ich unwandelbar!"

Greifen so viele mit unheiligen Händen hinein in die Entwickelung unseres Volkslebens und rufen mit autoritätlosem verhetzendem Wort in den Kampf des Tages, so mögen verständige nachdenkende Men­schen, denen Vaterlandsliebe nicht eine Phrase, sondern eine ernste, große Sache ist, aus der Erneuerung unseres Volkes, seinem Freiheitskampf in 1813 und dem nunmehr verflossenen Eriunerungsjahr mit seinen Gedenkfeiern die Lehren für uns und unsere Zeit ziehen, daß Gottentfremdung einem Lande Un­heil bringt, daß aber Gottvertrauen eine Kraft ist, die ein Volk opferfreudig, stark und sieghaft macht.

S.

Bus der Heimat«

p Hersfelt, 3L Tezember. Mit dem Ende des alten Jahres drängt es uns auch an dieser Stelle allen unseren Lesern und Mitarbeitern für die tatkräftige Unterstützung, die sie uns besonders seit dem täglichen Erscheinen unseres Blattes haben zu teil werden lasse», zu danken. Tie freundliche Aufnahme, die unser Blart immer mehr studet, soll uns ein Ansporn ein. auch fernerhin an der weiteren Ausgestaltung ^u arbeiten In Me'em Sinne rasen wir allen unsern Freunden ein herzliches, frohes und glück­liches neues Jahr zu!

o Hersiels, 31. Tezember. In ihrer gestrigen Nummer fühlt sich die Hersielder Zeitung esn einmal bemüßigt, sich mit uns zu beschäftigen, doch Vorerst gar keine Veranlassung dazu vor- .regt. Wir haben in unserm Artikel nur allgemein rrr.iuMHerischen Gerüchten von Zeitungs aus- r r age r n gesprochen, und daß es deren auch eine Si?fE Anzahl von anderen Zerrungen in unserm Kreise gi51. dürfte wohl der Hersfelder Zeitung hinreichend bekannt denn oft genug hat sie ihre Feder auch gegen die» Zeitungen gezückr. Warum also diese Entrüstung? Man wird unwillkürlich an ein nur zu bekanntes Spruhworr erinnert, sollte das hier zu- tressen, so ist das nicht unsere Schuld. Es wäre darum besser gewesen, die weitere Entwicklung der Truge abzuwarten. Vielleicht wird es gar urchr so fairer *ein, die in großmütiger Weise spendierten 100 Mark als Belohnung zu verdienen, denn schneller wie man denkt, gelingt es vielleicht, das ,Karnitfel* zu fanen. Jeöraraüj steht es fest, daß in einer OrBchast unseres Krenes mit der sal'chen Angabe mit Erst lg Abonnenten- 'ang getrieben worden ist, und daß wir uns dagegen Debrsr. kann uns wohl selbst die Hersielder Zerrung

verdenken. Was den Schluß-atz des betr. Ar- ', Eis «tberrissr, wonach es der Hersielder Zeitung ^E'stgulrrg ist, ob unr vier- oder sechsmal erscheinen, nnrs xe^m aufmerksamen Beobachter nur ein un- «.auorges Kopsschütteln abnongen, wir selbst haben

bis jetzt von dieser Gleichgültigkeit noch nichts ge­merkt. Glaubt aber die Hersfelder Zeitung uns in lange Zeitungsauseinandersetzungen zu verwickeln, so lasse sie sich gesagt sein, daß wir dazu weder Zeit noch Luft haben. Verraten wollen wir zum Schluß noch, daß wir trotz der rührigsten Agitation der Hersfelder Zeitung und der zahlreichen Abonnentensammler doch wieder einen beträchtlichen Zuwachs an Abonnenten zu verzeichnen haben, so daß wir das alte Jahr mit Befriedigung scheiden sehen. Und das ist wohl das Beste, wenigstens für uns.

):( Hersfeld, 31. Tezember. Tie schönen Schnee- verhältnisse haben den Wintersport zu großer Blüte gebracht. Ueberall sieht man die Sportfreunde mit Rodelschlitten und Schneeschuhen den umliegenden Höhen zustreben, um hier in frischer Luft sich zu tummeln. Leider ist aber auch schon von mehreren Unfällen zu berichten. Einem 12jährigen Schüler wurde beim Rodeln am Frauenberg durch Anprall an einem Staketenzaun ein Bein gebrochen, ein anderer Schüler erlitt einen doppelten Beinbruch, während ein Mädchen ebenfalls verletzt wurde. An Groß und Klein ergeht immer wieder die Mahnung beim Rodeln stets die nötige Vorsicht zu beachten.

-e- Hersfeld. 31. Tezember. Man schreibt uns: Wie aus ganz bestimmter Quelle Mitgeteilt wird, hat Herr Lehrer Wagner, früher in Heeneö, jetzt in Frankfurt a. M, eine bei Alt und Jung be­liebte Persönlichkeit, sein Eramen als Lehrer für Mittelschulen bestanden. Diesen strebsamen jungen Herrn begleiten die besten Wünsche für die Zukunft und die späteren Eramen.

§ Hersfeld, 31. Dezember. Das 2. Kurhessische Feldartillerie-Regiment Nr. 4 7, Fulda nimmt zum Oktober 1914 noch Zweijährig-Frei­willige an. Junge Leute, die im Besitze eines gültigen Meldescheines "n\ können sich Mittwochs und Freitags bis 10 Uhr Vormittags auf dem Ge­schäftszimmer des Regiments zur ärztlichen Unter­suchung melden. Schneider, Schuhmacher, Sattler, Köche, Schreiner, Buchbinder, Landwirte, Gärtner, Schlosser, Schmiede, Schreiber usw. werden bei der Annahme bevorzugt. Der Meldeschein ist beim Landrat zu erbitten. Hierzu ist erforderlich: 1. eine Geburts­urkunde, 2. eine schriftliche Einwilligung des Vaters oder des gesetzlichen Vertreters, 3. eine vom Bürger­meister auszustellende Bescheinigung, daß der sich Meldende durch Zivilverhälrvisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat.

-b- Biedebach, 31. Dez. Auf dem Wege Heenes- Biedebach, gleich wenn man einige hundert Meter aus Heenes ist, befanden sich gestern im Schnee große Blutflecke. Wie sich dann herausstellte, rührten die­selben von dem ehemaligen Rottenmeister Herrn Fr. Grenzebach aus Biedebach her, welchem eine Ader geplatzt war, und der dann später von Einwohnern aus Biedebach am Wege liegend ausgesunden worden war. Der Mann muß anfänglich von der Verletzung nichts bemerkt haben, denn es in erstaunlich, daß er sich bei einer Schneehöhe von 30 Zentimeter und einem derartigen Blutverlust noch bis in den Heenes- grund auf dem Wege Biedebach-Taun schleppen konnte.

Heras, 29. De^mber. Durch die schon so oft ge­rügte Unsitte, Petroleum ins Feuer zu gießen, in hier ein IstjährigcS Mädchen zu schwerem Schaden ge­kommen. TaS erplodierende Petroleume^re das Haar des Mädchens in Flammen und verbrannte es am Gesicht und an den Händen sehr schwer. Abgesehen von den gräßlichen Schmerzen, die das bedauernswerte Mädchen auszustehe» hat, wird es auch »och zeitlebens durch Narben im Gesicht entstellt sein.

Frankfurt, 30. Tezbr. In der Schloßstraße -.' chlug gestern abend der W Jahre alte, aus Wall dorr irr He "es gebürtige Schriftsetzer Heinrich Jourdan feine Ehefrau in einem An'alle von Eifersucht mit einer Bierflasche nieder Sodann versackte er sich die Puls­adern auszuschneiden und zu erhängen. Er konnte aber noch rechtzeitig ins Leben zurückgerufen werden. Jourdan wurde in die Irrenanstalt, die schwer ver­letzte Frau ins Krankenhaus gebracht.

gefiel, W. Dezember. Ein leichtsinniger Schütze hatte sich heute vor der straffammer 1 zu oer- anttvorten. Als sich am 7. Seprsurder gegen 12 Uhr mittags der Arbeiter Woll von einem Zwetsä^nbaum des Gastwirts Christ. Nadler einige .^wer'che» ab- pflückte, feuerte Nadler auf Woli eine volle Schrot- ladung aus seinem Jagdgewehr ab, wodurch Wolf schwer verletzt wurde und eigentlich wie durch einen GlücksznfaL mir dem Leben davon kam. ^Tre Srraf- fammer 1 verurteil» -eu leichtfertigen Schützen zu 9 Mouaren Gefängnis und erkannte auf Einziehung des Gewehrs. Von einer Buße wurde abgesehen, da der Verteidiger Wolfs im Zivilprozeßwege ent­sprechende Ansprüche gegen Nadler geltend machen wird.

Aus dem Kreise Kirchhain, 29. Dez. Vor großem Schaden bewahrt wurde dieser Tage ein Landwirt in dem Dorfe R. Derselbe hat einen Sohn, der in einem Londoner Bankgeschäft tätig ist. Dem Landwirt ging ein den Namen seines Sohnes tragendes, in London aufgegebenes Telegramm mit dem Inhalt zu, sofort 700 Mk. telegraphisch einzufenden. Der Vater, der nicht anders dachte, daß feinem Sohn etwas zugestoßen, war schon im Begriff, die 700 Mk. einzuzahlen. Der zuständige Postbeamte jedoch, der der Sache nicht traute, riet, mit dem Absenden des Geldes zu warten, bis er bei feinem Sohne angefragt habe. Die telegraphische Antwort jedoch stellte die ganze Sache als plumpen Schwindel dar.

Witzeuhauseu, 80. Dezember. Der mutmaßliche Mörder des Försters Knoche aus Kleinalmerode, Händler Fuhrmann in Hubenrode, hält sich, wie fest­gestellt ist, in hiesiger Gegend verborgen. Er ist auch mehrfach in feiner Behausung gewesen. Tagsüber treibt er sich in den Wäldern umher. Er hat es bis« lang sehr gut verstanden, der Gendarmerie zu ent­gehen. Sie ist leider nicht stark genug, um immer Wache halten zu können. Beim Augenschein soll fest- gestellt sein, daß der Förster nur Alarmschüsse abge­geben hat, jedenfalls nachdem er den Todesschuß von dem Täter erhalten hat. Man sieht es an dem abge­schossenen Geäst der Fichten. Danach käme Notwehr für den Täter nicht in Frage.

Wilduugeu, 30. Dezember. Heute früh fand man im nahen Kleinem den 41 Jahre alten Arbeiter Strabes erfroren auf.

Eiseuach, 30. Dezember. Das Kaiserliche Postamt teilt mit, daß infolge des starken Schneefalls über 700 Orts- und Fernsprechleitungen und viele tele­graphischen Leitungen nach auswärts zerrissen worden sind. Mehr als 100 Telegraphenarbeiter aus ganz Thüringen sind nach Eirenach beordert worden.

Höchst a. M., 3^ ^Sc^mUf. Ein erschütternder Vorräll hat sich gestern nachmittag gegen Uhr am Main ereignet. Tort befanden sich an einem Abhänge zahlreiche Knaben, die sich mit Rodeln vergnügten, unter ihnen das 7jährige Söhnchen eines hiesigen Braumeisters. Ter Knabe hatte die Schnur eines Schlittens um den Hals geschlungen, und als er nun bet einer Rodelfahrt die Herrschaft über den Schlitten verlor und in den Main hineiniuhr, wurde er durch das Gewicht des Schlittens sofort in die Tiefe htnab- gezogen. Tas Kind konnte nicht gerettet werden.

Butzbach, 29. Tez. Ter waghalsige und gefährliche Ein- und Ausbrecher J. Tomsic, der im Zuchthaus zu Marienfchloß eine 12jährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hatte, und wegen Meuterei von der Straf­kammer zu Gießen mit einer Zusatzstrafe von einem Jahre bedacht, auf dem Rücktransport zwischen der Station Buybach und Marienfchloß aus dem Ge­fangenentransportwagen entwich, ist nun nach feinen mehrwöchentlichen Streifzügen in der Nähe von Straßburg, wo er wieder einen Einbruch versuchte, festgenommen worden. Seinen Sträflingsanzug hatte er gegen einen seinen Zivilanzug vertausch!. Er hatte die ganze Zeit über Süddeutschland unsicher ge­macht, ohne daß es ihm gelungen war, irgend eine größere Beute zu machen Der Sicherheit halber wurde er sofort auf dem kürzesten Wege direkt nach dem Zuchthaus Marieu'chloß unter starker Begleitung gebracht, da man befürchtete, daß die meisten Unter« uchungszelle» nicht sicher genug für den zähen Burschen sind.

Doch jeden Tag

werden Bestellungen auf das Hersfelder Tageblatt an- 2en0tr.rr.etL Ta rkbe ist mit feinem amtliche« 8b zeigen eine wertvolle Zeitung für jeden Krerseingefeffenerr. Das HerskelLer Tageblatt bringt seinen Lesern wöchent­lich ein 8seiriges illustriertes Unterhaltungsblatt sowie eine besondere 4fei:ige Romanzeirung und alle 14 Tage eine landwttückaftliche Beilage. Fernere Gratis beilagen: Eöraudkalevdnr, MärkteverHNkchais, Tasche«- su> Plakstfahrpläae mit allen m Betracht kommenden Strecken.

Ter Bezagspreis beträgt vierteljährlich I.M Mk. bei Abholung in unserer Geschäftsstelle, 1-50 ML für Hers- feld frei ins Ha^, L60 MO durch die Post.