Hersfelder Anzeiger.
J\? AN. Hersfeld, den 5. Dezember. 1866»
Der „Hersfelder Anzeiger^ erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben ber der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Amtliches.
Der Phyfikus und Amtswundarzt Dr. Visier zu $oIF». marsen ist zum Physikus für das Justizamt Brotterode ernannt und dem PhysikuS Dr. Wigand zu LreiS a. d. L. ist die Verlegung seines Wohnsitzes nach Frohnhausen gestattet worden.
Vermischtes.
Kassel. Nach der „Hess. Morgenztg." werden die gedienten Soldaten aller Waffengattungen der Jahrgänge 1836 bis 1845, welche zur Zeit in der zweiten Hälfte des ersten oder im zweiten Aufgebot sich befinden, nunmehr aufgefordert werden, in den Kreishauptorten, Behufs ihrer Aufnahme in die Controlliste der Landwehr, bei dem betreffenden Bezirksfeldwebel sich zu melden. Kurbessen wird mit Nassau unb Frankfurt zusammen sieben Landwehrbataillone zu stellen haben, das erste Landwehrbataillon Cassel wird gebildet durch die Mannschaft der Kreise Cassel, Fritzlar, Hofgeismar, Homberg und Wolfhagen, das zweite Bataillon Rotenburg, durch die Mannschaft der Kreise Rotenburg, Melsungen, Witzen- Hauseu und Eschwege, sowie der Herrschaft Schmalkalden ec. Die Meldungen sollen spätestens bis zum 15. December geschehen.
— Vorgestern früh ereignete sich in Bettenhausen ein recht trauriger Fall. Ein ungefähr 6 Jahre alter Knabe, Namens Rothgießer, der bei einer in obengenanntem Orte wohnenden Familie in Pflege ist, gericth durch das Putzen eines Lichtes, dessen Schnuppen er hinter sich zu werfen glaubte, und der ihm zwischen Hemdchen und Nachtkittel fiel, in Brand, und starb nach schweren Leiden gestern Morgen.
— Gestern früh sind die bis jetzt beurlaubten Hoboisien des früheren kurhessischen Garde- und Leibregiments von hier nach ihren neuen Garnisonorten Mainz, Wieöbadenrc. mit der Main-Weserbahn südwärts gefahren.
, Eschwege, 1. Dec. Die nach hier in Garnison bestimmten und tbeilweise einquartirten Husaren des 14. RegimentS sollen dem Vernehmen nach anderweitig in Garnison verlegt werden. Es ist dies für die hiesige
Stadt ein um so bedauerlicherer Umstand, alS die bisherigen Einrichtungen einen Kostenaufwand von 1500 bis 2000 Thlr. verursacht haben. Es läßt sich nur hoffen, daß, falls sich jene Nachricht bestätigt, alsdann in entsprechender Weise anderweitig für eine Entschädigung gesorgt werden wird.
Wiesbaden, 30. Nov. Einer Bekanntmachung der königlichen Regierung zufolge wird ein Preis von hundert Gulden Demjenigen ausgezahlt, welcher daS Anwerben und Mitnehmen von Kindern unter 18 Jahren zum Musiciren und Haustrhandel rc. im Auslande zur Anzeige bringt.
München, 30. Nov. Die „Bayr. Ztg." bringt jetzt biographische Notizen über sämmtliche im Krieg von 1866 gefallene Offiziere. Unter der Gcsammtzahl derselben (58) waren 11 Unterlieutenants, 17 Oberlieutenants, 22 Hauptleute, 4 Majore, 2 Oberstlieutenant und 2 Generale. Nach den Waffengattungen gehörten der Infanterie 53, der Kavallerie 4 (2 Chevauxlegers, 1 Uhlane, 1 Kürassier), der Artillerie 1 von den todten Officieren an.
Der lange Besuch. „Lieber Neffe", sagte ein reicher Gutsbesitzer zu einem armen jungen Verwandten, der es sich schon feit sechs Wochen an dem Tische seines Onkels gutschmecken ließ und von allen ihm gegebenen Winken,' daß es für ihn nun allmählig Zeit werbe, sich wieder nach Hause zu verfügen, nicht die mindeste Notiz nahm, „ich fürchte, Du wirst mich nie wieder besuchen." — „Aber warum glaubst Du das, lieber Onkel?" fragte der Neffe verwundert. — „Weil es scheint, als wolltest Du gar nicht wieder von mir fortgehen."
— Gut geschmiert. Ein Jrländer, welchem von seinem Herrn befohlen ward, den Wagen zu schmieren, entfernte sich, um dieS zu thun und erschien nach einer Stunde wieder mit der Meldung: „Ich habe den ganzen Wagen geschmiert bis auf die vier Hölzer, an welchen die Räder stecken."
(Höflichkeit). Lord Chesterfield, dieser Fürst der feinen Lebensart, welcher noch nie wieder erreicht worden, sagte einmal, selbst Adam, der erste Mann, habe den Werth der Höflichkeit gekannt und Eva zuerst in den Apfel beißen lassen.
(Nobel.) „Wenn Du den Kuchen mit Deinem