g e r 8 sc sh e r Anzeiger.
JV 83 Hersfeld, den 21. November. 1866»
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bet der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Amtliches.
Der Oberpostamts-Secretar Hastenpslug zu Caffel ist auf sein Nachsuchen in den Ruhestand verseht worden.
Der Postverwalter Aröl ich zu Sontra ist auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt worden.
Ein gräflicher Uhrmacher.
(Fortsetzung.)
IV.
Es war seit Constantins Abreise beinahe ein Jahr verflossen. Die Liebenden hatten einander in dieser Zeit nicht wieder gesehen, denn dies hatte Peter Sawatzky zur unerläßlichen Bedingung gemacht.
Es war ein schöner Frühlingsmorgen. Die Sonnen- strablen spielten auf den zarten Knospen der Bäume und die Bögel sangen ihre frohen Lieder.
Marie saß in'ihrem Toilettezimmer in einem leichten mit Spitzen besetzten Morgengewand, dessen lustige Wolken ihre harmonisch schöne Gestalt umschlossen.
Rings herum um sie war die kostbarste Ausstattung aufgestapelt. Dieselbe war direct aus Paris verschrieben, denn der liebende Vater hatte durch diese geschmackvollen Geschenke sein einziges angebetetes Kind überraschen wollen.
Lächelnd betrachtete sie diese Luxusgegenstände, welche sie gleichwohl weit geringer schätzte als die einfache Uhr, denn diese hielt sie in der Hand und betrachtete sie mit förmlich schwärmerischem Blick.
Marie war jetzt nicht mehr das ungestüme leiden- schaftliche Mädchen, auf dessen hoher Stirn Wolken und Sonnenschein abwechselten. Sie hatte jetzt ein Ziel für ivelojeä sie lebte und strebte, und dieses Bewußtsein machte sie ruhig und -glücklich. Der Frieden des Herzens spiegelte sich in den dunklen strahlenden Augen wieder M über die ganze jugendliche Gestalt ausgebreitet.
^ das für ein Geränsch, welches sie veranlaßt, sich vorwärts zu neigen und zu lauschen? In der frühen Morgenstunde hört sie die Husschläge eines galoppirenden Bserdes. Wer kann wohl zu dieser ungewöhnlichen Stunde kommen? Noch war er nicht erwartet und doch ~ gewaltig pochte ihr Herz bei dem frohen Gedanken, der ihre Seele durchdrang.
Sie hörte rasche Tritte, wohlbekannte geliebte Tritte, sich ihrer Thür nähern und wenige Secunden später fühlte sie sich von Constantins treuen Armen umschlungen.
Das Glück des Augenblicks drängte alles Andere in den Hintergrund; alle Unruhe, alles bange Sehnen ist vergessen, nichts ist fortan im Stande, die Liebenden zu trennen. Diese Gewißheit ist ihre größte Wonne.
Arm in Arm wanderten sie durch die vielen Zimmer, welche sie von dem geliebten Vater trennten. Diese Wanderung ward etwas langwierig, ja sogar sehr langwierig, denn unaufhörlich blieben sie stehen, bald eins in des andern Anschauen versunken, bald um einen theuren heiligen Gedanken auszutauschen.
Endlich hatten sie das Ziel erreicht. Nach ehrer- lietiger Begrüßung legte Konstantin das Zeugniß vor, welches sein Lehrmeister ihm über seine Geschicklichkeit ausgestellt. ,
Peter Sawatzky las das Zeugniß aufmerksam durch und da es zu seiner vollkommenen Zufriedenheit lautete, so sagte er mit tiefer Bewegung:
„Gott segne Euch, meine geliebten Kinder."
Die Liebenden sanken auf die Knie nieder und ftcttcn ♦ $lmcn*^
Von "diesem Augenblicke an gab es für sie Beide nur einen Gedanken, oder, richtiger gesagt, nur ein Gefühl, nämlich das ihres Liebesglücks. Alles Andere war für sie von keiner Bedeutung.
Auf diese Weise verschwanden alle Tage, bis der anbrach, wo Marie und Constantin für immer mit einander vereint werden sollten. „ .
Der Gedanke an diese Vereinigung war für Marie nicht mit dem geringsten Schmerz gemischt, denn sie brauchte sich ja von dem gesiebten Vater nicht zu trennen.
Die Liebenden waren vermählt.
Reichthum, Gesundheit und Liebe vereinten sich, um das Leben der Neuvermählten zu einem Paradies zu machen. Nicht ein Schimmer von den Gefahren uno Sorgen, welche Peter Sawatzky vorhergesagt, beunrudigte sie; denoch fürchtete er diese Gefahren immer noch, denn fortwährend stellte er die Geschicklichkeit des zungen Gra- fen auf die Probe, indem er ihn Uhren von allen Arten und Dimensionen repanren ließ.