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Zersfelder Anzeiger.

Jlf 84. Hersfeld, den 20. October. 1866»

DerHersfelder Anzeiger* erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Nenwarkt Nr. 587) pro Quartal 7j Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Ein gräflicher Uhrmacher.

I.

Einige Meilen von Wckrschan liegt das Schloß Waina, ein stattliches Gebäude auf einer Anhöhe. Aus den ho­hen Fenstern hat man die herrlichste Aussicht über die waldige Umgegend und die zu dem Schlosse gehörenden sich weithin streckenden Aecker und Wiesen.

Zu Anfang uu|erer Erzählung, das heißt vor unge- sühr zehn Jahren, gehörte dieses Schloß, eine wahrhaft fürstliche Besitzung, einem gewissen Peter Sawatzki. Dieser reiche Grundbesitzer hatte sich aus dem Nichts emporgearbeitet und nicht blos Reichthum, sondern auch Ehre und Ansehen erworben.

Seit mehreren Jahren war er Witwer. Die Liebe, welche er zu seiner Gattin gehegt, machte sein Herz nn» zuganglich für die Netze, welche die »»vermählten Damen der Nachbarschaft nach ihm auswarfen, um ihn zu Der* anlassen, sich aufs Neue zu vermählen. Der eigentliche Grund, der ihn davon abbielt, war vielleicht jedoch die grenzenlose Liebe und Zärtlichkeit, die er für sein einziges Kind, die schöne Marie, hegte, denn die Liebe zu 'ihr ließ keine andere in seinem Herzen Wurzel fasse».

Es war eines Tages zu Anfänge des Herbstes in der Abenddämmerung. In Peter Sawatzkis Arbeitszim­mer loderte in dem großen Kamin eine helle muntere Flamme. Vor dem Kamin saßen zwei Männer in einem ernsten Gespräch begriffen, welches sich jedoch jetzt seinem Schluß zuzuneigen schien, denn der jüngere Der beiden Männer stützte sein blondlockiges Haupt mißmuthig aus die Hand und sagte mir bewegter Stimme:

»Ist das wirklich Ihr letztes Wort?"

»Ja, mein letztes, Gras Dolzikoff, davon können «re vollkommen überzeugt sein", antwortete der Angere- orte, ein älterer Mann, der in demselben Augenblick sich eryov und mit den Händen auf dem Rücken eine rastlose zjslnDetnng auf dem mit weichen Teppichen belegten Fußboden des Zimmers hin und her begann.

. .»v^n Sie aber die abschlägige Antwort, die Sie mir jetzt gegeben, auch genau überleg»?' hob der junge ll/cann, nachdem er einige Augenblicke geschwiegen, wieder mit der Hartnäckigkeit eines Menschen an, welcher, ehe er die Hoffnung auf Erfolg gänzlich ausgiebt, noch einige

ernste Vorstellungen machen will. »Sie sagen, der Grund Ihrer ablehnenden Antwort sei die große Liebe, die Sie zu Ihrer Tochter hegen. Gerade diese Liebe aber sollte nach meiner Ansicht Sie bewegen, auf meinen Antrag einzugehen. Was Reichthum betrifft, so stehen wir ein­ander wohl ziemlich gleich; ich bin Ihr nächster Nachbar und meine Güter grenzen an die Ihrigen. Durch Ma­riens Verehelichung mit mir würden Sie daher nicht von ihr getrennt, sondern Sie könnten täglich eins des andern Nähe und Gesellschaft genießen. Zugleich bin ich ein Mann ^on Gehurt, Ansehen und hohen Konnexionen. Abgese« ' hen von allem diesen wird, wie Sie wissen, meine Liebe aüch erwiedert nnd Sie nehmen eS mir daher wohl nicht übel, Herr Sawatzki, wenn ich sage, vaß Ihre Weige- rung mir ganz unerklärlich erscheint."

Während der junge Malln sprach, stand Peter Sa­watzki still und. hörte die in ungestümem Tone gesproche­nen Worte ruhig an; dann antwortete er:

»Schon mehr als einmal habe ich Anträge, die eben so gut waren wie der Ihrige, Herr Graf, ohne das ge­ringste Zögern zurückgewiesen. Das Einzige, was mich bewegen könnte, meinen Vorsatz zu ändern, wäre die Liebe, welche, wie ich weiß, meine Tochter für Sie em­pfindet. Dennoch habe ich Mariens Bitten widerstanden und bin meinem einmal gefaßten Vorsatz treu geblieben, weil ich mir vorgenommen habe, daß meine Tochter sich lieber niemals vermählen soll, wenn sie nicht einen Mann bekommt, der ihr eine sichere Existenz bieten kann."

(Fortsetzung folgt.)

Amtliche Bekarmtmachmigen.

Landrachsaml Hersfeld.

Die Besichtigung derjenigen Stuten des hiesigen Kreises, welche im künftigen Frühjahre von Landbeschä­lern bedeckt werden sollen, findet durch den Herrn Kreis­thierarzt W a l ch dahier.in den nachbezeichneten Termi­nen statt:

1) Dienstag den 30. d. MrS. Morgens 9 Uhr zu Holzheim, mit Cruspis, StärkloS, Ober-und Unterstoppel;