Herssesder Anzeiger.
^8?, Hersfeld, den 13. Qctober. 18««.
Der „Hersfelder Anzeiger^ erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlab hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile ober deren Raum mit 9 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
General Dogel v. L^alKensLein.
Selbstverständlich ist es, daß die kriegerischen Operationen in Mitteldeutschland im Zusammenhang mit denen in Böhmen und Mähren standen, daß sie nach einem gemeinschaftlichen Kriegsplan begonnen und fortgesetzt wurden. Die gewaltige Schlachtlinie der preußischen Armee dehnte sich von der Grenze UngarnS schräg durch Oesterreich und Dentschland bis nach dem Rhein hin. Während der linke Theil dieser Linie den Hauptstoß aus die österreichische Macht führte, war der rechte bestimmt, in Mitteldeutschland mehr durch die stuust des Mannövri« rens die Bundestruppen zu beschäftigen, zu theilen, und über die Mainlinie hinaus zu drängen, und nur unter günstigen Umständen konnte die ziemlich geringe preußische Macht hier sich auf ernstliche Kämpfe einlassen. Wohl gehörte also an diese Stelle ein höchst umsichtiger, erfahrener und als Strateg bewährter Feldherr, welcher der Ausgabe gewachsen war, den Feind in Schach zu halten, um die Operationen in Böhmen nicht zu lähmen und ihn womöglich auch mehr und mehr in den westlichen Winkel Süddeutschlands zurückzutreiben. Dazu wurde der General der Infanterie, Vogel von Falkenstein, Chef des siebenten, aus Westphalen bestehenden Armee- corps erkoren.
Vogel von Falkenstein, 1797 in Schlesien geboren, trat Isis unter die freiwilligen Jäger in das damalige westpreußische Grenadierbataillon. Er war seiner Mutter in Folge des königlichen Aufrufs davongelaufen und kitte sich, noch Gymnasiast in Breslau, in Liegnitz einreiben lassen. Schwach, lang und dürr, wie er war, zögerte man sogar, ihn anzunehmen. Indessen als wackrer Soldat bewies er sich gleich im ersten Gefecht nach dem Uebergang über die Katzbach und avancirte hierdurch zum Fähnrich, jm December zum Lieutenant. Der alte Blücher fand ihn kurz vor dem Rheinübergang in strenger De« cembcrkälte bei Caub auf Posten und sagte mitleidig zu dem sechzehnjährigen, schwächlichen Lieutenant:
„Du thust mir auch leid, armer Junge!"
"Junge?" fragte der junge Falkenstein, in seinem Ofsiciersstolze verletzt. „Den müssen Sie zurücknehmen, General, ich bin Officier des Königs." Blücher gab die verlangte SatiSfaction gern und schenkte dem jungen
Officier seine besondere Gunst. Bei Montmirail, Dort zu spät den Russen zu Hülfe kam, führte Vogel von Falkenstein das Bataillon, da alle anderen Osstctere desselben kampfunfähig geworden waren. Das eiserne Kreuz und Avancement war der Lohn für die Bravour, die er in dem napoleonischen Kriege an den Tag gelegt hatte. Falkenstein blieb nun bei der Armee. Im Jahr 1818 war er es, den man dadurch auszeichnete, daß ihm das Commando über ein Bataillon vom Garde-Franz- Regiment gegeben ward, welches mit den Ehrendienst bei den zum Congreß in Aachen versammelten Monarchen hatte. Mit dem Eintritt in die höheren Grade wurde er vielfach zum Generalstabe zugezogen, da er sich, durch eifrige Studien gebildet, als ein besonders intelligenter und wissenschaftlicher Soldat bemerkbar gemacht. Am 18. März 1848 wurde er beim Kampf in Berlin plessirt, ohne daß ihn dies jedoch verhinderte, den Krieg in Schleswig mitzumachen. Im Herbst 1848 bekam er daS Kommando über das Garde-Schützenbataillon, aber schon im folgenden Jahre zog ihn der General Wrangel in seinen Generalstab, von wo aus er für einige Zeit inS Kriegsministerium commandirt wurde. Dann erhielt er die Division in Frankfurt a. d. O. und im Jahre 1864 war er der Chef des Generalstabs von Wrangel in Schleswig-Holstein. Als die Truppen nach Jütlaud verrückten, übernahm er das Commando eines Theils derselben und überschritt mit ihnen die Limfjord. Als Commandirender in Jütland nach dessen Eroberung zeigte er den trotzigen Dänen, daß er keinen schlechten Spaß verstehe und machte sie durch ein paar scharfe Kontributionen kirre, sprengte ihnen auch die Eisenbahn in die Luft. Nach dem Frieden erhielt er das Commando des siebenten Armeecorps, mit dem er beim Ausbruch des jetzigen KriegeS die schwere und Verantwortungsreiche Aufgabe erhielt, die Armee des Bundestages und der Baiern zu bekämpfen.
Außer seinem Armeecorps von etwa 36,000 Mann konnte er bei seinen Operation nur auf die Hülfe deS 20,000 Mann starken Manteusfelschen Corps rechnen, welches aus Holstein heruntergerückt kam. Zunächst begann er den Vorstoß in Hannover und nahm dies Königreich in Besitz; eine Division seines Corps nahm in ähnlicher Weise Kassel ohne Kampf ein. Die erste Hauptaufgabe darnach war, die 20,000 Mann starke Hannover-