Herssesder Anzeiger)
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^F 81. Hersfeld, den 10. Oktober. 1866.
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Amtlich e s.
Allerhöchste Proelamation
an die Einwohner des vormaligen Kurfür stenthums Hessen.
Durch das Pahent, welches Ich heute vollzogen habe, vereinige Ich Euch, Einwohner der kurhessischen Lande, mit Meinen Unterthanen, Euren Nachbarn und deutschen Brüdern.
Durch die Entscheidung des KriegeS und durch die Neugestaltung des gemeinsamen deutschen Vaterlandes nunmehr von einem Fürstenhause getrennt, dem Ihr mit treuer Ergebenheit angehangen, tretet Ihr jetzt in den Verband des Nachbarlandes, dessen Bevölkerung Euch durch Stammesgemeinschaft, durch Sprache und Sitte verwandt und durch Gemeinsamkeit der Interessen befreundet ist.
Wenn Ihr Euch nicht ohne Schmerz von früheren, Euch liebgewordenen Verhältnissen lossagt, so ehre Ich diesen Schmerz und würdige denselben als eine Bürgschaft, daß Ihr und Euere Kinder auch Mir und Meinem Hause mit Treue angehören werdet. Ihr werdet die Nothwendigkeit des Geschehenen erkennen. Denn sollen die Früchte des schweren Kampfes und der blutigen Siege für Deutschland nicht verloren sein, so gebietet es ebenso bie Pflicht der Selbsterhaltung, als die Sorge für die Förderung der nationalen Interessen, Kurhessen mit Preußen fest und dauernd zu vereinigen. Und — tote schon Mein in Gott ruhender Herr Vater es ausgesprochen — nur Deutschland hat gewonnen, was Preußen erworben.
Dieses werdet Ihr mit Ernst erwägen und so ver-
3ch Eurem deutschen und redlichen Sinne, daß Ihr Mir Eure Treue ebenso aufrichtig geloben werdet, wie ^ch zu Meinem Volke Euch aufnehme.
Euren Gewerben, Eurem Handel und Eurer Schifffahrt, eröffnen sich durch die Vereinigung mit Meinen Staaten reichere Quellen. Meine Vorsorge wird Eurem Fleiße wirksam entgegenkommen.
Eine gleiche Vertheilung der Staatslasten, eine
zweckgemäße energische Verwaltung, sorgsam erwogene Gesetze, eine gerechte und pünktliche Justizpflege, kurz alle die Garantien, welche Preußen zu Dem gemacht, als was es sich jetzt in harter Probe bewährt hat, werden Euch fortan gemeinsame Güter sein.
Eure kriegStüchtige Jugend wird sich ihren Brüdern in Meinen andern Staaten zum Schutze des Vaterlandes treu anschließen, und mit Freude wird die Preußische Armee die tapferen Kurhessen empfangen, denen in den Jahrbüchern deutschen Ruhmes nunmehr ein neues grö, ßeres Blatt eröffnet ist.
Die Diener der Kirchen werden auch fernerhin die Bewahret des väterlichen Glaubens sein.
Euren Lehranstalten, den vieljährigen Pflegerinnen deutscher Kunst und Wissenschaft, werde ich Meine besondere Aufmerksamkeit widmen, und wenn der preußische Thron je länger desto mehr, als der Hort der Freiheit und Selbstständigkeit des deutschen Vaterlandes erkannt und gewürdigt wird, dann wird auch Euer Name unter denen seiner besten Söhne verzeichnet werden, dann werdet auch Ihr den Augenblick segnen, der Euch mit einem größeren Vaterlande vereinigt hat.
Das walte Gott!
Schloß Babelsberg, den 3. Oktober 1866, Wilhelm.
Patent
wegen Besitznahme des vormaligen Kur- fürstenthums Hessen.
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen rc., thun gegen Jedermann hiermit kund:
Nachdem in Folge eines von Kurbessen im Bunde mit Oesterreich und in Verletzung des damals geltenden Bundesrechtes begonnenen, von Uns in gerechter Abwehr siegreich geführten Krieges die zum Kurfürstenthum Hessen früher vereinigten Lande von Uns eingenommen sind, so haben Wir beschlossen, dieselbe mit Unserer Monarchie zu vereinigen und zu diesem Behufe mit Zustimmung beider Häuser des Landtages das Gesetz vom 20. September d. 3- erlassen und verkündigt. „
Demzufolge nehmen Wir durch gegenwärtiges Patent