Hersselder Anzeiger.
J^ 69.
Hersfcld, den 29. August.
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Der „Hersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlaz hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. '
Amtliches.
Der Director der Regierung und des ConsistoriumS zu Cassel, Carl von Benning, und
der Regierungsrath bei der Regierung zu Cassel, Daniel Cornelius Rauh, sind auf 'Nachsuchen in den Ruhestand versetzt;
der Negierungsrath bei der Regierung zu Hanau, Carl Wilhelm Althans, ist in gleicher Eigenschaft an die Regierung in Fulda versetzt;
der Titular-Legationsrath Ernst Weyrauch zu Cassel, neben Beibehaltung seines Ranges und unter Beilegung des Prädicats „Landrath" zum Assessor bei der Regierung zu Hanau ernannt;
dem Regierungsrath Eduard Scheffer zu Marburg unter Entbindung von der Nebenstelle eines landesherrlichen Commissars bei dem israelitischen Vorsteheramt daselbst, die Nebenstelle des landesherrlichen Commissars bei dem Landeshospital Haina, sowie
dem Metropolitan, Pfarrer Jacob Wilhelm Georg V il m ar zu Melsungen, mit Beibehaltung seines Ranges und Titels, die Pfarrei Sand in der Klasse Gudensberg nebst dem Vicariate Merxhauseu übertragen; ferner
die Hülfslebrer an dem Gymnasium zu Hersfeld, Pfarrer Dr. Alexander Vial und Dr. Carl Heinrich BuderuS, sind zu ordentlichen Gymnasiallehren an diesem Gymnasium ernannt, und
dem PhysicusDr. Ernst Ungewitter zu Burghaun ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste bewilligt worden.
Der Berginspector Gustav Württenberger zu Schönstein ist in gleicher Eigenschaft zum Bergamte am Meisner versetzt und
der Bergamtsassessor Eduard Schwenken zu Lieber zum Berginspector und Betriebsbeamten bei dem Bergamte in Schönstein ernannt worden.
Keine Mischehe.
Novelle aus dem Volksleben an der Ostseeküste von Friedrich Dentler.
_ I.
„Donner und Lichting, Constantin, geh' mir aus dem Fahrwasser, denn ich muß Dir gestehen, daß ich der
gleichen Kreuz- und Querfahrten nicht liebe. Willst Du mit Deinen Karten auf einen sichern Hafen losrennen: nur zu, aber halte fein Wacht und folge dem Lootsen, damit Du nicht auf Klippen und Sandbänke geräthst, sonst verspielst Du — sonst verspielst Du!"
Diese Worte rief ein alter, höchst originell aussehender Schiffer einem Manne zu, welcher nachdenkend auf die schmutzigen deutschen Karten schaute, welche er in den Händen hielt.
„Nun, Donner und Lichting, schmeiße den Brusbart. Hast ihn nicht? — Aber in Teufels Namen, wo steckt er denn?" schrie der Verwachsene auf's Neue.
„Nein — nein—", erwiederte Constantin. „Nachbar Sperling hält ihn in seinen Fingern.» Dabei warf er Schellen Neune.
„Gewonnen, gewonnen", brüllte der ältere Schiffer, indem er seinen Mund zum Lachen verzog, „Donner und Lichting", —und schleuderte mit einem dumpf dröhnenden Faustschlag Schellen Daus auf den Eichentisch, daß die übrigen Mitspieler laut aufschrieen.
„Siehst Du, Constantin", fuhr der Gewinner fort, „vor Deinem Vater mußt Du die Segel streichen!"
„Warum nicht", murmelte Constantin, „mit Freuden. ^Jhrwißt's, ich spiele nicht gerne und nur immer gezwungenerweise." Er wollte sich erheben.
„Halt, halt", schrie einer der am Tische Sitzenden, „so haben wir nicht gewettet, so nicht. Eurem Alten fehlen noch zwei Strich, dann hat er gewonnen. Also festgesessen — festgesessen, bis die Partie beendet."
Constantin nahm unwillig Platz und empfing die auf's Neue vermischten Karten, als aber sein Vater „Trumpf" rief, legte er sie aus den Tisch, erhob sich und schritt zur Thür hinaus.
„Du, Sperling, merkst Du was?" flüsterte der Gewinner seinem Nebenmanne zu, dabei steckte er die Zunge ein wenig zum linken Mundwinkel heraus. „Er lavirt zur schmucken Jolle."
„Ja, ja, Freund Lieper Badenek, schon lange freit er um die Margareth. Sie hat's ihm angethan, aber "
„Na?"
„Kriegt er sie auch?"
„Warum nicht?"