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Herssesder Änzeiger.

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Hersfeld, den 25. August.

1866.

DerHersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der .übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile ober deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Amtliches.

Der Secretar und Rechnungsführer bei der Fürstlich Hanauischen VerwaltungScommission, Carl Brehm, ist zum Buchhalter bei dem Finanzministerium provisorisch ernannt worden.

Der ordentliche Stadtgerichts-Assessor August Köh­ler zu Cassel ist als Justizbeamter zum Justizamte in Oldendors und

der Justizbeamte Christian Friedrich Limberger zu Oldendors ist als ordentlicher Stadtgerichts-Assessor zum Stadtgericht in Cassel versetzt worden.

Dem Hospitalsrentmeister Johannes R ö se zu Haina ist die erledigte Stelle des Rentmeisters des Klosters Schlüchtern übertragen und

der Rcntereikassengebülfe bei der Klosterrenterei zu Schlächtern, Carl Martin Eberhard, zum Probator bei dem Confistorium in Hanau ernannt worden.

Der Secretar im Ministerium des Innern, Adolph Schimmelpfeng, ist seines Amtes enthoben worden.

Vermischtes.

Görlitz, 6. Aug. sKriegsbilder.j Heute ka­men die nach Böhmen ausmarschirten Ersatzmannschaften des dritten Armeecorps wieder zurück. Sie führten in ihrer Mitte vier böhmische Marodeure, die auf unsere Soldaten geschossen hatten. Es waren zerlumpte, ver­kommene Gestalten. Das Gesindel hat übrigens gegen die eigenen Landsleute sich erbarmungslos gezeigt. Ein bei Trautenau durch zwei Schüsse schwer verwundeter österreichischer Osficier erzählte, daß ihm bömisches Ge-

wie er vom Blutverlust erschöpft, auf dem Schlacht-

9, Mantel, Stieseln und Beinkleider ausgezogen, Uhr und Geldbörse geraubt und ihn hülslos liegen gc- n ^ ihn die Preußen fanden. Einen andern österreichischen Officier haben sie bei Chlum völlig nackt ausgezogen, lind preußische Soldaten waren es, die dem verwundeten Feinde ihr eignes Hemd und Unterbeintzlei- oer, so wie einen Mantel gaben, um ihn so bekleidet in

Lazareth schaffen zu lassen.

Der Gastwirth Justus Ernst von Kaltennord-

Heim macht in einem Thüringer Blatte b^annt, was ihm zur Zeit des bairischen Einfalls widerfahren ist. Er schreibt: Ich bekam die Generale v. d. Tann, Fürst von Thurn und Taxis u. s. w., mit eirW: Masse Pferden in's Quartier. So hatte ich 4 ScherWk und Ställe voll. Kaum waren sie da, so wurden vont Heuboden und aus der Scheune das Heu und Stroh heruntergeholt; so ging es drei Tage fort. Von 16 Fuhren Heu, Stroh und dürrem Klee behielt ich nur noch eine Fuhre, und von 12 Klaftern Holz eine Klafter. Die erste Nacht wurde mir 1 Faß Branutwein, auf 36Thlr. taxirt, den andern Morgen 3 Ochsen aus dem Stalle, auf 608 Thlr. taxirt, aber beides ohne Geld, abgenommen. Ich hatte in meiner Nebenstube dieWachtstube, wo der Branntwein lag. 20 bis 30 Mann waren rasch dabei und füllten sich die Flaschen. Als der Branntwein ausgeleert war, mußte ich ein Faß Liqueur aus dem Keller holen, kaum war das geschehen, so drängten sich vielleicht 7080 Mann in den Keller und holten 3 Faß Liqueur, Wein, Essenz und Arrae und aus dem Pöckelfaß den Speck und das Schweinefleisch. In wenigen Minuten war Alles leer und ich mußte ei­len, daß ich hinauskam, um nur das Leben davon zu bringen. Doch das war nicht genug. Mein Felsenkeller liegt eine ziemliche Strecke von Kaltennordheim, an der Straße nach Diedors. Was ich an Bier hatte, mußte hergegeben werden. Ein Oberleutnant requirirte zwei Fuhren, ohne auch nur einen Schein auszustellen; ein anderer Oberleutnant, Ditleber aus München, gab mir wenigstens eine Quittung auf 9 Eimer. Dieser Officier kam dann wieder und wollte von Neuem Bier haben; wir konnten jedoch nicht in den Keller gelangen, weil die Straße verbarrikadirt war. Gegen 11 Uhr kam Oberl. Ditleber zurück und sagte, der "Weg sei jetzt frei zum Keller. Als wir nun des halben Weges waren, kamen uns schon Soldaten mit allerhand Gefäßen mit Bier entgegen, und als wir an den Keller kamen, saßen viel­leicht 400 Mann da. Sie hatten einen Weg durch die Sommerflur nach dem Keller genommen. Äir kamen mit der größten Noth in den Keller, der Officier rief Platz, aber es wich kein Mensch. Als wir drinnen an­gelangt waren, so saß es an allen Fässern voll, die Sol­daten hatten die Zapfen von den Fässern abgeschlagen und ließen das Bjer in Feldkessel und Eimer laufen.