^ersfesber Anzeiger.
J^ 66. Hersfeld, den 18. August. 18««.
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Der Komödiant.
Zeitbild von Otto Moser.
(Fortsetzung.)
»Hast Du gehört, was dieser alteMannDir rieth?" rief die Frau mit fliegendem Athem. „O nimm es zu Herzen, Mann, nimm an, es sei Gottes Stimme gewesen, die aas ihm sprach und schrecke nicht vor einer Bitte zurück, die dem Bruder gilt, nachdem Du Jahre lang bei Fremden gebettelt. Denke an Deine Kinder und an die edle Frau, deren Grabstein von dort herüber schaut!"
„Du greifst mir mit glühenden Zangen ans Herz, Margot!" stöhnte der Schauspieler. „Ich habe Dich lieb, denn Du theiltest mein Elend achtzehn Jahre lang, und auch die Kinder sind mir ans Herz gewachsen — aber hast Du vergessen, daß ein Baterfluch forterbt bis ins dritte und vierte Glied? Als Du heimlich Vater und Mutter verließest, um dem Komödianten, der Dein Herz gewonnen, zu folgen, hatte ich Dir nicht verschwiegen, an wen Du Dein Schicksal knüpftest und daß mir auf Erden keine Heimat geblieben. Du bist matt geworden, Margot, unter der Last des Elends!"
„Wohl bin ich sterdensmüde geworden unter ihr", erwiederte weinend die Frau. „Schau hin auf unsere lieben Kindlein, und schelte eine Mutter, wenn ihr bei deren Anblick das Herz bricht. Besser wäre es, sie lagen tief unter dem grünen Rasen! Der armen Kleinen wegen beschwöre ich Dich, thue was Dir dieser alte Mann gerathen. Flehe den Bruder für Dich und Deine Kinder um eine Heimat an."
Der Komödiant maß mit hastigen Schritten das Gemach. Er riß den phantastischen Hut mit der rothen Lieder vom Haupte und das alte Frauenkleid, welches er bei der Probe seiner Rolle nmgelegt, von der Schulter, und warf Beides zu dem übrigen umherliegenden Theater-
^i!" sagte er nach einer Weile. „Auch
E i^rsth geworden und filbte den Trotz weichen im Hinblick auf die Wesen, deren Schicksal so eng an das meine geknüpft ist. Herr Schulmeister, so nahe Euer Rath auch immer lag, er war gut, denn hattet Ihr ihn nicht ausgesprochen, wäre ich wohl nimmer dazu geschritten, mich vor meinem Bruder zu demüthigen. Aber nun
rathet auch weiter, wie ich dem gnädigen Herrn am besten beikommen mag. Als vor langen Jahren mein flüchtender Fuß das Schloß verließ, war Adalbert noch ein Kind. Ich habe ihn nicht wiedergesehen. Die Welt behauptet, er sei ein kalter, stolzer Mann und harten Sinnes gegen seine Unterthanen."
„Man thnt ihm wohl Unrecht", erwiederte der Schulmeister. „Allerdings ist der gnädige Herr, nicht eben leutselig gegen die Unterthanen und strenge in Ansehung seiner Gerechtsame als Erb-, Lehn- und GerichtS- Herr. Aber daß ihm ein Herz im Susen schlägt bezeugt ja seine Freude bei der Geburt des kleinen Junkers und die Wohlthat, welche er in deren Folge gespendet. Heute, lieber Herr, ist das Tauftest. Es sind viele vornehme Gäste dazu geladen, und ich meine, wenn Ihr ihn mitten in der Freude und Fröhlichkeit überrascht, so wird er dem Bruder die Hand reichen und ihn nicht mit Kummer von sich gehen lassen."
„Rufe den Gabriel herbei", befahl der Komödiant seinem Töchterchen.
Das Kind kehrte mit dem jungen Burschen zurück, welcher eben beschäftigt war, die Scheunentenne in ein Theater umzuwandeln.
„Wir spielen nicht in Reinsdorf", sagte der Bater zu ihm. „Packe Alles wieder auf den Wagen, denn entweder haben wir ausgespielt für immer, oder wir ziehen mit dem nächsten Frühroth von bannen "
„Ist das Ernst oder Scherz?" fragte mit ungläubigem Gesicht der Hanswurst. „Wie mir die Jungen sagten, kommen zu dem Fest wohl tausend Menschen zusammen und wir sind die einzige Komödiantentruppe, die hier spielen wird. Nur ein Seiltänzer und ein Bärenführer sind außer uns noch da, und so können wir auf eine gefüllte Bude rechnen."
„Thue was ich sage, Gabriel", wiederholte der Vater. „Wir dürfen nicht in Neinsdorf Komödie spielen, denn es handelt sich um eine ernste Wirklichkeit, von der für uns Alle Tod und Leb.n abhängt!
„Tod und Leben?" wiederholte mir einem lustigen Kreuzsprunge der Hanswurst. „Wahrlich, Vater, wenn Du nicht so verdammt ernsthaft aussähest, würde ich glauben, Du wolltest mir ins Rollenfach pfuschen. Hat vielleicht dieser alte, schwarze Herr dazu beigetragen, so ver«