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ßersfc(^r Ünzerger.

^F 64. Hersfeld, den 11. August. 1866»

feer (^ebif'tfn^ wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei »mZ- M S >"° ?"" 74 «P<M e" D»M«lt« temmt 1« üblich- P°,-uM°,

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Amtliches.

Dem vorhinnigen Obercontroleur zu Fulda, jetzigen Steuererheber in Schmalkalden, Carl Rudolph Weschke, ist die Fortführung des TitelsObercontroleur" gestattet worden.

Der Negierungsassessor bei der Regierung zu Hanau, Carl Wilhelm Althaus, ist zum Regierungsrath und der Negierungsassessor bei der Regierung zu Mar­burg, Wilhelm Lotz, zum Regierungsrath und Regie- rungscommissar in Schmalkalden ernannt,

das Mitglied der Direction der Kurfürst Friedrich Wilhelms-Nordbahn, RegierungSrath Carl Wilhelm Hein­rich Wagen er, zu Cassel und

der Juspector deS Landkrankenhauses zu Cassel, Carl Kothe, sind in den Ruhestand versetzt, sowie

der Reallehrer Hugo Simo n zu Hofgeismar ist in gleicher Eigenschaft an die Realschule mit Progymnasium zu Schmalkalden versetzt worden.

Der mit der Verwaltung der Renterei Fulda beauf­tragte Rechnungsgehülse Hermann Kind ist zum Proba­ter bei der Oberfinanzkammer provisorisch bestellt worden.

Der Ministerial-Kanzlist Adam Rieckel ist zum Repositar im Justizministerium und

derHülfs-ExpedientHeinrich Sacksossky in Cassel zum Ministerial-Kanzlisien, letzterer provisorisch, bestellt worden.

Der Probaturgehülfc Georg Wilhem Bickell ist zum Probator bei der Direction der Hauptstaatskasse provisorisch ernannt worden.

Der Regierungssecretar Otto Klingelh ö ffer zu Marburg ist unter Beilegung des PrädieatsFinanz­rath" zum Mitgliede der Direction der Kurfürst Friedrich Wilhelms Nordbahn ernannt und

die erledigte Conventualin-Stelle im Stifte Obcrn- kirchen dem Fräulein Helene Bertha von Ditfurth zu Dankersen verliehen worden.

Der «Komödiant.

(Fortsetzung.)

Der Schulze und die Schoppen satten sich entfernt

und nur der alte Schulmeister war an dem runden Tische zurückgeblieben und starrte, den Kopf in die Hand ge­stützt,'nachdenklich vor sich hin. Der Anblick des Komö­dianten hatte ihn tief erschüttert. Es hielt ihn fest, als die Vorstände der Gemeinde das Gasthaus verließen, als müsse er dem Unglücklichen einige Worte des Trostes sa­gen, ihn abmahnen von dem verächtlichen Komödienspiele zur Ergötzung des zusammengelaufenen Pöbels. So saß der alte Mann wohl eine halbe Stunde, als er eine schwere Hand auf seiner Schulter fühlte und sich um« schauend den Gastwirth vor sich stehen sah.

Das ist eine seltsame Geschichte mit dem Komö­dianten, Herr Schulmeister", sagte der Wirth.Ich habe ihn mit seiner Sippschaft in dem alten Waschhause, ne­ben dem Kuhstalle, einguartirt und da packt er jetzt sei­nen Komödiantenkram aus und predigt und schreit dahei, daß man es über den ganzen Hof weg vernehmen kann. Herr Schulmeister, ich taufte diesen Gasthof vor zehn Jahren und weiß nicht, waö früherhin hier herum passirt ist. Allerdings habe ich gehört, daß drüben aus dem Arusteiner Schlosse vor langen Jahren der alte, verstor­bene Baron seinen Sohn verflucht und enterbt habe, weil er Komödiant geworden sei. Ich dächte Ihr, der Ihr schon vierzig Jahre im Amte seid und die ganze Nach­barschaft eben so gut wie Reinsdorf kennt, müßtet die Geschichte genau wissen. Wie ist denn das Alles zu­gegangen?"

Es läßt sich mit wenigen Worten erzählen", ant­wortete der Schulmeister.Der alte Baron hatte aus zwei Ehen zwei Söhne. Baron Hans der ältere und Majoratserbe, studirte in Leipzig, als eben die privili- girte kurfürstliche Komödiantentrüppe der Caroline Neu- berin daselbst spielte. Durch den Professor Gottsched wurde er mit dieser bekannt und bald von einer solchen Leidenschaft für das Komödienspiel ergriffen, daß er der Truppe beitrat. Nichts half es, daß' ihn der alte Herr gewaltsam aufheben und hierher bringen ließ. Er entfloh und wurde wieder Komödiant. Außer sich vor Scham und Zorn sprach der Vater nunmehr über den Unglück­lichen seinen Fluch aus. Es wurde ein Familienrath zu- sammenberuscn und Baron Hans des Majoratserbes ver­lustig und von der Familie für ausgestoßen erklärt. Seit jener Zeit hatte man niemals wieder von ihm gehört,