§ersfe(öer Anzeiger.
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Hersfeld, den 4. August.
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Der „Hersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal,' Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Amtliches.
Der Regierungsrath bei der Direction der Landes- credilkasse zu Cassel, Eduard Wiegand, ist zum vortragenden Rathe im Ministerium des Innern ernannt, und
der Gymnastalpraktikant Friedrich Heußner zu Cassel zum Hülfslehrer am dasigen Gymnasium provi- sorisch bestellt worden.
Der Obergerichtsreferendar Joseph Malkmus von Fulda ist zum Amtsassessor bei dem Justizamte II. in Hanau, und
der vorhinnige Amtsactuar Ludwig Ernst in Fran- kenberg zum Actuar bei dem Justizamte in Oldendorf, letzterer provisorisch, bestellt worden.
_ , Der Actuar Friedrich Justus Lieberknecht zu Steinbach-Hallenberg ist in gleicher Eigenschaft zum Justizamte in Hofgeismar versetzr worden.
Die Hülfsrevisoren Heinrich Buchen au und Carl Geyer bei dem Controlbüreau der Main-Weser-Bahn sind zu Revisoren bei demselben provisorisch ernannt worden.
Der Justizbeamte Philipp Duntze zu Naumburg ist in den Ruhestand versetzt und
der vorhinnige ObergerichtS-Referendar Ludwig von Starck in Hanau zum Obergerichtsanwalt daselbst bestellt worden.
Lucy Sommers.
(Fortsetzung und Schluß.)
^n ihrer Erwartung betrogen, verließ McS. Tower den Garten; auf ihr Zimmer angelaugt, war ihre erste Sorge, Sir Richard den Brief der Wittwe zu senden.
P^- was das Dapier enthält, welches ich >zhnen hiermit überschicke", schrieb sie, „vielleicht irgend «^- ,- 111 ihres Sohnes; das. Schicksal dieses atiudes liegt ihr lehr am Herzen und als ich Ihre Wer- M war ihr erstes Wort: Wird er ihm ein Baker sein. — Sw werden ohne Zweifel für den Kleinen Mutter begehrt, und da Sie diese Hei- y üls Ihr Glück betrachten, werden Sie glücklich sein,
denn Lucy liebt Sie; sie hat es mir freimüthig gestanden." —
Als Richard diesen Brief erhielt zitterte er heftig; er hielt ihn in der Hand, prüfte das Siegel, las aufmerksam die Adresse und legte ihn wieder hin, ehe er den Muth hatte, ihn zu öffnen. Zwischen ihm und Lucy gab es noch etwas anderes als Liebe, es lag ein Verbrechen zwischen Beiden. Er gedachte der Zeit, als er vor acht Jahren als junger, heiterer Erbe nach Woolwich kam, und Diejenige zum ersten Male erblickte, der seine ganze Liebe) gehören sollte. Warum war damals der Stolz stärker als die Liebe? Warum gab er damals nicht einer ehrenvollen Leidenschaft nach? Wie viele Sorge, wie viele Gewissensbisse hätte er sich erspart! Sein Stolz, der Stolz, den er niemals besiegt, hätte dabei gewonnen. Lucy Rutledge, die Tochter eines armen Kaufmanns, stand höher, als Lucy Sommers die Wittwe eines Soldaten und die Gouvernante des Herrn Tower.
„Ach!" rief er schmerzlich, „die Vergangenheit ge- hört uns nicht mehr; aber wenn sie mich liebt, wenn sie mein Weib wird, ist Alles vergessen." Er zerriß das Couverl deö Briefes und die Handschrift seines Obersten trat vor seinen Blick.
„Lord William R.....? — Kennt er Lucy? —Ist er mein Nebenbuhler?"
Er beruhigte sich schnell bei dem Gedanken, daß Lord R... verheirathet war; aber von dieser kleinlichen Furcht zu einer besser begründeten übergehend, nahm er das Schreiben mit bebender Hand. Lord R.. hatte an Lucy geschrieben, der Brief war drei Jahre alt, und Folgendes sein Inhalt:
„Mrs.
„Mein Herz blutet bei dem traurigen Ereigniß, das sich soeben aus dem Royal military repositary zugetragen hat. Sommers unglücklicher Tod beraubt Sie eines braven Ehegatten, und das Regiment, das ich die Ehre zu befehligen habe, hat seinen besten Soldaten verloren. Gott weiß, daß ich dieses Experiment für gefahrlos hielt, sonst hätte ich es nicht unternommen oder es selbst geleitet.
„Ich muß Ihnen indeß gestehen, daß der Lieutenant Sir Richard Gcaville anderer Meinung war. Ich hätte seine Rathschläge nicht befolgen sollen; um das