Einzelbild herunterladen
 

Hers selber Anzeigers

^ 58. Hersfcld, den 21. Juli. 1866»

DerHersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Renmarkt Nr. 587) pro Quartal 7$ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen'mit 6 Heller berechnet.

Amtliches.

Der Bahnhofs - Verwalter und Bahnmeister Otto Henric-Petri zu Nauheim ist zum Bahnhofsinspector- Gehülfen bei der Station Cassel,

der Bahnmeister Georg Friedrich Wilhelm Wachen­feld zu Cassel ist zum Bahnhofsverwalter, Expedienten und Bahnmeister zu Nauheim,

der Gepäckexpedient Ludwig Böcking zu GunterS- hausen ist zum Billeteur und Gepäckexpedienten der Ei­senbahnstation Kirchhain,

der Kasseuscribent bei der Direction für den Bau der Bebra-Hanauer-Eisenbahn, Carl Ruhl, ist zum Ex- peditionsgehülfen der Eisenbahnstation Nauheim, und

Joseph Moll ermann zu Cassel ist zum Expedi- tionsgehnlfen der Eisenbahnstation Marburg,

sämmtlich auf Widerruf, ernannt worden.

Der Gymnasiallehrer Dr. Christian Ostermann zu Cassel ist in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Fulda versetzt,

dem Bau-Eleven Carl Philipp Br am er auS Cassel das PrädicatEisenbahn-Ingenieur" verliehen,

derHülfs-ExpedientTheodor Hagemann zuCassel zum Kanzlisten im Ministerium des Innern, und

der Unterfactor bei der Hof« und Waisenhaus-Buch« Druckerei zu Cassel, Christian Friedrich Schweißer zum Vorstand derselben mit dem TitelFactor" ernannt worden.

yumim i'sag'f.K-Jinm

Kttcy SommekS.

(Fortsetzung.)

Pegg hatte den ganzen Tag mit dem kleinen Richard gearbeitet, und rechnete darauf, auch Nacht anfzubleiben; er hatte dem Kinde deshalb, während er in die Schenke ging, einige Ruhe vergönnt, ihm aber noch befohlen, das tieuer eer kleinen Schmiede zu unterhalten, wo er seine Gabeln glühte, wenn der spröte Stahl auf dem Steine tucht die Form annehmen wollte, die er ihm zu geben

gedachte. Er ging fast ohne sie zu sehen an Lucy vor­bei und trat in seine Werkstätte, deren Thür er hinter sich verschloß. Als Alfred diesen Cyklopen, blaß, mit starren Augen, verwildertem Bart und rothen, von Ruß beschmutzten Haaren, kommen sah, wurde er von Angst ergriffen und suchte sich unter dem Strohsack zu verstecken. Pegg todt berauscht, er sah das Kind nicht, und indem er eine Flasche seines geliebten Tranks aus der Tasche zog, setzte er sie langsam auf den Tisch, dann stellte er sich vor seinen erlyschenen Feuerherd.

Kein Feuer!" rief er,kein Feuer! Richard hieher Richard, Teufelsjunge!"

Vor Furcht gelähmt rührte der Knabe sich nicht. Pegg, der sich mit Recht rühmte, alle Listen dieser klei­nen Spitzbuben zu kennen, entdeckte ihn unter seinem Strohsacke, zog ihn am Ohr herbei, und gab ihm mit seiner derben Hand ein Dutzend Ohrfeige^ die dem ar­men, stets mit Sanftmuth behandelten Kinde ein lautes Geschrei auspreßten.Ah, Ah!" sagte Pegg,Dn schreist, Bursch? Schreie nur, wenn Dir das Vergnü­gen macht, es wird Dir noch Manches wehe thun, ehe Du ein Mann wirst. Du bist nicht klug, Bube, Du weißt, daß Du die Schläge verdient hast; warum hast Du das Feuer auSgehen lassen?"

Der Knabe lief nach der Thür, um einen Versuch zur Flucht zu machen.

Geh nur bin Männchen", sagte Pegg,es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn Du hinaus könntest, denn ich habe den Schlüssel in der Tasche."

Nachdem er sich über die mögliche Entweichnng sei­nes Lehrlings beruhigt hatte, zündete er das Feuer wie­der an; setzte sich dann in Positur, Alfred wieder zu ho­len, der die Schmiede im Gang erhalten sollte. Der Kleine klammerte sich an die Thürpsoste und schrie:

Laß mich, ich werde es Papa sagen!"

Gut, gut!" erwiederte Pegg.

Papa wird Dich ins Gefängniß bringen lassen."

«Du hast also einen Vater? Ich glaubte, er wäre todt. Nun, es ist möglich. Wenn aber Dein Vater bös wird, so steck ich ihn in meine Schmiede."

Du?"

Ja, ich, und wenn Du noch ein Wort sagst, klei- , ner Spitzbube, so stecke ich Dich zuerst hineiu."