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-Batterien fuhren auf, Jnfanteriefeuer wurden hörbar. Der Kampf um die Uebergänge über die Bistritz und jim die dahinter liegenden Dörfer wurde heftiger. Ge­gen 9 Uhr erkannte man deutlich, daß auch der General Herwarth auf dem rechten und die Division Frausecky auf dem linken Flügel im Gefecht standen. Drei oder vier Dörfer bräunten. Allmälig schritt das Gefecht auf den Flügeln vor, und auch im Centrum ging das Jn- santericgefccht vorwärts, während die Ungunst des Terrains die Artillerie zwang, in ihren vom Feinde überhöhten Stellungen ihr Feuer fortzusetzen; eine Aufgabe, die um so schwieriger war, alS der Feind zwei seiner wichtigsten Batterien bei Chlum verschanzt hatte. Man konnte er­kennen, daß es sich um eine Hauptschlacht handelte. Der Feind hatte jedes Mittel angewandt, die Stellung zu verstärken; Verhaue, Barrikaden waren angelegt, die Häuser zur Vertheidigung eingerichtet. Immer neue Batterien fuhr der Feind aus, frische Bataillone führte er ins Gefecht. Es war klar, daß die 1. Armee gegen einen an Zahl erheblich überlegenen Feind focht.

Mit Spannung erwartete man den Anmarsch der Armee des Kronprinzen gegen den feindlichen rechten Flügel, 3i Armee-Corps denen die schöne Aufgabe ge­worden war, die Entscheidung der Schlacht zu geben. Während die Ferngläser sich suchend nach der Gegend wandten, in der die Spitzen des kronprinzlichen Heeres erscheinen mußten, drängte sich unwillkürlich die Erinne­rung an Belle-Alliance und den Anmarsch Blüchers auf, nur mit dem Unterschiede, daß hier der Prinz Friedrich Carl nicht, wie Wellington, in der Defensive bleiben sollte, sondern mit Sehnsucht den Augenblick zum Vor- brechen erwartete.

Gegen 1 Uhr erhielten die 5. und 6. Division Be­fehl, das Gepäck abzulegen und zur Unterstützung der Truppen, die bei Sadowa fochten, vorzugehen. Unter Hurrahruf und den Klängen von „Heil Dir im Sieger­kranz- ging das Brandenburgische Corps an Sr. Maj. dem Könige vorbei zum Kampfe vor. Bald war kein Zweifel mehr, daß die Armee Sr. königlichen Hoh. des Kronprinzen auf dem Schlachtfelde erschienen sei. Man sah Kanonenfeuer von Norden her gegen die feindliche Stellung geben und nach einiger Zeit Truppen in langen Linien auf Chlum avanciren. Nach 2 Uhr stiegen schwarze Rauchwolken aus Chlum auf: das Dorf bräunte, ein sicherer Beweis, daß der Kampf um den Besitz dieses Schlüssels der Stellung begonnen hatte. Die Wirkung hiervon machte sich bald auf der ganzen Linie bemerklich. Das feindliche Feuer ließ plötzlich nach, und mit aufge­sessenen Mannschaften konnten unsere Batterien in die Stellungen vorrücken, die ihnen so lange streitig gemacht waren.

Um 31 Uhr war die Schlacht entschieden, der Sieg war unser, und es blieb nur noch übrig, ihn durch eine schnelle Verfolgung auSzubeuten. Se. königl. Hoheit der Prinz Friedrich Carl ging persönlich mit der Cavallerie- Division Horn vor. Im längeren Trabe ging die Reiter-

Colonne durch Sadowa, vorbei an den blutigen Spuren deS erbitterten Infantcriekampfes um Dorf und Wald, vorbei an den verlassenen mit Leichen und Trümmern bedeckten Positionen der österreichischen Artillerie. Nur vorwärts! Das war das einzige Gefühl dieser langen Coloune, die | Meilen getrabt hatte, als sie durch die verfolgende Infanterie, mit jubelndem Hurrah empfan­gen, durchritt. Hier waren Truppcntheile von verschiede- uen Corps untermischt. Alles eilte vorwärts, den Feind vor sich hertreibend. Auch Artillerie war gefolgt und vermehrte die Verwirrung in den abzichenden Trümmern des feindlichen Heeres.

Jetzt war der Moment zum Einbauen für die Ca- vallene'gekommen; ohne die Pferde verschnaufen zu las­sen, warfen sich die Regimenter auf Artillerie und Infan­terie, und bestanden dann einen harten, aber siegreichen Kampf mit der österreichischen Reserve-Cavallerie, 'die zur Rettung ihrer Armee verbrach. Während von unserer Seite das ncumärkische Dragoner-Regiment, das die Töte gehabt hatte, thüringische Husaren, Ziethen-Husaren, brandenburgische Ulanen Nr. 11, thüringische Ulanen, 2. Garde-Dragoner sich auf den Feind warfen, führten die Oesterreicher ihre Kürassier-Regimenter Wraugel, Prinz Carl von Preußen, Stadion, ihre Ulanen - Regimenter Mexico und Alexander vor, und ungefähr 6000 Reiter fochten auf engem Raum gegen einander.

Der Sieg blieb unser und jeder Widerstand des Feindes war nun gebrochen. Dem 5. Armee-Corps (Ge­neral von Steinmetz) und den Truppen des Generals Herwarth, die von entgegengesetzten Seiten gegen ^e aus Königgrätz zurückweichenden feindlichen Massen vorgingen, wurde die Verfolgung zu Theil, deren letzte Schüsse erst mit Sonnenuntergang verhallten.

Die Truppen bivouakirten auf dem Schlachtfeld und bald erleuchteten zahllose Bivouakfeuer die Wahlstatt, auf der die Nacht durch die angestrengteste Thätigkeit der Aerzte und Krankcnträgcrdie traurigen Folgen deS Kampfes zu lindern bemüht war

Wie groß unsere Verluste sind, läßt sich noch nicht ersehen; wie schmerzlich sie auch sind, sie haben dem Va­terlands einen der schönsten und großartigsten Siege er­kauft, von denen die Geschichte zu berichten hat.

Vermischtes.

Wenn zwei Nationen sich bekriegen, So wenden sie sich himmelan: „O lieber Vater! hilf uns siegen." — Wem machtS der Vater recht alsdann?

Es wendet sich mit trübem Blicke

Der Gott der Liebe ab und spricht: „Zur Eintracht schuf ich Euch, zum Glücke — Wenn ihr euch würgt, so ruft mich nicht."