Hers selber Anzeiger.
^ 56. Hers selb, dcn 14. Juli. 1866.
Der „Hersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bez. Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Amtliches.
Dem vom Erblandpostmeister, Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zur Bestellung als Postverwalter zu Großalmerode in Vorschlag gebrachten bisherigen Privat« Postgehülfen Otto Koppen ist die Bestätigung ertheilt worden.
Der Dr. med. Carl Merkel aus Treysa ist zum PhysikatS-Assistenten für die Ortschaften des vorhinnigen Amts Frankenau mit Dem Wohnsitz in Frankenau,
der als Sections-Jngenieur bei dem Ban der Bebra« Hanauer Eisenbahn beauftragte Bau-Eleve Carl Stern zu Fulda und der Bau-Eleve Carl Engelhard anS Allendorf, dermalen zu Haina, sind zu Bau-Commissären und zwar der erstere zu Rotenburg und der letztere zu Hofgeismar, provisorisch ernannt worden.
S-.-!"^ L—m»-------- .. ■ —
Die Schlacht bei Königgrätz.
Berlin, 9. Juli. Die amtliche Darstellung der Schlachi bei Königgrätz schildert besonders in eingehender Weise den Antheil' der Ersten Armee an den Kämpfen deS denkwürdigen TageS wie folgt:
„Nachdem am 2. Juli Abends durch Necoguosci« rungen festgestellt war, daß vor der Fronte der Ersten Armee starke feindliche Massen sich zwischen Horitz und Königgrätz befänden, wurde für den 3. Juli der Angriff des Feindes durch die Armee des Prinzen Carl, der sich bei Münchengrätz mit der Armee des Generals v. Her« warth vereinigt hatte, besohlen, und zugleich sollte die Armee des Kronprinzen von Arnau und Königinhof her dem Feinde in die rechte Flanke fallen. Die Erste Ar« mee jatte um Mitternacht ihre BivouacS verlassen, um mit Tagesanbruch zum Angriff bereit zu stehen.
Auf dem linken Flügel bei Czerekwitz, 1 Meile südöstlich von Horitz erwartete die Division Fransecky den Befehls zum Vormarsch, während sich im Centrum an der Chaussee nach Königgrätz, bei Milowitz, das 2., 3. Armee« Corps und die Division Horn, letztere in der Avantgarde, sammelte. Rechts hiervon hielt das Cavallerie« Corps, das die Nacht nahe dem Feinde gelegen hatte, gesattelt
und gezäumt in seinen Bivouaks, und noch weiter rechts bei Nechanitz sollte General Herwarth eintreten.
Gegen 6 Uhr wurde der Befehl zum Vormarsch ertheilt. Der Morgen war kühl und neblig; ab und zu fielen bis Mittag heftige Regenschauer und erschwerten, ebenso wie die hohen Korn« und Napsfelder, das Fortkommen von Mann und Pferd außerhalb der Wege. Hie und da zeigte sich am Horizont eine feinlidche Vedette, die, wenn sie schnell verschwand, der Besorgniß Raum gab, man werde den Feind heute nicht mehr finden.
Alle Zweifel hierüber schwanden indeß, als um 8 Uhr die Spitze der Division Horn das Dorf Sadowa erreichte und von dem Feuer mehrerer feindlichen Batte, rien empfangen wurde. Der Nebel, ähnlich wie bei Missunde, ließ Entfernung und Zahl der feindlichen Geschütze nicht erkennen, und unsere Artillerie begnügte sich deshalb damit, das Feuer langsam zu erwidern. Während so die Division Horn ein.- Stunde lang das Gefecht bei Sadowa hinhaltend fortführte, hatte sich rechts von ihr das Zweite Armee-Corps entwickelt und ebenfalls einige Batterien vorgezogen.
Wenn man von Horitz kommt, ersteigt man diesseits Sadowa eine Höhe, die auf der anderen Seite gegen Süden | Meile lang allmälig zur Bistritz abfällt. Jenseits der Bistritz, die hier zwei steinerne Brücken hat, liegt Sadowa, südlich von ihm Dohalic, Orte, die mas, sive Höfe, Fabriken und verlheidigungSfähige Kirchen haben. Hinter diesen Dörfern steigt das Terrain steiler an, bis eS eine halbe Meile jenseits Sadowa bei dem Dorfe Cblum, dessen Kirche weithin nach allen Seiten als der höchste Punkt der Gegend sichtbar ist, seinen Gipfel erreicht. Diese von den Oesterreichern besetzten Höhen bieten vorzügliche Stellungen für die weite Wirkung gezogener Batterien, während das Terrain auf unserer Seite niedrig und von jenseits mit Dem Auge und mit dem Schuß zu beherrschen ist. Von der Höhe an der Chaussee Diesseits Sadowa schien es, wie wenn der Feind seine Batterien terrassenförmig übereinander aufgestellt hatte.
Bald nach 8 Uhr erschien Se. Majestät der König bei der Division Horn im Bereich der feindlichen Granaten. Lauter Jubel empfing den königlichen Kriegsherrn, wo er sich einer Truppe näherte. Der Nebel wurde lichter, und Der Angriff im Centrum begann. Zahlreichere