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in der Stadt selbst. Zu ersterem lagen ungefähr 80 bis 100, in dem zweiten noch weniger, da bereits am Tage zuvor die Leichtverwundeten nach Erfurt geschafft waren.

Die Pflege war eine vortreffliche, Militär- und Ci- vilärzte, Soldaten und Diakonissinnen, sowie Frauen aus Gotha thaten Alles, was in ihren Kräften stand, um die Leiden der Unglücklichen zu mildern. Die Säle und Räumlichkeiten waren kühl und luftig, die Matratzen gut, an Bandagen kein Mangel. Auf den Gesichtern der Un­glücklichen stille, schweigende Ergebung. Dort lagen «Lchwerverwundete, deren kurzer Athem den Schuß durch die Brust verrieth, dort ein vom Fieber Gerötheter, dessen verbundenen Kopf der Säbel eines Husaren oder Dra­goners halb gespalten. Dort die Mindergefährlichen, denen ein Bein oder Arm durchschossen, dort Augen- kranke, dort mehrere, welche am Sonnenstich litten, dort andere, welche die maßlose Anstrengung niedergeworsen hatte. —

Die Lazarethe selbst machten durch die Humanität und Sorgfalt, mit welcher die Kranken und Verwundeten behandelt wurden — Mancher las oder rauchte bereits wieder seine Cigarre, obschon er als Invalide mit einem Beine oder einem Arme heimkehren wird — einen beru­higenden und durch die Stille in ihnesi einen fast fried­lichen Eindruck und doch spielte sich an dem Lckger fast jedes Verwundeten ein kleines Drama ab. Dort waren die Verwandten herbeigeeilt, Vater, Mutter oder Schwe­ster und saßen still, die Augen mit Thränen gefüllt, die Hand des Kranken in der ihrigen, neben ihm, dort eilt eine Mutter durch die Reihen der Betten hin, sucht un- —üx den bleichen Gesichtern ihren Sahn. Unter den Ver­wundeten hatte sie ihn nicht gefunden, sie konnte ihn nur noch im Lazareth oder auf dem Schlachtfelde unter den Todten suchen. Dort wieder reicht eine andere Frau fast jedem Osficier, jedem Soldaten, der ihr begegnet, eine Photographie, um von ihnen Nachricht zu erhalten über -den, den das Bild zeigt. Dort steht ein einfacher Bauer an eine Wand gelehnt, aus seinem sonnverbrannten Ge­sichte spricht maßloser Schmerz, sein Auge.starrt ver- zweiflungsvoll auf die Erde, er hat zwei Söhne in dem Kampfe gehabt und noch keinen von beiden aufgefunden!

In der Stadt ein buntes, fast wirres Durcheinander der verschiedensten Truppen. Vor der Kaserne wurden die Gothaer gesammelt, zum Theil um die Gewehre wie­der in Empfang zu nehmen, welche sie in der Hitze des Kampfes oder als Gefangene eingebüßt. Da standen die sechzehn Geschütze, welche zwei Tage zuvor so manches Leben vernichtet, still, bereits wieder aufgepackt, um jede Stunde gegen einen neuen Feind geführt zu werden. Dort stand ein Bataillon, um weiter gegen die Bayern geschickt zu werden, dort fuhr ein Wagen langsam durch die Stadt, ein oder mehrere Verwundete saßen darauf — von den Ihrigen in die nahe Heimath geholt.

Fast, allen Soldaten sah man noch die Anstrengung und Ermüdung der Tage zuvor an. Kein Hauch der pa- rademäßigen Ordnung mehr, die Uniformen beschmutzt,

zum Theil durch Kugeln zerrissen, auf den Stiefeln zum großen Theil noch der Schmutz des Schlachtfeldes oder der Staub des Marsches.

Die Zahl der Todten war durchaus noch nicht fest- gestellt, sie beträgt indeß keinenfalls mehr als ungefähr 500 auf beiden Seiten. Die Hannoveraner haben weni­ger Todte und Verwundete als die Preußen und Gotbaer, obschon namentlich ihre Cambridgehnsaren stark gelitten haben. Ihre günstige Stellung macht dies leicht erklär­lich, ebenso die Mehrzahl ihrer Geschütze. Das ganze Hannoversche Corps war 20,000 Mann stark, über 18,000 haben capitulirt. Nur ungefähr die Hälfte des Corps hat sich an dem Gefechte betheiligt, die andere Hälfte stand hinter Langensalza aufgestellt.

Die Entwaffnung der Hannoveraner fand an demsel­ben Tage in Langensalza statt; die Bedingungen dersel­ben sind bekannt. Am Nachmittage kam ein großer Theil derselben durch. Gotha, um auf der Eisenbahn vorerst nach Göttingen gebracht zu werden. Die kräftigen jun­gen Männer waren zum Theil auf das Aeußesste erschöpft. Menschlich Gesinnte erquickten sie in der Eile mit Bier und Cigarren, selbst Gothaer Soldaten thaten dies und riefen den vorübermarschirenden Entwaffneten zu: „Hier Kamerad!" Sie gaben vielleicht ihre letzte Cigarre bin.

Die entwaffneten Soldaten freuten sich — ich habe mit vielen von ihnen gesprochen — daß sie in ihre Heimath zurückkehrten, daß der Krieg für sie zu Ende war. —

Die Geschütze der Hannoveraner, 5’2, und die Pferde derselben, welche den Preußen durch die Entwaffnung in die Hände gefallen, sind vortrefflich, namentlich die Pferde. Die Stärke der hannoverschen Cavalleriebestand aus 6 Regimentern, indeß befanden sich dieselben noch auf dem Friedenssuße.

Die Gerüchte, daß die hannoverschen Truppen in der Gegend von Mühlhausen, Langensalza und Eisenach zu wild gehaust hätten, sind unwahr. Leute aus den Ort­schaften, in denen sie gelegen, behaupten das Gegentheil: sie haben Alles bezahlt. Man muß auch- gegen den Be­siegten gerecht sein. Man empfindet unwillkürlich das Verlangen nach Gerechtigkeit, wenn man die Verwunde­ten im Lazareth sieht.

Friedrichsroda, 30. Juni.

Friedrich Friedrich.

(in der „National-Zcitung".)

Aufruf

im Namen Ihrer Königlichen Hoheit .der Prinzessin Friedrich Wilhelmvvn Hessen, geborne Prinzessin von Preußen,

an

«frauen und Jungfrauen Nurhefsens.

Angesichts der dem engeren Vaterlands drohenden Sorgen'beabsichtigt Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin