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^ e r 8 f e s Ö e r Anzeiger.

jy SS Hersfeld, den 11. Juli. 1866.

Der „Hersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7i Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag I)h^H. — Anzeigen aller Art werden aufgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Amtliches.

Dem Obergerichtsreferendar Carl Altmüller zu Cassel ist die erledigte Stelle eines SeeretarS bei der Direction des Haus- und Staatsarchivs daselbst über­tragen und

dem Vr. Moritz Hoffa auS Cassel die Praxis als Arzt, Wundarzt 1r Classe und Geburtshelfer mit dem Wohnorte Cassel gestattet worden.

Der Probator Heinrich Ludwig Helwig Henkel bei der Direction derHauptstaatskasse ist zum Controleur bei der Abtheilung IV. der letzteren bestellt worden;

dem Dr. med. Adolph Seitz aus Harleshausen und dem Dr. med. Carl Koth e auS Melsungen ist die Praxis als Arzt, Wundarzt ir Classe und Geburtshelfer und zwar dem ersteren mit dem Wohnsitz in Rauschen­berg und dem letzteren mit dem Wohnsitz in Borken ge­stattet worden.

Der Assessor deS Ober-Medicinal« Kollegiums Dr. Friedrich Wild zu Kassel ist zum Ober-Medicinalrath bei demselben,

der Hofrath Dr. Ludwig Friedrich Theodor Schot­ten zu Kassel gleichfalls zum Ober-Medicinalrath und Mitglied des genannten Kollegiums, und

der pensionirte Korporal Heinrich Wilhelm Ludwig Gustav Pohl aus Salmünster zum Probator bei dem Konsistorium in Marburg ernannt, sowie

dem Pfarramts-Kandidaten Carl Zinn aus Webl« Heiden die erledigte Stelle eines Lehrers der französi­schen und englischen Sprache an der Realschule mit Pro­gymnasium zu Eschwege übertragen worden.

Der Probaturgehülfe Heinrich Kuno August Ap- Pelius ist zum Probator bei der Oberfinanzkammer Provisorisch ernannt worden.

Ein Tag in Gotha.

Es gibt jetzt kaum in Deutschland eine Stätte, an der man gesichert wäre daß nicht auch zu ähr der Don­ner der Geschütze dränge, daß nicht auch an ihr der Krieg seine Schrecknisse entfaltete. Selbst die große Zu­

fluchtsstätte des Friedens, die stillen grünen Berge und Thäler des Thüringer Waldes bieten keinen Schutz mehr dar, auch die Straßen zwischen den Altären der Natur werden von Soldaten durchzogen, Geschütze rasseln zwD^— scheu ihnen hin und die Berge werfen die ungewohnten Klänge traurig als Echo zurück.

Zwei Tage nach dem Gefechte der Hannoveraner, der Preußen und Gothaer bei Langensalza war es, als mich das Verlangen nach Gotha trieb, um mit eigenen Augen mich von den Schrecknissen des Gefechtes zu über­zeugen, um aus dem Munde der am Kampfe Betheilig« ten die Wahrheit zu hören und um den unendlichen Ueber­treibungen, welche nach allen Seiten hin verbreitet wur­den oder sich selbst verbreiteten, denn das Gerücht wächst, wie die Lawine beim Fallen, auszuweichen.

Das Gefecht war längst beendet, daS hannoversche Armeecorps hatte am Abend zuvor capitulirt, aus dem Schlachtfelde kam man der traurigen Pflicht nach, die Todten fime Erde zu betten und Hannoveraner, Preu­ßen und Gothaer friedlich nebeneinander in ein Grab zu legen, und in den Hospitälern und Lazarethen die Ver­wundeten zu pflegen. Selbst ein so kleines Schlachtfeld ist nach dem Kampfe wenig zur Schilderung geeignet. Die durch die Wärme schnell in Fäulniß übergehenden Leichen, die durch die Zersetzung unförmlich aufgetriebe­nen Todten, deren Gesichtszüge verschwollen und unkennt­lich, deren Glieder die Rathe der Uniformen platzen machen, die mit Kalk überstreuten offenen Und oft ent­setzlichen Wunden, dort die faulenden Kadaver der gefalle­nen Pferde — dies Alles bietet ein entsetzliches' Bild. In Gräbern von ungefähr 10 Fuß Quadrat wurden die Todten je zu fünfundzwanzig Mann begraben — im Tode wieder einig, im Grabe wieder als echte deutsche Brüder, friedlich nebeneinander ruhend.

In Langensalza und Merxleben in dem Lazareth über 1500 Verwundete, leicht Verletzte und Sterbende, in deren bereits brechenden Augen noch die Hoffnung zu lesen, die Ihrigen wieder zu sehen, vielleicht mit Weib und Kindern wieder vereint zu werden. Thörichte Hoff­nung! Noch mancher von ihnen wird scheiden, ohne die Seinen je wieder zu sehen.

Friedlicher war es in dem zum Lazareth eingerichte­ten Schießhause bei Gotha und in einem anderen Lazareth