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Hersfcld, den 27. Juni.

1866

M^° Da mit Schluß dieses Monats das Abonnement des zweiten Quartals zu Ende geht, so werden die verehrlichen Abonnenten ersucht ihr Abonnement für das mit dem 1. Juli beginn nende dritte Quartal baldigst zu erneuern, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Expedition.

Hersfeld. Nach der „Kasseler Tagespost" ist Seine Königl. Hoheit der Kurfürst von Hessen aus Befehl Seiner Majestät des Königs von Preußen am Sonnabend, den 23. d. Mts., Abends gegen 9 Uhr als Kriegsgefangener nach der Festung Stettin abgeführt worden. Der Abschied des Kurfürsten von der Dienerschaft und den auf Wilhelmshöhe Zurückge­bliebenen soll ein wahrhaft herzzerreißender gewesen sein.

Kuey Sommers

(Fortsetzung.)

Lucy widerstand Sir Richard beharrlich. Der Tod ihres Vaters, der kein Vermögen hinterließ, zwang sie in Mrs. Towers Dienste zu treten und ihren Sohn der Fabrikerziebnng ihres Herrn zu überlassen. Ueber alles dieses' brütete Sir Richard im Schatten kühler Bänme; wie Lucy kannte er die Gefahren, denen der kleine Richard ausgesetzt war, und obschon er sich gestellt hatte, alö bemerkte er nichts, war ihm doch LucyS flehender Blick nicht entgangen; niemals hatte sie ihn um etwas gebeten — die mütterliche Liebe hatte allein dieses Wun­der bewirkt. Was sollte er thun? — DaS war die Frage, die er sich selbst verlegte. Gewissensbisse hatten feinen Stolz gebeugt und da er sich gern überredete, daß einzige Mittel, sein Verbrechen wieder gut zu machen sei, Lucy zn heirathen, war er beinahe dazu entschlossen. Es handelte sich nur noch darum, zu überlegen, wie er sich nach dieser Vermählung benehmen sollte. Er konnte den Dienst verlassen und sich mit seiner Frau auf seine Gü­ter zurückzichen, wo er wie eimLandedclmann sein Leben damit binbringen würde, auf die Fuchsjagd zu geben, ltch mit rcr Wahl eines Sherisss oder der Zubereitung eines Puddings zu beschäftigen; oder er konnte auch der öffentlichen Meinung Trotz bieten und seine Fran frei inib nngescheut in Besitz aller Vortheile setzen, die er ihr «ver^chassni konnte. Die Richtung seines Geistes trieb m dazm diesen Ausweg zu ergreifen; es lag für ihn zem gewicheS Vergnügen darin, dem aristokratischen Sinn in deren Mitte er lebte, zu trotzen.

Aber um es ausznführen, mußte er sich auf einen bc- ständigen Kamps gefaßt machen, er mußte beständig er­neuerte Sarkasmen ertragen — er wußte — und er selbst war ein Beweis davon, — daß der^Stolz niemals in dem Herzen des Menschen stirbt, und dagMn immer von seiner Gattin sagen würde: „Lady Graville, eine vortreffliche Frau, die bei Herrn Tower gedient hat."

Aber trotz aller dieser unangenehmen Aussichten war Sir Richard entschlossen, Lncy zu heirathen, indem er bei allen dem seine anscheinende Unempfindlichkeit beibe- hielt; es war eine Maske, die noch zu seinem Entschlüsse stimmte — höchstens würde er zwei dunkle Jahre beste­hen müssen. In diesen Bildern verloren, verstrich ihm die Zeit schnell, eS ward Nacht. Da dachte er daran, daß jetzt das Bankett seiner Kameraden zu Ende sein und er sich, seinem Versprechen gemäß, zu Mrs. To­wer beheben könne. Als er sich dem Hause näherte, be­merkte er Lucy, die mit einem Kinde an der Hand auf die Fabrik znschritt, und da ihn die Dunkelheit hinderte, die Gegenstände genau zu unterscheiden, sagte er sich:

„Herr Tower ist doch menschlicher gewesen, als ich geglaubt, der Gedanke, er hat der armen Frau erlaubt ihr Kind zu sehen, trieb ihn vorwärts; da glaubte er den jungen Alfred Tower in dem Kinde zu erkennen,! das er für Richard gehalten hatte, und sah wie Lucy! sich vom Wege abwandte und von der Fabrik entfernte.

Er wollte sie nicht durch seine Gegenwart geniren und ging in Herrn Towers Hans. Er fand Mrs. Towers allein: und als der Thee servirt worden, entschloß sich' Sir Richard, der seine Verwandten achtete und liebte,; sie zu seiner Vertrauten zu machen. Aber da sich die Leidenschaften verstehen und der junge Officier sich wicht über das Motiv der ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten täuschte, frug er:

„Meine liebe MrS. Tower, ich habe im Allgemei­nen Kinder immer sehr gern gehabt, aber besonders liebe, ich Ihren kleinen Alfred ganz ungemein; ich muß ihm? einen Beweis davon ge^en."

„Und wie das?" I

„Indem ich ihm einen Theil meines Vermögens? bestimme."

„Sie wollten ihn zn Ihrem Erben machen, Sus