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einer in der Mitte befindlichen Wasserfläche Versuche gemacht, um neue Erfindungen, und was im Allgemeinen das Geniewesen interessiren kann, zu prüfen. Seit Europa Frieden genießt, sucht man die Mittel, den Krieg, wenn er je wieder ausbrechen sollte, mörderischer als je zu machen. Vorzüglich überläßt sich England beständi- yen Versuchen über'diesen Gegenstand; es sucht Etwas, womit man ganze Regimenter auf einen Schlag vernichten könnte, ^ongreve'sche Raketen und andere haben wohl ihren Werth; aber das sind schon verbrauchte Mittel, und man will diese durchaus übertreffen.
Der Dampf ist Die Kraft, die man zu diesen Zer« siörungswerken nutzbar machen will, und >bald werden wir gezwungen sein zu wiederholen, was die Krieger des Mittelalters bei der Erfindung des Pulvers sagten; „die Tapferkeit wird unnütz! — Welchen Muth kann man gegen eine Maschine haben, die dreißig bis vierzig Mor- Sten Landes bestreicht und die Mauern einer Festung so eicht umwirst, als der Athem eines Kindes ein Kartenhaus?" —
Sir Richards Oberst beschäftigte sich viel mit der« ■ gleichen Erfindungen; er ließ Brander bauen, Bomben, deren Explosion 'erst im Wasser recht wirksam war, Höllenmaschinen, die häufig den mit ihrer Führung beauftragten Arbeitern gefährlich wurden.
Das Royal military repositary war der natürliche Schauplatz dieser Experimente, deren Gefahr Sir Richards Kenntnisse zu würdigen wußten. Eines Tages — drei Jahre vor dem Beginn unserer Erzählung — wollte der Oberst die Wirkung eines Branders versuchen, dessen Flamme ohne Rauch und Farbe, die Leute um so gewisser verzehren müßte, da der Feind die Gefahr erst ■ sah, wenn es nicht mehr möglich war, derselben zu be« geguen. Der Oberst glaubte ein geheimes und langsames Werkzeug zu haben; Sir Richard aber meinte, die Wirkung werde schnell und augenblicklich sein und eine plötzliche Explosion werde in wenig Minuten den Brander und den unglücklichen Führer desselben vernichten; er konnte sich indeß irren, der Oberst war ein unterrichteter Mann, der für den Erfolg seiner Entdeckung einstand, und von Richard die Bezeichnung eines geschickten Artilleristen, der sie zu leiten verstehe, verlangte. Der Lieutenant nannte ihm Sommers; der Versuch fand statt und Sommers wurde dabei getödtet. —
Richard, den Niemand anklagen konnte, auf den selbst Luch nicht einmal einen Verdacht hegte, fühlte sich im Grunde seines Herzens eines Mordes schuldig, und um sein Gewissen zu erleichtern, gelobte er sich, für die Witwe Sommers zu sorgen und das Kind, welches er zur Waise gemacht hatte, zu beschützen; er ließ ein Jahr verstreichen und erneuerte dann vergeblich seine früheren Anträge, aber immer noch, ohne von einer Heirath zu sprechen: sein Stolz empörte sich gegen eine solche Verbindung. Ein Engländer heirathet wohl eine Schauspielerin, eine Sängerin, eine Frau, welche die Aufmerksamkeit aus sich zieht, die die „Fashion" adoptirt, die
von Beifallsklatschen begleitet wird; aber auch hier leitet ihn der Stolz, und der findet seine Rechnung nicht darin der Gemahl einer armen Wittwe zu werden, welche ihr hartes Schicksal zwingt, bei einem reichen Fabrikanten als Gouvernante in Dienst zu treten Indessen veränderte sich seit Sommers Tode Sir Richards Charakter; er verlor seine Heiterkeit, sein offenes Wesen ver. schwand, um jener englischen Steifheit, worin er als Modell dienen konnte, Platz zu machen. Unschuldig in den Augen Luchs und der Menschen, war er vor Äoll und seinem eignen Gewissen ein Mörder! —
(Fortsetzung folgt.)
Amtliche Bekanntmachungen.
Landrathsanu Hersfeld.
Nach einer Mittheilung Kurfürstlichen LandrathS- amts zu Rotenburg ist die unter der Schafheerde des Ackermanns Daniel Höll und MühleubesitzerS Anton Dehnhardt zu Weiterode ausgebrochene Pockenseuche erloschen, was hierdurch veröffentlicht wird.
HerSfeld, am 23. Juni 1866.
Kurfürstliches Landrathsamk. Auffarth.
Nach einer Mittheilung Kurfürstlichen Landraths« amtS Ziegenhain vom 16 d. Mts. sind die unter’m 13. Januar bezw. 13. Februar d. I. erlassenen polizeilichen Maaßregeln bezüglich der unter den Pferden des Postbalters Nöll zu Trehsa ausgebrochenen Notzkrankheit vom 1. k. Mts. an außer Wirksamkeit gesetzt worden.
Hersfeld, am 23. Juni 1866.
Kurfürstl. LandrathSamt. Auffarth.
Der Weisbinder Nicolaus Petermann von hier und der Schreiner Conrad Trieschmann von Widdershausen sowie Heinrich Röth und Philipp Röth aus Allendorf haben, erstere beide auch für ihre Familien, um Eutlas- sung aus dem Kurhessischen Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Amerika gebeten.
HerSfeld, am 22. Juni 1866.
Kurfürstl. Landrathsamt. Auffarth.
LandrathSamt Hünfeld.
Die unter dem 1T. Februar d. I. erlassene Edic« talladung wird bezüglich des ungehorsamen Militärpflicht tigen Bonaventura Herbst von Morles hiermit zuruch gezogen. \
Hünfeld, am 16. Juni 1866.
Kurfürst!. Landrathsamt, ®®^