Uerssesher Anzeiger.
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J\l 4N. Hersfeld, den 13. Juni. 1866»
Der „Hersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Ncumarkk'M7^87) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
dem Dr. med. Ernst Weiler aus Fronhausen die Praxis als Arzt, Wundarzt 1r Klasse und Geburtshelfer mit dem Wohnsitz Fronhausen und
dem Kandidaten der Tierheilkunde Wilhelm Wel- hausen aus Pötzen die Praxis als Thierarzt erster Klasse mit dem Wohnsitz Allendorf a. d. W. zu gestatten;
den Regierungs-Referendar Carl Metz zu Kassel zum Kreissecretar zu Messungen,
den beauftragten Lehrer an' der Realschule zu Kassel Wilhelm Wiegand, zum ordentlichen Lehrer an derselben und
den Hülfsprobator bei der Direction der Landeskreditkasse, Carl Gies, zum Probator bei derselben provisorisch zu ernennen, sowie
den Registrator in der Kanzlei des Ministeriums des Innern, Johann Heinrich Wende und
den Consistorial- Probater Jacob Auma nn zu Hau au
zu pensioniren;
den Probator bei der Oberfinanzkammer, Heinrich Prollius, zum Kassirer der Filial-Staatskasse und der Hülfs-Daukaffe zu Hanau, sowie
den Einnehmer bei der Eisenbahnstation Wilhelms- böhe, Hermann Bender, zum Bahnhofsverwalter daselbst
zu ernennen.
Kucy Sommers.
Erzählung aus dem Arbeiterleben Englands. (Aus dem „Jllustrirten Familien-Journal".)
(Fortsetzung.)
sich zu dem Handelsherrn begab, war sie ®°^e. Richard, ein junges rosiges Kind, wie ^'?^br in England, begleitet: sie hatte verlangt, ibn bei sich behalten zu dürfen. "^ gleich ein Spielgefährte für den kleinen Tower, den man ihrer Sorge übergeben wollte;
sie versprach, daß die Liebe zu ihrem Kinde sie nicht veranlassen sollte, das Kind des Herrn Tower zu vernachlässigen, sogar würde der Erstere ein Pfand ihrer besonderen Aufmerksamkeit für den Letzteren • sein. Dieser Borschlag empörte den Stolz der Mrs. Tower: da indessen Lucy allen nöthigen Erfordernissen entsprach, stellte man sich, als ob man in ihr Verlangen willige, und eine Zeit lang ging es so fort. Bald aber gab Herr Tower Lucy zu'verstehen, daß es vorth^ilhaft für ihren Sohn sein werde, einen Handelszweig zu erlernen, frühzeitig einen Unterricht zu erhalten, der ihn später reich machen könnte, die Gelegenheit wäre günstig, da die Fabrik nur zwei Schritt entfernt sei, und Lucy jeden Augenblick Nachricht von ihm erhalten könnte. Lange widerstand die Wittwe, endlich willigre sie aber doch ein, einen Con« tract zu unterzeicheen, der Herrn Tower ihr Kino für eine Lehrzeit von fünf Jahren überließ und so wurde der kleine Richard der Fabrik übergeben. Von dieser Minute an verließ das Kind das Haus, um in der Fabrik zu leben, jede Gemeinschaft mit seinem kleinen Spielgefährten hörte aus. Ohne genau zu wissen, welcher Behandlung ihr Sohn ausgesetzt war, betrübte sich Lucy heftig über diese Trennung und verhehlte nicht, daß nur die Furcht ihre Stelle und das Wohlwollen ihrer Herrschaft zu verlieren, sie zu der Einwilligung bewogen habe, ihr Kind, das einzige Andenken einer glücklichen Ehe, die eine traurige Katastrophe gelöst hatte, von sich zu geben. Indessen wurde sie durch die gewöhnliche Gut- mülhigkeit des Herrn Tower etwas beruhigt; sie wußte nicht, daß, und vorzüglich in England, zwei Seelen in einem Menschen wohnen. Der gefällige Ehemann, der zärtliche Vater, der nachsichtige Gebieter verändert, sobald er in die Fabrik tritt, seinen Charakter ganz und gar; er betrachtet seine Arbeiter wie seine Maschinen, ist eifriger auf die Erhaltung der letzteren, als auf die Gesundheit der ersteren bedacht. Er geizt mit der Zeit, zählt nur die Productionen, und gleich den alten Römern sieht er in seinen Arbeitern, wie jene in ihren Sklaven, nicht einen Menschen, sondern eine Sache.
Während dieser Zeit kam der Artillerie - Lieutenant Sir Richard Graviile häufiger als früher zu MrS. Tower, aber anstatt sich ins Besuchszimmer zu begeben, wo er seine Verwandten finden konnte, richtete er seine Schritte