flersfeshcr Anzeiger.
jy 45.
Hersfcld, den 6. Juni.
1866»
. Der „HersW>er Anzeige erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
dem dienstthuenden Kammerherrn bei Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Friedrich von Hessen, B. G. von Romberg, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Hefseu-Darmstadt demselben verliehenen Comthurkreuzes 2t Klasse des Verdienst-Ordens Philipp des Großmüthigen,
dem Geheime Oberfinanzrath Cramer zu Kassel die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Maj. dem Könige von Hannover demselben verliehenen Comthurkreuzes 2r Klasse des Königlichen Ernst-August-Ordens, und
dem Hoftheater-Secretar Preser zu Kassel die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen der von Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich demselben verliehenen goldenen Medacke für Kunst und Wissenschaft, zu ertheilen.
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Das Haus am rothen Rain.
(Schluß.)
_ Aber mit jedem Tage sank ihr Muth und ihre Zuversicht, denn der David ließ sich nicht sehen und kein Wort von sich hören. Und je näher der Tag des öffentlichen Ausgebots rückte, desto trauriger und niedergeschlagener wurde die Wittwe. „So ist denn all' mein Seufzen und Ringen vergeblich gewesenI" sprach sie eines Abends zu ihren Kindern. „Ich muß mit Euch fort aus dem Hause, das ich bei all' den Schmerzen, die mich darin heimgesucht haben, in Ehren hielt und mir lieb und werth war Ohne Heimath und Obdach irrt Ihr nun»
""^ 2hr müßt die Hand segnen, die ein Stückchen Brod Euch reicht. Ich habe mir's mein Leb- tag blutsauer werden lassen und immer gedacht, Fleiß briggt Gewinn und Gottesfurcht bringt Segen." Da
• '1Ilte' E den Aufruhr ihres Herzens zu be- ""d nicht zu murren wider den, ohne dessen Willen kein Haar von unserm Haupte fällt. „Der aber, der uns retten kann," fuhr sie dann leiser fort, „läßt
uns verderben, sein Herz ist voll von Habsucht, Undankbarkeit und Härte."
„Mutter," tröstete dann der Bernhard, „stellt Euer Gemüth zufrieden; schenkt uns der liebe Gott Kraft und Gesundheit, so wird's und auch an der täglichen Nahrung nicht fehlen. Nimmt er's uns heute, so kann er's uns morgen wieder geben. Und Ihr habt mir doch oft gesagt: wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkett. Mit dem Borgedanved ist's auch noch nickt aller Tage Abend; wartet, ob ihm Gott seinen Uebcrfluß gesegnet, bei all' seinem Reichthum möchte ich doch nickt mit ihm tauschen."
So erschien denn der Morgen, den die Wittwe mit ihren Kindern als den letzten in ihrem Eigenthum begrüßen sollte. Mild und freundlich stieg die Sonne herauf, aber auf den Bewohnern des Hauses am rothen Rain lag's wie Nacht und Finsterniß. „Wo willst Du hin, Bernhard?" fragte die Mutter den Sohn, als dieser sich anschickre, fortzugehen und den Spaten auf die Schulter hob. „Ich will in's Feld, Mutter!» antwortete Bernhard und schritt mit kummervoller Miene über die Schwelle des Hauses.
Aber nicht um zu arbeiten, trieb es ihn heute hinaus, er wollte Abschied nehmen von dem Boden, dem er so oft seinen Ertrag abgewonnen hatte und der jetzt überging in die Hand eines Andern. Er wanderte von dem Acker zur Wiese und von der Wiese zum Triesch, aber in der weiten Gemarkung fühlte sich wohl keine Seele so verlassen und traurig, als er, er sollte ja heute eintreten in die Zahl der völlig Armen und Obdachlosen. Es schlug elf Uhr und vom Thurme läutete es zu Mittag. Er entblößte sein Haupt und betete mit Andacht ein Unser Vater. Und als er an die vierte Bitte kam, da hörten seine Thränen auf zu fließen und immer zufriedener wurde sein Herz bei den anderen Bitten, und laut und freudig konnte er mit einstimmen in den Beschluß. Und wunderbar, die Kraft des. Höchsten hatte schon geholfen, seine Herrlichkeit hatte sich an ihm und den ©einigen schon offenbart.
Einsam wie damals nach der schweren Krankheit saß die Wittwe des Drechslers in trübe Gedanken versunken in der Stube ihrer ärmlichen Wohnung. Da öffnete sich leise die Thür und der bekannte Stachelstock kündigte