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verlor seine Gewalt. Das Singe öffnete sich, aber noch blickte es wirr und starr und „Mörder I" war das erste Wort, welches der Unglückliche zwischen den Zähnen her- vorpreßte. " ■

„Ihr braucht Euch vor mir nicht zu fürchten, David!" endgeguete mit theilnehmender Stimme der Sohn des Drechslers, „ich bin hier, um Euch zu helfen."

„Wer ist's, der mit mir spricht?" lallte mit An­strengung der Jude und seine Augen thaten sich weiter auf, um die Gestalt zu erkennen, die in den weißen Hemdsärmeln neben ihm stand. „Haben nicht Zwei mich angesallen und geknebelt und mit einem eisernen Keil den Kopf zerschlagen?"

' „Wer ich bin," erwiederte der Jüngling, «das laßt Euch nicht bekümmern. Ich hörte einen ■ Menschen um Hülfe schreien, ich eilte herbei und fand Euch in Euerem Blüte schwimmen. Und hättet Ihr allein in dieser Nacht hser liegen müssen, wer weiß, ob sie nicht Euere letzte gewesen- wäre. Habt Ihr Euch erst ein wenig erholt, so bringe ich Euch bis zur nahen Schloßmühle; hier im Walde könnt Ihr nicht bleiben unv bis Rhina ist es noch weit, der Müller gibt Euch ein Nachtquartier und dann schickt schnell nach Langenschwarz zum Doctor, Ihr sinnt ihn ja, daß er kommt und nach Euch sieht."

Der Jude nickte bejahend. Aber o Gott, wie schwer wurde es ihm, von der Sielle zu kommen, wie Blei lag's ihm noch in allen Gliedern und er schwankte von einer Seite zur andern. Mit kräftiger Hand faßte ihn sein Bpgfeiter unter den Arm, stützte seine Schritte und schob mit dem Fuße jeden Anstoß aus dem Wege. So kamen sie eine Strecke Vorwärts, aber Seufzer über Seufzer stieß der Unglückliche aus. „Ich kann nicht mehr!" stöhnte er endlich mit schwacher Stimme, und seine Wunde fing wieder an zu bluten. «Das ist schlimm!" erwiederte der Jüngling; allein kann ich Euch hier nicht lassen; es könnte Euch was zustoßen, während ich hingehe und Hülfe schaffe I versucht es, und setzt Euch auf meinen Rücken, ich will Euch tragen bis zu dem Hause des Mül­lers!" Und die Samariterliebe gab ihm Riesenstärke, er hob den schweren Mann aus seine Schultern und trug ihn mit Vorsicht und Ausdauer bis zu der bezeichneten Stelle. „So, hier sind wir am Ziele!" sprach er er­freut und setzte seine schwere Bürde zur Erde nieder, in­dem er die hellen Schweißtropfen sich von der Stirne wischte. „Gott wird Euch weiter helfen!"

• Dem Juden öffnete sich das gastliche Dach des Müllers, und ehe er noch seinem Retter danken konnte, war dieser verschwunden. David hatte in seinen Schmer­zen und bei der zunehmenden Dunkelheit nicht erkannt, wer es gewesen, der ihm solchen Liebesdienst erwiesen; erst von' dem Müller erfuhr er den Namen dessen, der ihn aus der Hand des Todes errettet hatte. Froh der vollbrachten That, schritt der junge Dübel rüstig in die Nacht hinaus und nicht lange, so stand er vor der Thür ihres kleinen Hauses. „Gott, Junge, wie spät Du heim fommfH« trat ihm die Mutter mit dem düsteren Oel-

lichte entgegen;''„ich war schon in Sorgen um Dich, eS möchte Dich ein Unfall betroffen haben. Um 7 Uhr mußtest Du zurück sein, und jetzt ist es zehn!"

„Nun, wenn man einem Unglücklichen helfen kann, Mutter," versetzte der Jüngling, „so nimmt man's mit der Zeit nicht so scharf!" und nun erzählte er Alles ganz ausführlich und genau, was ihm auf dem Rückmarsch im Walde begegnet war. Mit sichtlicher Spannung hörte sie dem Sohne zu, und als er geendet, rief sie: „Ver­dient hat er's eigentlich nicht um uns, aber es ist recht, daß Du es gethan und nicht Böses mit Bösem vergolten hast!" Und dabei schlich sich die Hoffnung in ihr Herz, daß Borgedauvet doch noch einlenken und sich für die Hülse im Walde noch erkenntlich zeigen würde.

(.Schluß folgt.)

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Amtliche Bekanntmachungen.

Landrathsanu Hersfeld.

Außer dem Rindviehs des Conductors Schlabach zu Kirchheim ist noch eine Kuh des Herrn Regierungs- Assessors a. D. von Baumbach daselbst an Lungenseuche erkrankt, und sind die nöthigen SicherungS - Maßregeln angeordnet, was hierdurch mit dem Bemerken veröffent­licht wird, daß der Hos des von Baumbach'schen Gutes die. drei gesonderten Viehbestände des Conductors Schla­bach, des Regierungs-AssessorS a. D. von Baumbach und des von Baumbach'schen RentmeisterS Löweru Kirch­heim enthält.

Hersseld, am 31. Mai 1866.

Kurfürstliches Landrathsamt. A ü f farth.

Andreas Wald Wittwe von Lengcrs hat für sich und ihre Tochter Sabine um Ertheilung eines Reise­passes nach Amerika gebeten.

HerSseld, am 1. Juni 1866.

Kurfürstliches Landrathsamt. Auffarth. _

Anna Elisabeth Nies von Hilmes hat um Erthei­lung eines Reisepasses nach Amerika gebeten.

Hersseld, am 1. Juni 1866.

Kurfürstl. Landrathsamt. Auffarth.

Laudraliiöamt Hünfeld.

Am 25. d. Mts. Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr wurde dem Bürgermeister Wiegand zu Soisdorf ein Stück | breites Leinen von 14 Ellen aus seinem Garten gestohlen und fällt Verdacht auf zwei unbekannte Bursche, anscheinend im Alter von 18—20 Jahren, welche an jenem Tage in Soisdorf und Umgegend sich bettelnd umher getrieben und angegeben haben, daß sie in der Gegend von Cassel zu Hause seien, in Frankfurt in einer Cigarrenfabrik gearbeitet hätten, wegen der gegenwärtigen Kriegsverhältnisse aber entlassen worden seien.

Die Kleidung derselben bestand in grauen Joppen