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5 e r s f c f h e r Anzeiger.

^E 44. Hersfeld., den 2. Juni. 1866»

DerHersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. '

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Oberst Treusch von Buttlar, a lasuite des 3. Infanterie - Regiments (Prinz Friedrich Wil­helm von Hessen) und mit der Führung der ersten Infanterie-Brigade beauftragt, zum Generalmajor und Kommandeur dieser Brigade zu ernennen,

dem Obergerichts-Director Pfeiffer das Kom- [ mandeurkreuz zweiter Klasse des Kurfürstlichen Wil- ordens zu verleihen.

Das Haus am rothen Rain.

(Fortsetzung.)

Der Bernhard war von den Soldaten los und wie- der daheim bei der Mutter. Wacker und mit frischer Hoffnung schaffte er in der Werkstätte des Vaters und es verging selten ein Morgen oder Abend, an dem man ihn nicht an der Drechselbank sah. Doch die Noth war zu groß, um nach kurzer Zeit die gemachten Schulden wieder zu tilgen. Zwar sorgten Mutter und Sohn mit redlichem Eifer für die fällig 'werdenden Zinsen, aber das gekündigte Kapital herbeischaffen, dazu waren sie trotz der allergrößten Einschränkung und Entsagung nicht im Stande. ' Weder Bitten, noch Thränen, noch die heilig­sten Versprechungen halten die Herzen derer erweicht, die helfen konnten. Ihr Schicksal lag in der Hand des Ju­den und der ging nun einmal von seinem harten und starren Sinn nicht ab.

Eines Abends kehrte der Sohn der Wittwe von ei­nem benachbarten Dorfe zurück, in welchem er ein neues Spinnrad, das man ihm in Bestellung gegeben, abgelic- fect hatte. Sauber und untadelig war die Arbeit, und darum zahlte man ihm auch willig und ohne Zögern den verlangten Preis. Den Verdienst in der Tasche, schritt er zufriedenen Herzens der Heimath zu; noch eine kleine Strecke, und er trat aus dem Wald heraus, der die An­höhe, über die sein Weg führte, mit dichtem Schatten bedeckte. Noch war völlige Dunkelheit nicht eingetreten und das Auge konnte die Gegenstände umher noch von einander unterscheiden. Schon mehrmals war es ihm vorgekommen, als ob drüben unter den dicken Buchen

ein Mensch um Hülfe rief. Er stand still und horste und ein lauter, herzdurchdringender Schrei durchzittexfe die Luft, dem schnell ein Schlag nachfolgte, wie wenn ein schwerer Körper zu Boden fiel. Dann aber war es still und nur das gefallene Laub raschelte zwischen den Bäumen, als ob rasche Fußtritte es bewegten. In dem Angenblicke kannte er keine Furcht.Ich muß züsehen, was da vorgehtl sprach er mit Hast zu sich selbst;viel­leicht steht ein Menschenleben auf dem Spiel und ich kann nicht theilnahmlos vorübergehen!»

Er faßte seinen Stock fester in die Hand und schritt beherzt der Gegend zu, von wo der Ruf erschollen war. Und in der That, er hatte sich nicht getäuscht. Auf der andern Seite des Waldes lag nicht weit von der Stelle, wo der Fußpfad in das Gehölz einbog, unter einer gro­ßen Buche der Körper eines Menschen ausgestreckt. AuS einer klaffenden Kopfwunde,quoll das Blut, wie ein hel­ler Strom und alles Leben schien aus dem Unglückliche» entflohen zu sein. Und wer war's, der hier fern von menschlicher Hülfe vielleicht seinen letzten Athemzug that? Borgedauvet, der Widersacher und Dränger seiner Mutter. Entsetzt fuhr der jungt Handwerker zurück und über sein Gesicht zog's wie ein dunkler Schatten. Doch nur einen Augenblick und seine Mienen wurden wieder licht und mild, er sah in dem schwer Getroffenen nur den Hülfio- sen und Elenden, der einzig an seine helfende Liebe ge­wiesen war.Zwar hast Du kein Erbarmen gegen uns gekannt/!. stieß er kaum hörbar hervor, «und willst von Haus und Hof uns treiben, aber vielleicht ist, noch Leben in Dir, und so ich's vermag, will ich Dich retten!"

Mit diesen Worten sprang er zu dem in der Nähe rieselnden Bache, schöpfte von dem hellen, klaren Wasser in seine Mütze und war in wenigen Minuten zurück. Ungesäumt wusch er dem Verletzten das Blut aus der Wunde, lösete das sestgcknebelte Halstuch ihm auf, legte es als Verband um seine Stirn und besprengte ihm Schläfe und Gesicht mit der kühlenden Fluth. Dann zog er seine Jacke aus und schob sie dem Verwundeten unter den Kopfl, daß er weich und sicherer ruhe. Und wie groß war die Freude seines Herzens, als er seine Anstrengung mit Erfolg gekrönt sah. Ein tiefer Seufzer hob die Brust des Juden. Die Betäubung ließ allmälig nach und der Kampf, der die Glieder gefesselt hielt.