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Ü e r s f e s Ö e r Anzeigers

^ 43. Hersfeld, den 30. Mai. 1866.

DerHersfelder Anzeiger" erschein wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 5S7) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Forstaufseher Adolph Göbels zu Wolsgang zum Revierförster des Forstreviers Wannsried, mit dem Wohnsitze in Aue, und

den Accessisten bei der Forstinspcction Rotenburg, Hermann Wilhelm August Walther, zum Revier­förster des Forstreviers Oberelleubach, mit dem Wohn­sitze in Rotenburg,

beide provisorisch zu ernennen;

den Staatsrath Carl Pfeiffer zum Director deS ObergerichtS in Fulda zu bestellen;

dem zu der erledigten Bicariatspfarrei Schachten in der Klasse Grebenstei», präsenlirten zweiten Pfar­rer zu Grebenstein, Christian Kuierim, die aller­höchste Bestätigung zu ertheilen,

den Pfarrer Carl Schäfer zu Eiterhagen emeritiiren,

den Amtswundarzt Koch zu Schlächtern von der Versetzung der Stelle eines Amlswnubarztes für das Justizamt Steinau aus sein allerunterthäuigstes Nach­suchen zu entbinden und

dem Dr. med. Gottfried Krause aus Cassel die Praxis als Arzt, Wundarzt Ir Klasse und Geburts­helfer, mit dem Wohnorte Cassel zu gestatten.

Das Haus am rothen Rain.

(Fortsetzung.)

Der Tag nahte beran, an welchem Bernhard das elterliche Haus verlassen^und in der ihm als Garnisons­ort angewiesenen, acht Stunden von seiner Heimath ent­fernten Stadt Fa erscheinen mußte. Die Mutter zeigte gefaßt und zufrieden. Sie hatte ihm für ein Paar «gjitpe, drei neue Hemden und zwei Paar leinene Hosen gesorgt.Hier nimm," sprach sie mit liebevoller, vor innerer Rührung zitternder Stimme zu ihm,es ist Al- les, was ich Dir geben kann. Halte Dich recht und chue keinem Menschen etwas zu Leide; gehorche dem, der Dir zu befehlen hat, und sei pünktlich in Deinem Dienst.

^^ ^ schrecklich, daß ich so was sagen muß," «nd dabei schluchzte sie laut und bitterlich,Deinem Va­

ter nicht nach und," rief sie noch hinter ihm her,ver­giß unsern Herrgott nicht.

Es war ein strenger Winter, der die Noth, die in dem Hause am rothen Raine herrschte, auf's Höchste stei­gerte. Keine Kartoffel, kein Stückchen Brod war mehr vorhanden, es fehlte an Allem, die Blöße zu decken und den Hunger zu stillen, nicht einmal an einem ordentlichen Feuer konnten die Glieder sich wärmen. Dazu lag der Drechsler hoffnungslos darnieder und seit Wochen schon wartete man auf sein Ende. Mitleidige Nachbarn such­ten zwar durch öftere Gaben die Noth zu lindern, allein diese Spenden reichten nicht aus, dem Elende zu wehren, es war, als wenn man einen Stein in die Tiese wirft.

Da kam endlich das letzte Stündlein für den mit dem Tode Ringenden und erlösete ihn von seinen Qua­len. Wer aber wollte es der armen Margreth verargen, wenn sich ihre Brust an seinem Gr^be erleichtert hob. Die Liebe war schon lange in ihrem Herzen erkaltet, denn wie kann da Liebe sein, wo die Achtung fehlt: nur Mit­leiden und unendliche Geduld hatte sie bis daher mit dem gehabt, der ihr Gatte war, und mit Inbrunst flehte sie jetzt zu Gott, daß er ihm ein barmherziger und gnä­diger Richter sein möge. Der seine Kraft vor der Zeit verzehrt und ihr Gnt mit Prassen umgeb rächt hatte, war nicht mehr; wie Bleigewicht fiel's von ihren Füßen; konnte sie sich doch nun der Hoffnung getrösten, daß sie mit ihren Kmdern sich durchschleppen würde.

Um aber einen ordentlichen Anfang zu haben, mußte der Jude wieder in's Mittel treten. Die Schuld stieg zu der Höhe von zweihundert Thalern. Der Handschein wurde vernichtet und vor Amt eine Obligation errichtet, in welcher die Wittwe Haus, Hof und Land dem David verschrieb. Nun wußte sie, daß sie völlig in die Hand ihres Gläubigers gegeben war, daß keine Ziegel auf dem Dache mehr ihr gehörte. Das wußte auch der Jude und darum rieb er sich, als die Verschreibung ausgenom­men war, innerlich vergnügt die Hände und blies aus dem hölzernen Maserkopf die Tabakswolken stärker vor sich hin, indem er sagte:So, nun ist der Bettel mein, und wenn die Dübel'sche nicht, wie ausgemacht ist, von jedem Vierteljehr die Zinsen auf den Tag bezahlt, so wird die Sache verkauft. Nicht eine Stunde länger gebe ich Dilation; das hieß' bei diesen Leuten nur Wasser in