Ü e r s f e s Ö e r Anzeigers
^ 43. Hersfeld, den 30. Mai. 1866.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den Forstaufseher Adolph Göbels zu Wolsgang zum Revierförster des Forstreviers Wannsried, mit dem Wohnsitze in Aue, und
den Accessisten bei der Forstinspcction Rotenburg, Hermann Wilhelm August Walther, zum Revierförster des Forstreviers Oberelleubach, mit dem Wohnsitze in Rotenburg,
beide provisorisch zu ernennen;
den Staatsrath Carl Pfeiffer zum Director deS ObergerichtS in Fulda zu bestellen;
dem zu der erledigten Bicariatspfarrei Schachten in der Klasse Grebenstei», präsenlirten zweiten Pfarrer zu Grebenstein, Christian Kuierim, die allerhöchste Bestätigung zu ertheilen,
den Pfarrer Carl Schäfer zu Eiterhagen emeritiiren,
den Amtswundarzt Koch zu Schlächtern von der Versetzung der Stelle eines Amlswnubarztes für das Justizamt Steinau aus sein allerunterthäuigstes Nachsuchen zu entbinden und
dem Dr. med. Gottfried Krause aus Cassel die Praxis als Arzt, Wundarzt Ir Klasse und Geburtshelfer, mit dem Wohnorte Cassel zu gestatten.
Das Haus am rothen Rain.
(Fortsetzung.)
Der Tag nahte beran, an welchem Bernhard das elterliche Haus verlassen^und in der ihm als Garnisonsort angewiesenen, acht Stunden von seiner Heimath entfernten Stadt F—a erscheinen mußte. Die Mutter zeigte gefaßt und zufrieden. Sie hatte ihm für ein Paar «gjitpe, drei neue Hemden und zwei Paar leinene Hosen gesorgt. „Hier nimm," sprach sie mit liebevoller, vor innerer Rührung zitternder Stimme zu ihm, „es ist Al- les, was ich Dir geben kann. Halte Dich recht und chue keinem Menschen etwas zu Leide; gehorche dem, der Dir zu befehlen hat, und sei pünktlich in Deinem Dienst.
^^ ^ schrecklich, daß ich so was sagen muß," «nd dabei schluchzte sie laut und bitterlich, „Deinem Va
ter nicht nach und," rief sie noch hinter ihm her, „vergiß unsern Herrgott nicht.
Es war ein strenger Winter, der die Noth, die in dem Hause am rothen Raine herrschte, auf's Höchste steigerte. Keine Kartoffel, kein Stückchen Brod war mehr vorhanden, es fehlte an Allem, die Blöße zu decken und den Hunger zu stillen, nicht einmal an einem ordentlichen Feuer konnten die Glieder sich wärmen. Dazu lag der Drechsler hoffnungslos darnieder und seit Wochen schon wartete man auf sein Ende. Mitleidige Nachbarn suchten zwar durch öftere Gaben die Noth zu lindern, allein diese Spenden reichten nicht aus, dem Elende zu wehren, es war, als wenn man einen Stein in die Tiese wirft.
Da kam endlich das letzte Stündlein für den mit dem Tode Ringenden und erlösete ihn von seinen Qualen. Wer aber wollte es der armen Margreth verargen, wenn sich ihre Brust an seinem Gr^be erleichtert hob. Die Liebe war schon lange in ihrem Herzen erkaltet, denn wie kann da Liebe sein, wo die Achtung fehlt: nur Mitleiden und unendliche Geduld hatte sie bis daher mit dem gehabt, der ihr Gatte war, und mit Inbrunst flehte sie jetzt zu Gott, daß er ihm ein barmherziger und gnädiger Richter sein möge. Der seine Kraft vor der Zeit verzehrt und ihr Gnt mit Prassen umgeb rächt hatte, war nicht mehr; wie Bleigewicht fiel's von ihren Füßen; konnte sie sich doch nun der Hoffnung getrösten, daß sie mit ihren Kmdern sich durchschleppen würde.
Um aber einen ordentlichen Anfang zu haben, mußte der Jude wieder in's Mittel treten. Die Schuld stieg zu der Höhe von zweihundert Thalern. Der Handschein wurde vernichtet und vor Amt eine Obligation errichtet, in welcher die Wittwe Haus, Hof und Land dem David verschrieb. Nun wußte sie, daß sie völlig in die Hand ihres Gläubigers gegeben war, daß keine Ziegel auf dem Dache mehr ihr gehörte. Das wußte auch der Jude und darum rieb er sich, als die Verschreibung ausgenommen war, innerlich vergnügt die Hände und blies aus dem hölzernen Maserkopf die Tabakswolken stärker vor sich hin, indem er sagte: „So, nun ist der Bettel mein, und wenn die Dübel'sche nicht, wie ausgemacht ist, von jedem Vierteljehr die Zinsen auf den Tag bezahlt, so wird die Sache verkauft. Nicht eine Stunde länger gebe ich Dilation; das hieß' bei diesen Leuten nur Wasser in