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5 e r s f c s h e r Knzeiger.

jy 42. Hersfeld, den 26. Mai. 1866»

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bet der Expedition (Weunuuft Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

dem Legarionssecretär von der Malsburg in Berlm die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dem Könige der Belgier demselben verliehenen Offizierkreuzes des Leopoldsordens zu ertheilen.

DaS Haus am rothen Rain.

(Fortsetzung.)

Zwei Jahre sind seitdem verflossen und die Frau des Drechslers ist wieder rüstig und kräftig, sie hautbiert wieder vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, hält Alles sauber und in Ordnung, und ihr Aeltester, der bald 16 Jahre alt ward, steht ihr in der Wirthschaft treu zur Seite. Das Geld aber hatte der Jude noch nicht zurück und das nagte ihr wie ein 98urm am Her­zen. Ja, hatte der Mann überall tüchtig mit angegriffen und daS Seinige, wie es einem Hausvater zukommt, zu Rathe gehalten, wäre er in Wahrheit des Hauses und des Weibes Haupt gewesen und hätte er sich abgewendet von seinem liederlichen Wesen, und sich von seiner Frau nicht noch seine Trinkschulden bezahlen lassen, dann wäre es auch der vereinten Kraft gelungen, die Schuld nach und nach abzutragen und noch einen Nothpfennig zurück- zulegen, für schlimme Tage. In diesem Jahre aber, so hoffte sie, sollte der David sein Geld wieder haben; ihre Aeckcr versprachen den reichsten Ertrag, da konnte Korn und Weizen, auch ein Rind und ein Schwein verkauft werden, sie kam aus den Händen des Juden heraus und konnte nun wieder mit leichterem Herzen schaffen und sorgen für die Nothdurft der Ihrigen. Allein der Mensch denkt und Gott lenkt; seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Er ließ den Blitz daherfahren und den Don-

Een, seine Hand schleuderte den Hagel und führte Die, Wasser von den Bergen und der Acker ward zur Wüste und das Lachen zum Weinen und die Freude zur Traurigkeit. Auch die Frau des Drechslers stand mit tiefem Weh^im Herzen und schaute nassen Auges hin aus das zerstörte Feld und die zerschlagene Frucht, sie planierte und rang die Hände, doch bald wurde ihre

Seele wieder still, sie erfaßte den Trost des Wortes: Er kann schlagen und kann heilen, Er kann tödten und wieder lebendig machen.

Das Jahr 1834, das sich als ein Jahr der schön­sten Hoffnungen erwies, war für Margrets, zu einem rechten Trauerjahr geworden. Statt daß die Schuld ge­tilgt worden wäre, so stieg sie noch um das Doppelte. Borgedauvet mußte wieder Geld vorstrecken und sie mußte wieder einen Handschein schreiben und diesmal über Hun­dert. Denn wer dachte damals am rothen Rain an Sicherstellung seines Feldes gegen Hagelschlag, oder sei­nes Viehes gegen Seuche. Ist es doch auch heut' noch so, daß einer seinen Viehstand und seine ganze Ernte lieber in Gesahr läßt, als daß er einen Kreuzer ausgibt, um sich gegen Verlust und Schaden zu wahren.

Maiiche Menschen, sagt man, sind nur zum Unglück geboren und nichts anderes als Kreuzträger in diesem Leben. Freilich, wenn die Leiden nur dazu da waren, um uns wehe zu thun und zu schrecken, und nicht viel­mehr, daß wir durch sie zu einstiger Herrlichkeit hindurch dringen sollten, dann allerdings wären die vom Mißge­schick beimgesuchten die elendesten Menschen. Die Frau des Dübel war eine rechte Kreuzträgerin. Ihr Sohn wuchs frisch und kräftig heran und war ein blühender, stattlicher Bursche geworden. Unverdrossen hatte er ihr bis daher beigestanden und alles Leid, das sie betroffen, mit einem Herzen voll Liebe und Anhänglichkeit mit ihr getheilt. Und nun, nachdem die Freude an ihm die frü­heren Wunden kaum geschlossen hatte, sollte sie vielleicht auf Jahre ihn verlieren und seiner Hülse entbehren, denn die Zeit der Ausnahme sRekruten-Aushebung) kam herbei und mit Angst und Zittern sah sie dem Tag entgegen, der ihren Bernhard unter die Soldaten führen sollte. Unter Seufzen und Thränen stellte sie vor, daß der Sohn ihre alleinige Stütze und ihr bei der Bewirthschaftung ihres kleinen BesitzthumS unentbehrlich sei. Wie sie Leute wären, seien hundert Thaler schon eine große Schuld, und müßte sie alles allein auf ihre Schultern nehmen, so würden sie noch tiefer herunterkommen und noch mehr verarmen. Man möge ihr daher, da sie mit den beiten Mädchen noch nichts Rechtes anfangen könnte, doch den einzigen Sohn zu ihrem Beistand lassen, .cilein ihre Bitte fand kein Gehör. Am Tage der Ziehung wurde