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Hersfelder Anzeiger.

jy 39. Hersfeld, den 16. Mai. 1866.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7i Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Auscultanten bei der Forstinspection Habichts­waid, Forstjunker Carl Ludwig von Marsch all, zum Revierförster des Forstreviers Brotterode provi­sorisch zu ernennen;

den Obergerichtsassessor Eduard Köhler in Caffel zum Obergerichtsrathe bei dem Obergerichte daselbst u.

den Rechtspraktikanten Emil Dellevie von Hers- seld zum Aktuar bei dem Justizamte in Fritzlar,

letzteren provisorisch, zu bestellen;

die erledigte Pfarrei Kirchditmold, in der Klasse Wilhelmshöhe, dem Pfarrer Hermann Fürchtegott Schirm er zu Weimar zu übertragen,

dem zu der erledigten Pfarrei Schwarzenborn, in der Klasse Neukircheu, präsentirten außerordentlichen Pfarrer Konrad Heinrich Faulhab er aus Marburg die allerhöchste Bestätigung zu ertheilen,

den Gymnasialpraktikanten Vr. Carl Uth in Fulda zum Hülfslehrer an dem Gymnasium daselbst und

dcnDomkaplau Franz Joseph Nick zu Fulda zum dritten ordentlichen Lehrer an dem SchnUehrer-Se- minar daselbst, beide provisorisch, sowie

denHutfabrikauten Eduard Rößler, den Teppich- fabrikanten Leiß ler, den Rentner Christian Weiß­haupt und die Bijouteriefabrikanten Heiur. Deines und Heinrich Geisel, sämmtlich zu Hanan, zu Eh­renmitgliedern der Zeichen-Akademie zu Hanau zu ernennen und

den Regierung?-Secretar Philipp Möller dort­selbst auf sein allerunterthänigsteS Nachsuchen auS dem Staatsdienste zu entlassen.

DaS Haus am rothen Rain.

(Fortsetzung.)

Die kranke Margreth stand wieder auf, aber du lie- ' ll)le ^^'^ um ihr Hauswesen aus. Töpfe und Schnptlu waren leer, die jüngsten Kinder völlig ab« gerrssen, kein Groschen Geld im Haus und die beste Kuh verwal)rlo>r und krank. Das freilich gab der noch Ichwachen Frau keinen Muth und keine Kraft. Nach et­

lichen Tagen schleifte man die Kuh auf den Schindanger, die Kinder mußten Schuhe und Strümpfe, sie selbst ei­nen warmen Rock haben, und Doctor und Apotheker mußten bezahlt werden. Und woher das Geld dazu neh­men? An ihrem Manne hatte sie keinen Trost, statt daß ihm die Augen aufgegangen, fielen sie ihm immer mehr vor Schnaps und Müdigkeit zu, er guckte immer tiefer in's Bier- und Branntweinsglas. Da saß nun die Arme bleich und abgezehrt; Niemand war zu Hause, unendlicher Jammer füllte ihre Seele, mit beiden Händen bedeckte sie sich ihr Gesicht und weinte bitterlich.

Nun Dübel'sche," sprach es auf einmal hinter ihr, seid Ihr noch nicht besser? Ich hab' gehört, Ihr hätt' lange gelegen."

Rasch wandle die Frau, noch die Thränen im Auge, sich um, und vor ihr stand Borgedauvct mit der Pfeife . im Mund und dem Stachelstock in der Hand.Was kümmert's Euch, David," sprach sie mit fast, bitterem Tone,daß ich krank bin. Wollt Ihr mir helfen?"

Warum nicht?" entgegnete der Jude und durch­musterte mit stechendem Auge'die ärmliche Stube. Sagt, wo'S fehlt, und was Ihr nöthig habt."

Die Frau erkannte, daß ihre Lage ohne wirksame Hülfe immer trostloser wurde, sie faßte sich daher kurz und sagte:Ich brauche Wollentuch und Geld!"

Das kann ich Euch schaffen!" nickte David.Ich habe beides bei mir," und schlug auf seinen Ranzen.

Er maß zehn Ellen ab und forderte dafür einen doppelt so hohen Preis, als das Tuch werth war; dann laugte er in feinen Ranzen und zählte dreißig blanke Thaler auf den Tisch.So, hier ist das Tuch und das Geld," fuhr er fort,und nun schreibt mir einen Hand- schein über fünfzig Thaler!"

David, Ihr seid nicht gescheht!" wandte sich ent­setzt die Frau zurück.Fünfzig Thaler! Das ist ja, und wenn ich auch das Tuch rechne, noch immer Fünf­zehn mehr, als ihr mir wirklich gebt!"

Nun, etwas muß man verdienen," sagte gelassen der Jude, und machte Miene, das Geld wieder einzu- streichen.

«Laßt! Ich unterschreibe!" rief mit zitternder Stimme das Weib und dabei legte sich eine leichte Röthe aus ihre blassen Wangen.