Her5selber Anzeiger.
J^ 37 Hersfeld, den 9. Mai. 18««.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben Bei bet Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
dem Gebeime'Regierungsratb Sunkel zu Hanau das Directorium des dasigen Konsistoriums als Nebenstelle zu übertragen;
die erledigte Pfarrei Heinebach, in der Klasse Spangenberg, dem Pfarrer Ernst Pfaff zu Quentel, die erledigte erste evangelische Pfarrstelle zu Bocken- heim, in der Klasse gleichen Namens, dem zweiten evangelischen Pfarrer daselbst, Friedrich Koch, und
die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Rübigheim, in der Klasse Winkecken, dem Pfarrer Wilhelm Dettlcr zu Oberkalbach, sowie
die erledigte Rektorstelle zu Witzenhausen dem außer- ordentlichen' Pfarrer Carl Schmidtmann aus Rauschenberg zu. übertragen, ferner
den außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Landesuniversität Marburg, Dr. Franz Melde, zum ordentlichen Professor der Physik und Astronomie,
den dermaligen zweiten.Repetenten an der Stipendiaten - Anstalt zu Marburg, außerordentlichen Professor Lic. theol. Rudolph Grau, nunmehr zum ersten und
den Gymnasial-Praclicanten Theodor Groß zu Kassel zum zweiten Repetenten an derselben zu ernennen,
die erledigte Stelle eines Secretars bei der Direc- tion der Landescreditkasse dem Polizeisecretar Lothar Gau zu Kassel zu übertragen,
den Baneleveu Angust Sunkel zu Fulda zum Baucommissar für den Kreis Hanau provisorisch zu ernennen, sowie
den Verwalter des Zwangsarbeitshauses in Ziegen- Hain, Heinrich Stecher, zum Jnspectvr bei demselben zu ernennen.
Das Haus «ta rothen Rain.
(Fortsetzung.)
So sehen wir David auch jetzt auf dem We^e nach Hersfeld an der Seite des Klosterschülers, mit dem er
unterwegs zusammengekroffen war und in seiner redseligen Weise alsbald ein Gespräch angeknüpft hatte.
„Nun, Musje Reeden", trat er zu dem Student den er kannte und bei dessen Eltern er oft ein- und aus ging, „sind Sie auch mal wieder daheim bei Vater und Mutter gewesen? Ach, die gute Mutter freut sich allemal gar gewaltig, wenn sie ihr Söhnchen bei sich hat und es an ihrem Tische sich satt essen kann!"
„Ja, ich war zu Hause, DaUved", entgegnele der Angeredete, „aber nicht des Essens wegen, denn das habe ich in Hersfeld auch, ich wollte mir mal den Schaden anseben, den das Gewitter am vorigen Sonntag in der 'Feldflur von Niederaula angerichtet hat".
„Ja, das war ein schlimmes Wetter," redete der Jude weiter. „Auch bei uns hat Mancher nicht viel inebt im Feld, und was haben die Leute eine Angst ausgestanden! Wie's'den allmächtigen Donnerschlag that, lag meine Hanne gleich unter dem Tisch, ich meint', die ganze Welt ging unter und Rhina damit."
„Aber so fürchterlich, wie in meiner Heimatb," erwiederte der Schüler, „ist es doch wohl nirgends gewesen, da ist alle Aussicht aus eine Ernte dahin, und was sollen nun die vielen Beschädigten, die einen so harten Verlust nicht verschmerzen können, in ihrer Noth anfangen?"
„Ja, das ist wahr!" fiel David ein. „Ich hab's gesehen, bei ihnen ist alles verhagelt, alles zerschmissen. Die armen Leute sind zu bedauern, und ich werde wieder viele Auslagen haben, es wird mich wieder viel Geld kosten!" _ , „.
„Wie so?" fragte erstaunt der Schüler. „Wie kanu'S Euch Geld kosten?"
„Das will ich Ihnen sagen, Musje Reeden," deutete der Jude mit der Hand. „Der Eine hat kein Korn zur Aussaat, der Andere keinen Weizen, bei dem Dritten sehlt's an Kartoffeln, an Lein, genug an Allem, und da heißt's dann, Dauvet, rück' raus, du mußt helfen! Nun, ich helfe gern, wo ich kann; will ich aber mein Geld wieder haben, wie heißt es dann? Dann heißt's, Dauvet, du mußt warten. Und wenn dann zuletzt das Amt dahinter muß, damit ich wieder zu dem Meimgen komm, so givt's eine Menge Kosten, und wer muß sie tragen. Ich muß sie tragen."