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5ersscfÖcr Anzeiger.

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Hersfeld, den 2. Mai.

18««.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7i Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschla^- hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Spuk auf -er Schweuzbrücke.

(Fortsetzung und Schluß.)

Trotzdem daß ich den Rappen mit Schenkel und Zügel nicht einen Augenblick außer Acht gelassen hatte, wäre ich doch fast aus dem Sattel gestürzt, denn der Sprung des Thieres war convulsivilch. Das Pferd drängte unaufhörlich seitwärts und zurück, mochte ich es auch mit Sporen und Zügel bearbeiten, so viel ich wollte. Und um das Unheimliche zu erhöhen, bemerkte ich mit staunender Bewunderung, wie auch mein Nero eben so unverkennbare, als unbegreifliche Zeichen von Furcht blicken ließ. Der sonst so brave, kühne Hund bot ein jämmerliches Bild. Er drängte sich winselnd zwischen die Beine des Pferdes und schaute ängstlich zu mir auf. Meinen Zuruf beantmoitete ein kurzes dumpfes Heulen.

Jetzt war mir die Sache denn doch außer allem Spaße. Mein Auge schaute scharf aus, aber nirgend erblickte ich irgend einen Gegenstand, welcher den Schreck meiner Thiere gerechtfertigt hätte. Ich wendete den Rap­pen, ritt in scharfem Trabe den Weg zurück und machte nach einigen hundert Schritten wieder Halt. Mein Ent­schluß war, in voller Carriere die unheimliche Stelle zu passiren, um dadurch die Aufmerksamkeit des dahinflie« genden Pferdes von dem Gegenstände seines Scheuwer- deus abzulenken. Aber auch dieses Manöver mißlang. Einen Steinwurf vor der Brücke stand der Rappe wieder auf den Hinterfüßen, brauste und schäumte und drehte sich im Kreise. Es war mir nicht möglich, ihn vorwärts zu bringen. Das Pferd zitterte am ganzen Leibe und dampfte von Schweiß, und der feige Schurke Nero kroch auf dem Bauche, wie ein geprügelter Neger und winselte.

Es sei offen gestanden meine Festigkeit begann etwas zu wanken. Ueber meinen 9i liefen herab fühlte t® ein kaltes Rieseln und mein Auge blickte scheu nach der unheimlichen Brücke. Da war es mir plötzlich, als sahe ich unfern eine lange, hagere Menschengestalt mit -evamS und weißem Kragen angethan, starr und unbe­weglich mit Augen, die in phosphorartigem Glänze aus einem erdfahlen, bärtigen Antlitz hervor leuchteten. Im

^er Tasche gezogen und der Qchuß krachte. Als ich mein tobendes Pferd soweit be­

ruhigt hatte, daß ich nach der Wirkung deS Schusses ausspähen konnte, erblickte ich nur die unbelebte Schnee­fläche, Alles öde und still.

Ueber die Brücke mußte ick, b^u verpflichtete mich mein Ehrenwort, aber mit dem Pferde kam ich nicht hinüber, das war mir klar. Ich ritt also wieder eine kurze Strecke zurück, trieb den Rappen seitwärts von der Straße nach der offenen Geste, wie hier dasWiesen- land heißt, und ritt etwa hundert Schritte unterhalb der Brücke durch die ziemlich seichte Schwenz. Oberhalb der unheimlichen Brücke lenkte ich wieder nach der Straße. Hier stieg ich ab, löste die Nothhalfter, ohne welche ich nie ein Pferd besteige, machte es damit an einem Baume fest, und begab mich in Begleitung des hinter mir her« schleichenden Hundes auf den Rückweg.

Wenn man den Aberglauben einen Fehler derjeni­gen Menschen nennen kann, welche ihre Vernunft unge- prüften Erscheinungen und Thatsachen unterwerfen, so kann ich mir das Zeugniß geben, dies an mir nicht ver­schuldet zu haben. Mein Herz pochte allerdings etwas lebhafter wie gewöhnlich, aber mein Auge spähte scharf nach allen Richtungen und fest hielt die Hand das ge­spannte zweite Pistol. So erreichte ich die Brun^jAd man lache nicht eS war mir als wenn langsank'- eine schwere Last auf meinen Rücken niedcrsänke. Aber nur einen Augenblick währte diese Selbsttäuschung. Ich schüttelte mich und ging langsam über die Brücke und einhundertundfünfzig Schritte auf der Straße bis zu der Stelle am Ufer des Sees, wo Kalbntz den Schäfer er­schlug. Denselben Weg ging ich wieder zurück bis zu meinem Pferde, das ruhig am Baume stand. £Rit einer Art von stolzem Selbstgefühl schwang ich mich in den Sattel und pfeilschnell trabte der Rappe über die Schnee­fläche, durch seine Hufschläge die erste Bahn aufderse.ben zeichnend. Als ich an Willes Breite kam, sah ich am Rande der Pflanzung eine schwebende Gestalt, die mensch­liche Formen annahm und mit beiden Armen einen Stock auf dem Rücken zu halten schien. Ich hatte jedoch die Geisterhetze satt, und wenn es wirklich der selige Brauer Wille war, der in jener kalten Schneenacht seine ihm bei Lebzeiten gehörige Obstpflanzung infpicirte, so hoffe ich, er wird mir mein Vorubereilen nicht übel genommen haben, zumal da ich noch heute im Zweifel bin, ob die