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jj e r s f e s h e r Knzeiger.

JV 34. Hersfeld, den 28. April. 1866.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Dsx Spuk auf Her Schwenzbrücke.

(Fortsetzung.)

Nur keine Vermessenheit", brummte der alte Ober­förster.Ich bin gewiß nicht abergläubisch, aber mit Spukgeistern und ähnlichen Geschöpfen muß man keinen Scherz und Spott treiben. Mich soll der Teufel bei le­bendigem Leibe holen, wenn mich heute zwischen elf und zwölf'noch Jemand über die Schwenzbrücke bringt!"

Ich nehme die Wette an, Doctor, aber nur unter einer Bedingung!" rief ich.

Bravo, Bravo! Welche Bedingung?" jubelte die ganze Gesellschaft.

Zunächst verlange ich von jedem Einzelnen der hier anwesenden Herren das Ehrenwort, weder selbst noch durch Helfershelfer an besagter Brücke, um mich zu er- erschrecken, irgend eine Komödie aufzuführen!" sagte ich.

Zugcstauden! Zugcstauden!"

Ich verlange dieses Zugestäudniß nur im Interesse Anderer", fuhr ich fort.Der Herr General wird die Güte haben, mir seine Pistolen zu leihen nicht so, Herr General?" *

Ganz gewiß! Johann, hole das rothe Pistolcu- kästcheu sammt Munition!" rief der General dem servi- renden Diener zu.

Diese Pistolen lade ich eigenhändig mit Kugeln und verpflichte mich gleichfalls auf mein Ehrenwort, heute Nacht zwischen elf und zwölf Uhr die Schwenzbrücke, über welche der Weg nach Wusterhausen führt, zu passiren. Ich gebe aber zugleich auch mein Ehrenwort, daß ich auf Alles, was mir feindlich in den Weg tritt, sei es Geist, Mensch oder Thier, die Pistolen abseuern werde!"

Alles in der schönsten Ordnung!" bemerkte der Hauptmann von Spundhebcc.Wenn der Assessor ge­winnt, gebe ich auch ein Dutzend Flaschen Cliquot, und wenn er den Kalbutz fängt oder gar todtschießt, das Doppelte."

Der junge Doctor manövrirte äußerst geschickt. Er brächte das Gespräch wiederholt auf die Verbindung der Geisterwelt mit dem Diesseits und wußte eine Menge Beispiele anzuführen, die den alten Oberförster, nach sei­ner eigenen Versicherung, mit Gänsehaut überzogen, und

offenbar darauf berechnet waren, mich ebenfalls in etwas nervöse Stimmung zu bringen. Dies gelang dem Acs- kulap jedoch nicht, denn ich war ein zu starker Freigeist, um meine Grundsätze sogleich über den Haufen werfen zu lassen. Kurz vor elf Uhr zog ich meinen dicken Flausch­rock an, steckte in dessen Seitentaschen die geladenen Pi- , stolen und empfahl mich der Gesellschaft, um nach dem Gasthofe zu gehen, wo mein Pferd stand. Hier zündete ich mir eine Pfeife an, hing mein Doppelgewehr über den Rücken, pfiff meinem, sich am warmen Ofen deh­nenden Nero und bestieg den ungeduldig im Schnee scharrenden Rappen, um der verrufenen Brücke entgegen zu reiten.

Es war eine prachtvolle Nacht, so hell, daß man die ganze Gegend in ihrem schneeigen Gewände über­schauen konnte, obgleich der Mond noch mit den Wolken kämpfte, welche im Laufe des ganzen Tages die weiße Decke hcruiedcrgescutt hatten. Unfern von Neustadt er­hob sich Kampelst mit seinem alterihümlichen Kirchlein, in dessen Fenstern ein falbes Licht glitzerte und mir deut­lich die Stelle kennzeichnete, wo der spukende Edelmann im Sarge lag. Dem Rappen schien an dieser nächtlichen Partie nicht viel gelegen zu sein, denn er trabte dem heimischen Stalle mit Windeseile zu, so daß mein Nero kaum mit ihm fortkommen konnte. Im Fluge ging es die breite Straße dahin, und es zeigte sich Bückwitz mit dem See, an dessen Gestade der so verhängnißvolle Mord an dem Schäfer verübt worden war. Der scharfe Win­kel, welchen hier der Weg bildet, befand sich bereits hin­ter mir. Deutlich sah ich die Schwenzbrücke liegen, als plötzlich mein Rappe hoch aufbäumte und mit einer furchtbaren Lanyade zur Seite sprang. (Forts, f.)

I null! I IHJWMlM,WW»W.WW'M»BMBeB«MBBaB«! IIIM

Amtliche Bekanntmachungen.

Sandra lhsamt Hersfeld.

Johannes Sommer Wittwe von Heringen hat für sich und ihre Töchter Eva Elisabeth, Catharine Doro­thea und Barbara Elisabeth behufs Auswanderung nach Amerika um Ertheilung von Reisepässen nachgesucht.

Hersseld, am 27. April 1866.

Kurfürstliches Landrathsamt. Aufsarth.