Hersfelder Anzeiger.
jy 31 Hersfeld, den 18. arf. 18««
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschiag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den Obergerichtsrath Friedrich Carl Hartert zu Marburg in den Ruhestand und
den Actuar Ferdinand Buch von Frihlar in gleicher Eigenschaft zu den, Justizamte II. in Marburg zu versetzen, auch
den RechtSpraktikanten Friedrich Rück in Nieder- aula zum Actuar bei dem Justizamte in Neustadt provisorisch zu bestellen;
die erledigte Pfarrei Gudensberg nebst dem Me- tropolitanate der Klasse gleichen Namens dem Metropolitan Heinrich Cvin'g zu Lichtenau,
die erledigte Pfarrei Oberngeis dem Pfarrvicar Ernst Friedrich Ger lach zu Ulfen und
die erledigte reformirte Pfarrei Steinbach -Hallen- berg dem Recior und außerordentlichen Pfarrer Sig- umnd Wilhelm Rohnert zu Rodenberg zu übertragen ;
der Ernennung deS Dechanten Konrad Hahne zu Kassel zum Domkapitular an der Kathedralkirche zn Fulda die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen;
den ordentlichen Lehreram Gymnasium zu Fulda Dr. Johann Friedrich Lotz in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium in Hanau, und
den Hülsslehrer am Gymnasium zu Kassel Dr. Joseph Kvrber tu gleicher Eigenschaft an das Gymnasinm zu Fulda zu versetzen, sowie
den Rector Heinrich Becker zu Gelnhausen zum Lehrer an der Realschule zu Rotenburg zu crnen- neu; ferner
den Kreissecretar Fricdr. Wilhelm Emil Günther zu Messungen zum Landrathe des Kreises Ziegenhain zu ernennen;
dem ausübenden Arzt Dr. med. Richard M ü l ler zu Obernkirchen die Stelle eines Physicats-Assistenten für das Justizamt Obernkirchen mit dem Wohnorte Obernkirchen, und dem praktischen Thierarzt Georg Ludwig Siebert zu Oldendorf die erledigte Stelle eines Kreisthier- arzteS für den Kreis Frankenberg provisorisch zu übertragen.
Der Spuk auf Der Schwerrzbrücke.
(Fortsetzung.)
Einige Voltigeure aus dem Elsaß, die deutsch sprachen, waren Tagö" vorher auf den Kirchhof zu Kampehl gekommen und hatten von dem Todtengräber, welcher noch heute sein Amt versieht, verlangt, er solle ihnen den versteinerten Kalbutz zeigen, von dessen unheimlicher Existenz man ihnen in der Schänke erzählt hatte. Der Todtengräber gehorchte; er holte von dem Schulmeister die Schlüssel zur Gruft und führte die Soldaten, denen sich noch drei Bauern angeschlossen hatten, an des gespenstigen Junkers Sarg. Unter allerhand Scherzred'en wurde er von den Voltigeurs geöffnet; als aber die starre grausige Todtengestalt des Edelmanns zum Vorschein kam, da traten Alle scheu und verstummend zurück. Nur einer der Soldaten behielt seinen tollen Uebermpth und lachte des Schreckens der Uebrigen. „Wie könnt Ihr Euch scheuen vor diesem Bündel moderbedeckter Knochen!" rief er lachend. „Dieser Kerl soll spnken, soll den Leuten aufhocken und andere Narretbeien treiben? Fürwahr, mir sollte er kommen, ich würde ihn heimführen, daß er nimmer wieder Lust kriegen sollte, mit einem französischen Soldaten anzubinden!"
„Frevelt nicht, Herr Soldat", rief der Todtengräber. „Die Todten sollen ruhen und nicht herausgefordert werden, — wenn sie nicht Gottes Stimme ruft!"
„Alfanzerei!" entgegnete der Franzose. „Hört an, Jhr befangenen Dummköpfe, welche Ehre diesem alten, bartgebackenen Sünder widerfährt." Und sich zu dem Todten niederbeugend und ihn schüttelnd, rief er: „Junker Kalbutz, öffne Deine vertrockneten Ohren und vernimm, was ich sage: Heute Nacht, zwischen elf und zwölf, wo Dir Dein Hauptmann Urlaub giebt, stakte mir einen Gegenbesuch ab. Ein Hundsfott wer nicht kommt! Hast Du's gehört, altes Scheusal?"
Und bei diesen Worten hob er mit kräftiger Hand die Leiche empor und schlenderte sie so unsanft in den Sarg zurück, daß sie auf das Gesicht zu liegen kam.
Die Soldaten und die Landleute hatten sich voller Entsetzen abgewendet und stiegen die Treppe der Gruft hinaus; der Todtengräber aber drängte den übermüthi-