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Hersfelder Anzeiger.

JV? 30. Hersfeld, den 14. April. 186$*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7$ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Obergerichts - Referendar Heinrich B a ng zu Fulda zum Garnisons - Aubiteur in Hofgeismar zu ernennen.

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Der Spuk auf Her Schweuzbrürke.

(Fortsetzung.)

Aber Hauptmann, daS klingt doch etwas unwahr­scheinlich!" rief ein Gutsbesitzer. 'Ich glaube Sie hat am Ende auch noch der Kalbutz geritten."

Der Kalbutz! Dieser Name erinnerte mich wieder au die famose Gespenstergeschichte von Kampehl.

Möchte schon mit ihm zusammen kommen!" schrie der Hauptmann.Aber dergleichen spukende Persönlich­keiten haben nun einmal die schlimme Gewohnheit, sich nur mit der niedern Volksclasse einzulassen."

Ich glaube, mit dem alten Herrn ist nicht zu scher­zen", warf ein Anderer ein.Gewiß, meine Herren, ich leugne nicht, daß ich etwas abergläubisch bin, aber daran trägt nur der Kalbutz die Schuld."

Wie, Herr Amtsrath, Sie haben ein Rencontre mit dem Gespenste des Ritters gehabt?" riefen mehrere Summen.

Der Herr Justitiarius dort kann Ihnen über den Kalbutz ein wundersames Geschichtchen berichten", fuhr der junge Domainenpächter fort.Es ist uoch nicht über ein Dutzend Jahre her, seit es passirte, und liefert einen Stoff zu dem prächtigsten Geisterroman."

Der Justitiarius sah bei diesem Hinweis auf seine Person sehr ernsthaft aus.

Lassen wir doch dergleichen vergessene Dinge", sagte er.Weshalb in Todtengrüften 'und zerfallenen Särgen wühlen, wenn gerade das Leben in seiner vollen Heiterkeit lacht."

Nein, Justizrath, wir lassen Sie nicht durch", rief der Hauptmann von Spundheber.Ich interessire mich jetzt doppelt für den seligen, oder vielmehr unseligen Herrn von Kalbutz, weil seine Macht sich auch auf das Gemüth gebildeter und vernünftiger Menschen zu erstrek-

ken scheint. Hat er Sie einmal geritten, Justizrath, oder Sie, Amtsrath?"

Beide verneinten dies. Der Justitiarius wandte sich an den General, welcher bis dahin das Gespräch über den Spuk schweigend und ernst mit angehört hatte.

Es war eine wunderbare Geschichte, die nie auf­geklärt worden ist", sagte er halblaut.Erinnern Sie sich, Herr General, welch furchtbare Aufregung jener un­heimliche Mord erregte? Ohne Ihren Einfluß und meine richterliche Thätigkeit würde wohl von ganz Kampehl vielleicht kein Stein auf dem andern geblieben sein."

Die laute Unterhaltung der Gesellschaft hatte einer ruhigen Aufmerksamkeit Platz gemacht. Die meisten der Herren mochten von dem gespenstigen Kalbutz gehört ha­ben, aber die ernste, wie von geheimem Grausen ange­webte Erwähnung eines mit dem Glauben an den Spuk zusammenhängenden Ereignisses blieb aus Keinen ohne

Einfluß. _

Eine wunderbare Geschichte? Kein Stein von Kampehl auf dem andern? Herr Justizrath, das nenne ich Jemand den Mund wässerig machen!" wiederholte ein junger, erst seit kurzer Zeit in Neustadt lebender Arzt.

Freilich", bestätigte des Doctors leicht verständ­lichen Wink der Hauptmann von Spundheber. "Ich habe allerdings schon einmal von dem sonderbaren Vor­fälle gehört, aber die Einzelheiten desselben wieder radical vergessen. Der Doctor, der Assessor und wohl noch man­cher andere Herr in unserem Kreise bersten vor Neugierde, also heraus mit der Mordgeschichte, Justizrath! Was hat der Kalbutz damit zu schaffen?"

Ich werde Ihnen das Ereigniß erzählen, wie es actenmäßig ist", erwiederte der Justizrath.Selbstver­ständlich gebe ich den Herren anheim, sich darüber ein eigenes Urtheil zu bilden. Was mich anbetrifft, so habe ich schon längst daraus verzichtet, denn das Geheimnis jener Nacht wird wohl nimmer entschleiert werden. Doch zur Sache." , ,

ES war im Jahre 1806, wo wir zum ersten Male die Ehre hatten, französische Soldaten als ungebetene Gäste zu bewirthen. Die Herren ließen es sich bei uns recht wohl sein, und verübten namentlich auf den Dör­fern allerhand Excesse. Da geschah es eines Tages, daß der Schulze aus Kampehl, ein alter, grundehrlicher Mann,