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ersfesöer Anzeiger

jy 29. Hersfeld, den 11. April. 1866»

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Qnartal 7| Sgr., bei den Postanstatten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

dem Superintendenten Dr. Schüler zu Alleudors den Kurfürstlichen Wilhelmsorden vierter Klasse zu Verleihen;

den Hof-Uhrmacher Heinrich K ochendörffer jun. zU Cassel auf sein allerunterthänigstes Nachsuchen von dieser Stelle zu entbinden und

den Uhrmacher David Grau zu Cassel zum Hof- Uhrmacher zu ernennen,

dem Lehrer am bischöflichen Priesterseminar, Pro­fessor Dr. Reinerding zu Fulda, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzoge von Oldenburg demselben verliehenen Ritterkreuzes des Oldenburgischen Hans- und Verdienstordens zu er­theilen, sowie

dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Postverwalter zu Nen- kirche», Kreises Hünfeld, in Borschlag gebrachten Posthalter Johann Jacob Schott daselbst, die aller- höchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

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Dee Spuk auf -er Schwenzbrüeke.

(Fortsetzung.)

.^Die jüngeren Generationen machen sich keinen Be­griff, wie damals die Wildstände beschauen waren. Jetzt schießt der Jagdpächter Alles todt, was er erreichen.kann und gedenkt wohl mit der Beute noch ein gutes Han­delsgeschäft zu machen. Jeder Schneider und Stiefel- wichssabrikant, der Geld und Passion dafür hat, läuft mit dcmZündnadclgewehr auf den Feldern herum, schießt in Ermangelung von Hasen und Hühnern nach Gold­ammern und Sperlingen und trifft in den meisten Fällen niemals den Gegenstand, auf welchen er die Flinte ge­richtet hat. Mit einem Worte, das edle Waidwerk ist zur jämmerlichen Specnlation, znr Spielerei, herabgesun­ken und die Zunft der alten sachverständigen Jäger ab­gestorben. Vor fünfzig Jahren war dies anders. Schossen wir auch damals mit Steinschlössern, so ging doch gewiß

selten ein Schuß fehl und zwischen Wild und Jäger be« stand damals eine Art stiller Uebereinkunft, begründet auf die streng gehandhabten Gesetze der edlen Waid­mannskunst, deren Verletzung dem Wäidmanne eine ust- tilgbare Infamie ausgeprägt haben würde. Die Land­wirthe meinen freilich, es wären ihnen die jetzigen Jagd­gesetze lieber, als die abgctbanen Verordnungen vergangener Jahrhunderte, und sie mögen wohl recht haben, denn ist der alten guten Zeit, wo Wälder und Felder von Schwei» neu, Hirschen, Rehen und Hasen wimmelten, kam es nicht selten vor, daß diese die ganze Ernte verzehrten und dem Bauer das leere Nachsehen ließen.

Unsere Jagd war ausgezeichnet und das Wild wurde auf mehreren Wagen abgeführt. Der Abend versammelte die Schützen beim General und während des heiteren Mahles begannen nunmehr die berüchtigten Jagdgcschich- ten, welche in Bezug auf Wahrhaftigkeit zu allen Zeiten in gleichem Ansehen gestanden haben. Die Meisten er­zählten von irgend einem unbegreiflichen Schusse, einer bestandenen Gefahr, oder ungeheurem Jagdglücke, obgleich Jeder wußte, daß von -den Zuhörern Niemand auch nur ein Sterbenswörtlein glaubte. Nachdem fast Jeder seine Jagdgeschichte zum Besten gegeben hatte, fiel es noch ei­nem alten Hauptmann ein,' in diesem Erzählungsgenre das Höchste zu versuchen.

„Gott straf mich, meine Herren, was Sie da er­zählt haben, ist noch Alles nichts!" rief er mit einer Stimme, als wenn er seine Compagnie' zum Angriff commändiren wollte. „Da ist mir eine ganz andere Ge­schichte passirt, als ich noch drüben im Unstrutthale in Garnison stand."

„Heraus damit, Hanptmann, was ist das für eine Geschichte?" rief ein weißbärtiger Major, der die Schlacht bei Jena hatte verlieren helfen.

Der Hanptmann leerte sein Glas, ränspertesich und begann: „Es war ein verdammt kalter Wintertag, daß die Kinder fast im Mutterleibe erfroren und der Tabaks­ranch sich int Pfciscnkopfe als Reif ansetzte, als mir von dem Wertherschen Förster in Wiehe die Nachricht zuge­schickt wurde, in dem Donndorfer Holze wechsele ein Keiler so stark, wie auf der ganzen Gotteswelt noch kein Schwein vorgekommen sei. Ich steckte mich also in meine Jagdkleider,'zog die Pelzstieseln an, setzte eine prächtige