gersfefber Anzeiger.
^ 23. Hersfeld, den 4. April. 1866.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen alltzr^Axt werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den bisherigen Hegeaufseher Joseph Link zu Fasanerie bei Hanau nunmehr provisorisch zum Fasanenmeister daselbst zu ernennen.
m.'!" . um-uin.«.^ i ............■Bg.L.J.-1—13
Der Spuk Mf^-er Schwenzbrücke.
Es ist schoif4rE>ches Zalmchnt ins Meer der Ewigkeit versunken, isot^chrals en?ljunger, lebenslustiger Assessor aus den steMlöen^KeKwen des Saalthales in die Sandbüchse beteiligen röMch-deutschen Reichs", auch die Mark Brandeh^iM^Aeretmnt, versetzt wurde. Wahr ist es, der Saud gedeMoort in unübertroffener Fruchtbarkeit, ebenso wie die Waldungen, welche manchem Landstriche einen recht düstern Anstrich verleihen. Aber die Brandenburger sind ein gar lebenslustiges, heiteres Völkchen. Das wußte ich schon aus Erfahrung, und deshalb packte ich meinen Reisekoffer mit der Seelenruhe eines Menschen, der von einer bevorstehenden Veränderung nur Gutes zu erwarten hat. Nachdem ich in meinem bisherigen Aufenthaltsorte den Honorationen die üblichen Abschiedsvisiten abgestattet und mit meinen Freunden einige Dutzend Flaschen Scheidewein ausgeMnken hatte, stieg ich in den fürchterlichen Rumpelkasten, Mcher damals unter dem schalkhaften Namen einer Eilpost von zwei dürren Kleppern und einem alten Postillon mit schnaps- rother Nase regelmäßig des Abends 7 Uhr nach Merse« bürg befördert wurde, und gab mich unterwegs dem'Gedanken hin, während der bevorstehenden Reise die schönste Gelegenheit zu finden, mich nicht nur in der so nützlichen Tugend der^ Geduld zu üben, sondern auch bei den entsetzlichen Stoßen des Wagens die Festigkeit meines Knochengerüstes zu prüfen.
„ ^a^ einigen Tagen war mein Stationspunct, Neu- stadt an der Dosse, erreicht und ich fand dort Alles, wie eS sich nur wünschen ließ. Trug auch die Gegend vollständig den märkischen Charakter, so fehlte es doch nicht an Umgang und angenehmen, gesellschaftlichem Ton zumal auch das kaum zwei Stunden entfernte Städtchen Wuster- Hausin sein Kontingent dazu lieferte. Da ich ein eignes Pferd hielt, so pflegte ich oft nach Wusterhausen zu rei
ten und bei einer solchen Gelegenheit geschah es, daß mein Rappe ein Eisen verlor und ich mich genöthigt sah, in dem kurz vor Wusterhausen gelegenen Dorfe Kampehl es neu beschlagen zu lassen. Während dies geschah schlenderte ich das Dorf entlang nach der unfern der Schmiede gelegenen Kirche mit ihrem alterthümlichen, niedern Ziegel- thurme, und trat durch das geöffnete Psörtchen aus den Gottesacker, dessen stille Einsamkeit den Frieden einer langen Reihe von Generationen decken mochte. Da bemerkte ich nahe der Friedhofsmauer einen alten Mann, beschäftigt ein Grab auszuwerfen. Die abgelegene Stelle und einige wenige versunkene Hügel verriethen, daß dieses letzte Dettlein für einen Selbstmörder bestimmt war.
„Grüß Gott, Alter!" rief ich dem Todtengräber zn» „Schaufelt wohl da eine Grube für einen Unglücklichen, der die Sorgen dieses Lebens nicht mehr zu ertragen vermochte, und sich selbst den Tod gab?
So ist es Herr", antwortete der Alte, sich auf den Spaten stützend. „Vorgestern noch war er ein junger, lebenssrischer Mensch und die Freude seiner alten Mutter. Da erfuhr er, daß seine Liebste ihm die Treue gebrochen und nächstens mit einem Andern zur Trauung gehen würde, und diese Nachricht brach ihm das Herz und umhüllte seinen Geist, daß er in der Verzweiflung den Tod im See suchte. Möge Gott seiner Seele gnädig sein!"
„Und Alle, welche in diesem abgelegenen Winkel schlummern, sind durch eigenen Willen gestorben?" fragte ich, auf die eingesuukene», von Gestrüpp überdeckten Gräber zeigend.
„Sie endeten als Selbstmörder", erwiederte der Alte. „Aber glauben Sie mir, Herr, es war mancher gute, fromme Mensch unter ihnen, der still und in Frieden fein unten in seinem Grabe bleibt und ruhig fortschlummert, während stolze Edelleute, die unter Steinmalen in Gruftgewölben geweihter Kirchen schlummern, allnächtlich aus dem Schlafe aufgescheucht werden und zurBüßung schwerer Sünden als' Spuk hernmirren müssen."
„Wie meint Ihr das, Alter?" fragte ich mit erhöhter Aufmerksamkeit.
„Haben Sie noch nichts von dem Kalbutz gehört?" rief der Todtengräber. „Sind wahrscheinlich fremd hier in der Gegend herum, sonst würden ®te, wissen, daß dort an unserer Kirche, in dem eingebauten Grustgewölbe,