HerssekderÄnzeiger.
^F LS. Hers seid, den 7. März. ' 1866»
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Ncumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile ober deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
dem Reoiersörster Johann GeorgWa lth er zu Sand die Stelle eines Försters des Hospitals Merxhausen als Nebenstelle zu übertragen und
den Sekretar der LandeSkreditkaffen-Direction Friedrich August Manns, auf sein allerunterthänigstes Nachsuchen zu pensioniren,
den Expeditoren bei den Postverwaltungen zu Ablerode, Nanheim, Birstein, Frielendorf und Beckerhagen, nämlich
Georg Dern zu Abterode,
Johannes Kranz zu Nauheim,
Dr. Johann Peter Mörschel zu Birstein,
Johann Heinrich Brück zu Frielendorf und
Carl Albrecht zu Veckerhagen
das Prädikat „Postverwalter" zu verleihen.
Der Fluch -er bösen That.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
»Sie haben Recht, ich zähle weder zu einer ange, sehenen Familie, noch ist meine Stellung in der Gesellschaft der Ihrigen ebenbürtig," unterbrach Minna ihn mit unverkennbarer Ironie. „Ich habe auch daran schon gedacht und glaube, daß wir über diesen Punct ruhig hinwegsehen können, denn mit einem Vermögen von dreißigtausend Thalern wird man sich überall heimisch fühlen. Wir verlassen also die Stadt, lassen uns in Bremen oder London trauen und reisen darauf nach Amerika. In Newyork können Sie ein Geschäft gründen, ich hoffe, wir werden vergnügt und zufrieden miteinander leben."
"Ich hoffe es auch," erwiederte Julius, der seine Aufregung mühsam bekämpfte. „Um allen Vermuthungen und üblen Gerüchten vorzubeugen und die gerichtliche Verfolgung zu erschweren, werden wir zwar an ein und demselben Abend, aber einzeln und zu Fuß die Stadt verlassen. Wir schlagen die Richtung zur nächsten Eisen
bahnstation ein und treffen auf diesem Wege zusammen."
„Gut, geben Sie mir den Punct genau an, ich werde mich zur bestimmten Zeit einstnden."
„Wenn es Ihnen recht ist, führen wir unser Vorhaben schon heute aus."
„Gewiß, je eher, desto besser."
„Der letzte Zug fährt um elf Uhr hier ab, er wird also ein Viertel nach elf auf der nächsten Station eintreffen. Die Station ist von hier eine starke Stunde entfernt, mithin müssen wir spätestens um halb zehn Uhr die Stadt verlassen "
Minna erhob sich. „Es ist jetzt halb Acht," sagte sie, „ich hoffe, bis halb zehn Uhr reisefertig zu sein. Wo werde ich Sie treffen?"
„In dem Gehölz, welches wir passiren müssen. Sie wissen vielleicht, daß dort zum Andenken an einen verunglückten Holzhauer ein Kreuz errichtet ist, dort werde ich Sie erwarten."
„Vertrauen Sie daraus, daß ich komme", erwiederte Minna, während sie dem jungen Manne die Hand reichte.—
Auch Julius hatte vor seiner Abreise noch so manche Vorkehrungen zu treffen, daß er mit den Minuten geizen mußte, er kehrte deshalb unverzüglich in seine Wohnung zurück.
Am dritten Tage nach diesem Abend durchlief die Stadt das Gerücht, die Haushälterin des verstorbenen Rentners Stark sei spurlos verschwunden, Niemand wisse, wann und weshalb sie die Wohnung ihres frühern Herrn verlassen und wohin sie sich gewandt habe.
Der pensionirte Beamte Winter theilte dieses Gerücht seinem Sohne während dem Frühstück mit und sprach dabei die Vermuthung aus, daß die Haushälterin, die er stets für eine leichtfertige und gefallsüchtige Person gehalten habe, bei Nacht und Nebel davon gegangen sei und, wenn man näher uachforschte, man in der Wohnung des Erblassers wahrscheinlich Manches vermissen werde.
Dieser Ansicht pflichtete Julius bei, aber es schien, als ob dem jungen Mann ein tieferes Eindringen in die Ursachen der Flucht Minnas unangenehm sei, denn er brach kurz ab und verließ, ohne sich weiter auf die Ansichten und Vermuthungen des Vaters einzulassen, das Haus. (Forts, f.)