Zer 5 selder Znzeiger.
Ä£ 18. Hersfeld, dcn 3. März. 18««.^^
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der Expedition (Ncumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag .^ l v. hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bet *" y Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. XX^ 7
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
AllerhöchstJhrcu außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Kaiserlich Französischen Hofe, Staatsrath von Meyer, zugleich zu Aller« höchstIhrem außerordentlichen Gesandten fund bcvoll« mächtigten Minister am Königlich Niederländischen Hofe zu ernennen,
den Premier-Lieutenant Gerlaub vom Artillerie- Regiment zum Hauptmann und Batterie - Chef in demselben zu ernennen,
zu der vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und .Taxis, beabsichtigten Gewährung der nachgesuchten Entlassung des Postexpeditors Jacob Schott zuNeukirchen, Kreis Hünfeld, aus dem Post- dienste die allerhöchstlandesherrliche Genehmigung zu ertheilen.
Der Fluch der bösen Bhat.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
»Thun Sie es, ich hoffe, man wird mir mehr Vertrauen schenken, wie Ihnen", fiel der junge Mann ihr ungeduldig ins Wort.
»Ach, wenn sie sich aus Ihren guten Ruf stützen, mein Herr, dann werden Sie erfahren, daß Niemand der öffentlichen Meinung zu hoch steht. Gehen Sie nicht so leichtfertig über diese Angelegenheit hinweg, es bedarf von meiner Seite nur einiger Worte, um Ihr Lebens« glück zu vernichten, und Sie werden, wenn Sie ehrlich sein wollen, mir zugeben müssen, daß ich mir selbst diesen Schritt schuldig bin. Aber wir gewinnen Beide durch denselben nichts, während wir auf anderm Wege unser Glück begründen könnten. Der Secretair des Perstor« heuen enthält ein geheimes Fach, in welchem der Rentner seine Brillanten und mehrere Packete Staatsschuldschrine ausbewahrte. Er hat mir dieses Fach einmal gezeigt und dabei gesagt, es enthalte einen Werth von mindestens dreißigtausend Thaler. Dem Gericht ist das Fach un
bekannt. Nun wählen Sie, Herr Winter, auf der einen Seite steht das Criminalgericht mit seinem düstern Gefängnisse, aus der andern eine glückliche, sorgenfreie Zukunft, ich lasse Ihnen eine Bedenkzeit von drei Tagen."
Bestürzt blickte Julius dem Mädchen nach, welches sich, ohne eine Erwiederung abzuwarten, entfernte. Was sie bezweckte, war ihm klar, sie wollte ihn zwingen, sie zu heirathen und ihm dafür den Inhalt jenes geheimen Fachs einhändigen. Er konnte nicht leugnen, daß die Beweise, welche sie für seine Schuld besaß, dem Gericht genügen würden, daß, wenn sie ihre Drehung ausführte, er augenblicklich verhaftet und der Criminalproceß gegen ihn eingeleitet wurde. Auf der andern Seite war das Opfer, welches Minna verlangte, so groß, daß der junge Mann sich nicht entschließen konnte, es zu bringen. Minna war allerdings Hübsch, jung und in gewisser Beziehung auch gebildet, aber ihr Ruf hatte ja einen Makel, man sagte ihr nach, sie habe mit dem Verstorbenen aus sehr vertrautem Fuße gelebt und ein solches Mädchen durfte der Rendant der städtischen Kasse nicht heimführen. Dazu kam, daß Julius ein andres junges, hübsches und ver- mögendes Mädchen liebte und daß er mit Zuversicht auf ihr Jawort und die Einwilligung der Eltern rechnen durfte. Es war eine achtbare und sehr angesehene Familie, der diese junge Dame angehörte und der Rendant durfte überzeugt sein, daß er durch die Heirath mit ihr in der Achtung seiner Mitbürger bedeutend stieg. Er hatte aus diese Heirath . schon manches Luftschloß gebaut und sich, seitdem die Kassenrevision glücklich beseitigt war, der Hoffnung auf eine heitere, glückliche Zukunft hingegeben. Nun sollte er aus die Erfüllung dieser Wünsche und Hoffnungen verzichten und die Wahl treffen zwischen dem Zuchthause und der Heirath mit einem Mädchen von sehr zweideutigem Rufe, für welches er weder Achtung noch Liebe empfand. Die dreißigtausend Thaler, welche Minna ihm als Brautschatz mitbrachte, bildeten allerdings eine sehr angenehme Morgengabe, aber sie waren unrechtmäßig erworbenes Gut, aus welchem kein Segen ruhte. Und doch blieb dem jungen Manne keine andere Wahl. Am Abend des dritten Tages erklärte Julius der Haushälterin, daß er bereit sei, aus ihren Vorschlag einzugehen.
»Ich habe diesen Entschluß erwartet, und meine