g e r s s e f b e r Anzeiger.
J\s 16. Hersfeld, den 24. Februar. 1866*
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Der Fluch -er bösen That.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Die Haushälterin fuhr fort: „Ich ging in daS anstoßende Zimmer, welches wir als Eß- und Wohnstube benutzten, um den Tisch für den Abend zu decken und hielt mich dabei länger auf, als ich es sonst zu thun pflegte. Weshalb, weiß ich selbst nicht, ich glaube, ich träumte mit offenen Augen von einer schönen, heitern Zukunft und dieser Traum fesselte mich so sehr, daß ich die Gegenwart ganz vergaß. Trotzdem entging mir das Geräusch nicht, welches daS Oeffuen der Thür, die vom Corridor in das Cabinet deS Herrn Stark führte, verursachte. Wir Töchter Evas sind alle mehr oder weniger neugierig, ich öffnete leise die Thür so weit, daß ich daS Cabinet übersetzen konnte und bemerkte, daß Sie sich meinem Herrn, der noch immer am Secretair saß, näherten. Ich sah, daß Sie Ihre Hand auf die Banknoten legten, sah, daß Sie sich aus den Zehen hinausschlichen, kurz, Herr Winter, ich bin in daS Geheimniß jener Minute ganz eingeweiht."
Stier, mit dem Ausdruck des Entsetzens, ruhte der Blick des Jünglings auf den gleichmäßig lächelnden Zügen der Haushälterin. „Minna, daS war nur eine Fortsetzung Ihres Traumes," unfähig, seine Fassung zu behaupten, „ich bin an jenem Abend nicht im Cabinet des Verstor« denen gewesen. Ihre Phantasie hat Ihnen ein Bild vorgespiegelt.
„Erlauben Sie, Herr Winter, ich besitze Beweise," unterbrach die Haushälterin ihn ruhig. „Ich drang, als das Gericht erschien, auf die Ausnahme eines Inventars und bemerkte zugleich, daß kurz vor dem Tode des Herrn Stark ein Landmann eine bedeutende Summe gezahlt habe, die sich wahrscheinlich in der Kasse des Verstorbenen vorsinden werde. Das Gericht fand allerdings im Kassenbuche die Zahlung eingeschrieben; aber das Geld war verschwunden. Als Sie neben der Leiche standen, trockneten Sie mit Ihrem Taschentuche die nasse Stirn, daS Tuch entfiel Ihnen, ich fand es und Sie werden wissen, daß es Ihren Namen trägt."
Der junge Mann schien einen Entschluß gefaßt, und mit demselben seine Ruhe wieder gesunden zu haben,
„Ihre Beweise haben allerdings den Schein der Wahrheit für sich, Minna", sagte er und ein Lächeln bittren Hohnes glitt über seine bleichen Züge, „aber jeder vernünftig denkende Mensch wird sie für daS halten, waS sie in' Wirklichkeit sind, für den Deckmantel der eignen Schuld."
„Für einen Deckmantel der eignen Schuld?" fragte das Mädchen entrüstet. „Mein Herr, Sie belieben wohl zu scherzen, ich denke, die vorliegenden Beweise genügen vollständig, im andern Falle würde ich deren noch mehrere vorlegen können. Es war vor einöm halben Jahre, als Herr Stark mir eines Tages sagte, der junge Herr Winter habe einem' Freunde Wechsel acceptirt im Betrage von fünfhundert Thaler, der gute Freund sei aber vor dem Verfalltage spurlos verschwunden und der Herr Julius werde den „Sack läppen" müssen."
„Das hat der alte Schwätzer Ihnen mitgetheilt?" fragte Julius betroffen.
„Er hatte vor mir keine Geheimnisse," fuhr Minna fort. „Einige Tage später sagte Herr Stark mir, der Wechsel sei protestirt und er wisse, woher Sie das Geld genommen hätten, ich sollte Acht geben, am Tage der Kassenrevision werde man Sie mit Schimpf und Schande entlassen. Und am Tage nach dem Tode des Rentners fand die Revision Ihrer Kasse statt."
Die letzten Worte hatte die Haushälterin mit scharfer Betonung gesprochen, und ihrem Blick, der fest und durchbohrend aus dem Antlitz deS jungen Mannes ruhte, konnte nicht entgehen, daß JuliuS diejc» Beweis nicht zu widerlegen wußte.
„Wenn Sie Ihrer Sache so sicher sind, weshalb haben Sie nicht sofort dem Gericht den Vorfall angezeigt?" sagte der Rendant nach einer langen, peinlichen Pause.
„Weil es nicht in meinem Interesse lag", erwiederte Minna. „Der Rentner hatte mir versprochen, in seinem Testament meine Zukunft sicher zu stellen, er hat sein Wort nicht gehalten und die Erben werden sich nicht verpflichtet fühlen, eS einzulösen. Vielmehr werden die Erben mich wegen der fehlenden Summe verantwortlich machen, der Rechtsanwalt ließ bereits einige Bemerkungen fallen, aus denen ich entnehmen konnte, daß man später darauf zurückkommen wird. Geschieht das, so bleiben mir nur zwei Wege, entweder zu fliehen, oder Sie