Hersfelder Anzeiger.
'J\j 13. Hersfeld^ den 14. Februar.' 1866.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bn Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. — ■
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
dem Königlich Preußischen Hofmarschall Grafen von Perponcher-Sedlnitzky das Großkreuz des Kurfürstlichen WilhclmSordens zu verleihen, und dem Untergerichtsanwalt Carl Brunn er zu Gu- densberg die Anwaltspraxis bei dem Justizamte in Naumburg gegen Wegfall des JustizainlS JeSberg auS seinem GcschäslSbezirke zu gestatten.
Der Fluch der bösen Lhat.
Novelle von Ewald August König.
„Ehrlich gestanden, Julius, begreife ich nicht, wie man so unverantwortlich leichtsinnig sein kann."
„Lieber Vater, eS ist geschehen, Verwürfe können eS nicht ungeschehen machen", erwiederte der Jüngling in fieberhafter Aufregung. „ES soll mir eine Lehre sein für das ganze Leben." —
„Ja, ja, das sind die alltäglichen Redensarten, mit denen man den Leichtsinn bemänteln, ihn gewissermaßen als einen Lehrmeister zu Ehren bringen will", unterbrach der alte Herr ihn mit bedenklichem Kopfschütteln, während er in dem elegant eingerichteten Zimmer langsam auf« und abwandelte, „Wenn das Kind ertrunken ist, deckt man in der Regel den Brunnen zu. WaS soll'S nun geben? Morgen ist, wie Du bemerktest, Kassenrc« Vision, man wird das Deficit entdecken und den Rendant der städtischen Kasse vor dem versammelten Personal mit Schimpf und Schande entasten. Was dann? Deine Kaution muß das Deficit decken, Du wirst vielleicht mit Mühe und Noth irgend einen untergeordneten Posten als Kopist erhalten."
„Aber allen diesen Folgen kann ja vorgebeugt werden, Vater —"
„Freilich, freilich, das heißt, wenn Du Jemand findest, der Dir die fehlenden fünfhundert Thaler vorstreckt!" fuhr der alte Herr fort. „Wo in aller Welt, Julius, hattest Du nur den Verstand, als Du die Wechsel dieses Herrn von Habenichts acceptirtest? Hättest Du doch mich
um Rath gefragt! Aber so ist die Jugend, da trinkt man hinter der Flasche in mitternächtiger Stunde mit Crethi und Plethi Brüderschaft, und nachher möchte man den Dutzbrüdern auch gerne zeigen, daß man ein ganzer Mann ist! das wissen diese abgefeimten Burschen sehr genau, die Freundschaft ist ihnen ein Deckmantel, unter welchem sie auf den Raub ausgeben. Der Eine borgt, der andere bittet bescheiden um Accepte. Na, baareS Geld giebt man nicht gerne, aber eine Unterschrift, — du lieber Gott, was liegt daran! der uneigennützige Freund ist ja solide und zuverlässig, er wird den Wechsel am Verfalltage prompt einlösen, und nöthigenfallS kann man behaupten, man sei dem Aussteller keinen Heller schuldig. Prosit die Mahlzeit, der Wechsel wird am Verfalltage protestirt, der Freund hat sich inzwischen auS dem Staube gemacht und der Acceptant muß den Sack läppen. Das hast Du jetzt auch erfahren und die Erfahrung hat Dich fünfhundert Thaler gekostet. Wäre es noch Dein eigenes Geld gewesen, welches Du so leichtfertig zum Fenster hiuauswarfst, aber Du mußtest es auS der Dir anvertrauteu Kasse nehmen und daS wird auf den ehrlichen Namen Deines Vaters für ewige Zeiten als Schandfleck haften bleiben. Du hoffst der Entdeckung vorbeugen zu können, aber ich glaube nicht daran, Du wirst Niemand finden, der Dir eine solche Summe leiht."
„Gut, dann bleibt mir noch immer der letzte Weg, um der Schande zu entgehen", erwiederte JulinS im Tone der Verzweiflung, „und eS steht fest bei mir, daß ich eher diesen Weg wählen werde —"
„Das ist abermals eine verbrauchte RedefloSkel oder ein trauriges Zeichen Deiner Feigheit und Gottvergcssen- heit", fiel der alte Herr ihm mit erschütterndem Ernst inS Wort. „WaS der Mensch auch verbrochen hat, bleibt ihm der Muth, den Folgen kühn die Stirn zu bieten, so kann Niemand ihm einen Rest von Achtung versagen. Den Feigling aber, der durch den Selbstmord der Schande zu entfliehen sucht, muß man verachten. Glaubst Du vielleicht, dadurch sei die Schuld getilgt und Deine Ehre gerettet?"
„Ich sehe das Alles ein, Baker, aber ich überlebe die Schande nicht."
„Das hättest Du früher bedenken sollen, jetzt ist »s