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Herssesder Znzeiger.

8. Hers seid,'den 27. Januar. 1866*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

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Die letzte Nacht.

Novelle von E. A. König.

(Fortsetzung.)

Konrad war betroffen, er wußte im ersten Augen­blick den Zweck dieser gewählten Toilette sich nicht zu erklären. Nie war die alte Dame ihm so ehrwürdig er­schienen, nie hatte er so deutlich in den Zügen der Mut­ter das bittere Seelenleiden gelesen, als dessen Ursache er sich allein anklagen mußte.

Verzeihung, Mutter!" sagte er, indem er die Hand der alten Dame ergriff,ich habe während der vergan­genen Nacht eingesehen»

Mein Sohn, Du sagtest gestern Abend:WaS können Deine Vorwürfe an dem Geschehenen ändern?" fiel Frau von Bärenhorst ihm ruhig ins Wort.Ich frage Dich jetzt, was kann meine Verzeihung ändern? Ich habe nie Dir Groll nachgetragen, nur Dich bebau« ert und bitter beklagt, daß Du nicht den Ernst, die Cha­rakterfestigkeit und den sparsamen Sinn Deines Vaters besaßest."

Es soll anders werden", sagte Konrad,ich bin zur Einsicht gekommen."

Wirst Du die Kraft besitzen, diesem Vorsatz treu zu bleiben?"

Gewiß, ich werde eS! Die Lehre, welche ich in vergangener Nacht erhielt, bat einen unvergeßlichen Ein­bruch auf mich gemacht. Wie viel hast Du gelitten mei­netwegen, wie viele Sorgen, wie vielen Kummer labe ich Deinem Herzen bereitet! Mutter, wenn nicht die Hoffnung"

»Sei still mein Sohn, die vergangenen Tage liegen hinter uns. Wozu kann es dienen, daß wir die Sorgen und den Kummer, die sie uns brachten, in der Erinne­rung nochmals durchleben? Mögen die Erfahrungen, mit denen Sie Dich bereicherten, Deinen Charakter stäh­len und den Vorsatz der Umkehr in Deiner Seele be­festigen."

Konrad berichtete seiner Mutter die Ereignisse der verwichenen Nacht, nicht um für seine edle That Dank zu ernten, sondern um ihr zu beweisen, daß seine guten Vorsätze sich auf einen soliden Grund stützten.

Frau von Bärenhorst hörte ihn schweigend an. Trotzdem das eigene Unglück ihre Seele vollauf beschäf« tigte, nahm sie doch innigen Antheil an der Schrei- necfamilie. In Bezug auf den Diebstahl erklärte sie sich mit der Ansicht Konrads einverstanden, auch sie hielt da­für, daß eine gerichtliche Untersuchung gegen den Ver­walter eingeleitet werden müsse.

Ich habe Dir vergeben", sagte sie am Schlüsse der Unterredung, indem sie dem Sohue die Hand bot, ich will auf die Aufrichtigkeit Deiner Sinnesänderung ver­trauen und mit Rath und That in dem Kampfe, dem Du entgegcngehst, Dir beistehen. Deine Umkehr wird Dir schwer fallen, aber ernster Wille kann jede Schwie­rigkeit beseitigen. Du sagst, uns blieben vierzigtausend Thaler, gut, kaufen wir ein kleines Gut und suchen wir durch Fleiß und Sparsamkeit den Flecken wieder zu til­gen, der auf unserm Wappen ruht."

So willst Du mich begleiten?" fragte Konrad erfreut.

Gewiß I Glaubst Du, ich habe im Ernst daran gedacht, um ein Obdach in diesem Hause zu betteln? Nicht als eine Bettlerin, als die Freifrau von Bärenhorst will ich das Schloß, den Stammsitz unsrer Ahnen ver­lassen. Deshalb legte ich diesen Schmuck an. Und nun noch Eins, Konrad, ich habe schon längst mit Dir darüber reden wollen, aber nie den geeigneten Augenblick dazu gefunden. Du weißt, ich nahm Marie als Kindes« statt an, als ihre Großmutter starb und das Kind, eine Waise, keine Zuflucht hatte. Du hast dem Mädchen stets die Liebe eines Bruders entgegengetragen und viel­leicht nicht bemerkt, daß das Saatkorn dieser Lieb« an­dre Blüthen trieb, als die, welche eS naturgemäß treiben sollte. Sie liebt Dich mit der ganzen Gluth und Kraft ihrer jungfräulichen Seele, sie liebt Dich trotz all' Dei­nen Schwächen und Verirrungen. Laß mich zu Ende reden", fuhr sie fort, als der Freiherr sie unterbrechen wollte.Ich lese in Deinem Blick, daß Du an diese Liebe nicht glauben kannst, ich finde sie natürlich. Ma­rie betrachtete Dich als ihren Bruder, ihre Liebe war um so reiner und aufrichtiger, als sie durch dieselbe mir die erzeigten Wohlthaten zu vergelten glaubte. - Sie lernte durch Deine Verirrungen Dein edles Herz, Dein weiches Gemüth kennen und bedauerte tief, daß Du nicht die