gersfesher Znzeiger.
J^ G Hersfelb/dcn 20. Januar. 18««.
Der „HerSfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 5S7) pro Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst gernht:
den Probator bei der Direction der Hauptstaatskasse, Friedrich M ard orf, zum Buchhalter bei derselben, und
den Probator bei dem Konsistorium zu Marburg, Peter Dörffler, zum Rentmeister der Renterei Steinbach-Hallenverg zu ernennen;
den Probator bei der Landeskreditkasse-Direction, Jacob Keil, zum zweiten Buchhalter bei derselben, " und den Bijouterie-Fabrikanten Wilhelm Eberhard zu Hanau zum Mitglied der Direction der Zeichen-Akademie daselbst, ersteren provisorisch zu cr- ueuueu;
den Verwalter bei dem Zuckthause in der Stadt- kaserne und Nechnungstübrer derfsämmtlichen Strafanstalten in Kassel, Johannes Mühl Hause, zum Juspector des Zuchthauses an der Fulda daselbst zu bestellen.
Die letzte Nacht.
Novolle von E. A. König.
(Fortsetzung.)
„Da habt Jhrs", sagte der Freiherr zu dem Schreiner, der trotz seiner Brandwunden das kleinste Kind auf den Arm genommen hatte, während die Mutter das gerettete trug. „Wie oft habe ich Euch gerathen, Eure Habe zu versichern, nun seid Ihr am Bettelstäbe. Was wollt 3br Je^t beginnen?
„Gnädiger Herr, ich war ein Thor, daß ich Ihren Rath nicht, befolgte", erwiederte der Schreiner, „ich baute wohl zu sehr aus die Beständigkeit des Glücks. Daß mich ein Brandunglück treffen könne hielt ich nicht für unmöglich, aber unwahrscheinlich, denn Niemand war in Bezug auf Feuer und vicht vorsichtiger wie ich. Aber nun unser Kind gerettet ist, habe ich wieder frischen Muth. Durch Fleiß , und Sparsamkeit haben wir uns eine kleine , Summe erspart, sie sollte ein Nothpfennig sein für mgre alten Tage, nun werden wir sie zum Bau eines neuen Hänschens verwenden müssen."
„Ihr habt selbst Euer Unglück verschuldet!" sagte Konrad.
„Gnädiger Herr, können Dorwürfe es ändern? Der ist zu bedauern, den ein Unglück trifft, aber Derjenige, welcher aus diesem Unglück nicht eine Lebre für die Zukunft zieht, den muß man verachten. Träge und feig die Hände in den Schooß legen, wenn einmal eine düstre Wolke über uns hinwegzieht, ist eines Mannes unwürdig."
Konrad schwieg, er fühlte sich getroffen. Die Worte dieses schlichten Handwerkers machten einen tiefen Eindruck aus ihn. Auch er stand auf dem Punkte, Alles zu verlieren, auch er konnte vielleicht aus den Trümmern noch Manches retten. Marie hatte ihn sogar zur Rettung aufgefordert, aber er zog vor, diese Rettung nicht zu versuchen, weil er befürchtete, Verdruß durch sie zu ernten. Die Erinnerung an den Heldenmuth und die todlesveracktende Aufopferung der Mutter trat lebhaft vor feine Seele. Um ihr Kind, vielleicht nur die Leiche ihres Kindes den Flammen zu entreißen, wollte sie selbst sich in daS Feuer stürzen, ungeachtet sie den sickern Tod vor Augen sah Die Mutterliebe' kannte keine Gefahr, sie klammerte sich mit der Verzweiflung des Ertrinkenden an die Hoffnung, das Leben des Kindes zu retten und brächte das eigene Leben der Erfüllung bieder Hoffnung freudig zum Opfer. Auch Konrad besaß eine Mutter, er wußtet daß sie mit derselben unsäglichen Liebe an ihrem einzigen Kinde hing, und wie lohnte er ihr dafür ! Welche Sorgen, welchen Gram hatte er ihrem Herzen bereitet, welcher Kummer, welches Elend standen ihr seinetwegen noch bevor!
So dankte er ihr, die ihn erzogen, ihn geleitet, die in den Jahren seiner Kindveit mit unermüdlicher Aufopferung über ihn g.wacht hatte, die noch jetzt mit hin- gebender Liebe an ihm hing. — Konnte er sagen, daß das Unglück ihn unverschuldet betroffen labe? Mußte er sich nicht vorwerfen, daß sein Leichtsinn, seine Verschwendung allein die Schuld an seiner Verarmung trugen? Er hatte gesehen, was eine Mutter für ihr Kind zu opfern fähig ist, er war überzeugt, daß in solchem Falle auch seine Mutter ihr Leben für seine Rettung wagen würde. Und er? Die Qualen der Neue folterten seine Seele, während er neben dem Schreiner einherschritt. Nur noch wenige Stunden blieben ihm bis zu einer Katastrophe,