Einzelbild herunterladen
 

5 e r s fe sh e r Anzeiger.

s Hersfeld, den 17. Januar. 1866*

Der „HerSfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neuwarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei LVicderholuugen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Premierlieutenant Deichmann, aggregirt dem 3. Infanterie - Regiment (Prinz Friedrich Wil­helm von Hessen) in dasselbe einrangiren zu lassen, den Premierlieutenant Weschke vom 3. Infante­rie Regiment (Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen) zur Landgendarmene zu versetzen und zum Districts- Kommanbanten in der Grasschaft Schaumburg zu ernennen.

Die letzte Nacht.

Novelle von E. A. König.

.(AuS dem „Jllustrirteu Familien- Journal".

(Fortsetzung.)

Der Freiherr traf nach wenigen Minuten aus der Brandstätte ein.

Dar Häuschen war zweistöckig, glücklicherweise lagen die Nachbarhäuser ungefähr zwanzig Schritte von dem­selben entfernt. Die Flammen balten dar obere Stock­werk bereits ergriffen. Die Bauern, statt zu retten und zu löschen, standen unthätig in Gruppen umber und tauschten ihre Ansichten über die Entstehung der Brandes aus, nur einige Wenige bethciligten sich an der Rettung der Mobilien.

Der Freiherr ließ sofort eine Kette von der Brand­stätte bis zum Brunnen bilden und befahl Einigen, die Möbel, welche vor der Hütte lagen, fottzuschaffen.

Da stürzte plötzlich eine Frau mit dem gellenden Ruf: „Mein Kind! Mein Kind!" aufs brennende Haus zu.

Der Freiherr hielt sie zurück. „Wohin wollt Ihr?" fragte er, „seht Ihr denn nicht, daß Ihr in den Flam­men umkommen würdet?"

„Herr, mein Kind, schafft mir mein Kind!" rief die Frau händeringend. „Laßt mich, ich muß hinein."

„Drei sind gerettet", sagte einer der umstehenden Dauern, „daS vierte liegt oben im zweiten Stock."

„Wo ist der Schreiner?" fragte Konrad.

«Er hat einigemal versucht, sei» Kind zu retten, über er ist unmöglich, hineinzukommen."

„Laßt mich, und müßte ich mit meinem Kinde ster­ben, ich will hinein!" rief die verzweiselnde Mutter.

„Will keiner von Euch die Rettung deS KindeS wa­gen?" wandte der junge Mann sich zu den Bauern.

„Wer nichts zu verlieren hat, k^"^ 1 -suchen, wir setzen unser Leben eines so fremden Kindes wegen nicht aus's Spiel.«

Der Freiherr entriß einem der Umstehenden einen mit Wasser gefüllten Eimer und schwang ihn mit Riesen­kraft hoch über sein Haupt, so daß der Inhalt desselben sich über ihn ergoß. Im nächsten Augenblick war er in dem brennenden Hause verschwunden. Rauch und Flam­men schlugen ihm entgegen, er beachtete eS nicht, er eilte mit Fiebersrost die schmale Treppe hinauf und trat die erste Thüre, an deren Balken bereits die Flammen leck­ten, ein. Er zertrümmerte daS Fenster, ohne zu beachten, daß die Glasscherben seine Hände verwundeten, um den Rauch - inauszulassen.

„Die Kammer neben Ihnen!" hörte er eine Stimme rufen. Er eilte wieder hinaus, eS war unmöglich, die Thür des Nebenzimmers zu erreichen, der Fußboden und die Balken bräunten bereits lichterloh. Er trat in das Zimmer zurück, ergriff einen Stuhl und stieß die dünne Fachwand ein. Ranch füllte auch diese Stube. Der Freiherr zwängte sich durch die Oeffnung, welche er ge­brochen hatte und schritt vorsichtig und langsam vorwärts. Sein Fuß stieß an einen Gegenstand, er bückte sich, das Kind lag auf dem Boden. Konrad nahm es auf seine Arme und trat den Rückweg an. In Derselben Richtung zurückschreitend, fand er die Oeffnung bald, die Thür er­kannte er an den brennenden Balken. Die Treppe bräunte, die Stufen krachten. Der Freiherr preßte daS Kind fest an sich und eilte, die Breter mit seinen Füßen kaum berührend, hinunter.

Als er ins Freie trat, sank er ohnmächtig zusam­men, in demselben Augenblick stürzte die Decke beider Kammern ein.

Die Bauern wußten keinen besseren Rath, als daß sie einen Eimer über den Freiherr» auSgossen, das kalte Bad brächte den Bewußtlosen wieder zu sich. Hatte er gehofft, von Seiten der Bauern Dank und Lob Hu ern­ten, so sah er sich getäuscht. Die Bemerkung: „Der konnte eS wagen, ein Bettler hat nichts zu verlieren!^