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Hers selber Anzeiger.

4. Hersfeld, den 13. Januar. 1866.

DerHerSfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bet der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Rentmeister Heinrich Baur zu Schwarzenfels in gleicher Eigenschaft zur Renterei Hanau zu ver­setzen, sowie

zu der vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, beabsichtigten Bestellung deS bisherigen Postverwalters zu Friedewald, Georg Wil«

Helm Cred«, als Postverwalter zu Langenselbold die allerhöchstlandeS'errliche Bestätigung zu ertheilen;

den provisorisch angestellten Hoskassen- Controleur Hermann Scherer nunmehr definitiv dazu zu er­nennen ;

dem zu dem erledigten Vicariat Obermestungen in der Klasse Melsungen präsentirten Metropolitan und Pfarrer Jacob Wilhelm Georg Vilmar zu Melsun­gen die allerhöchste Bestätigung zugleich als Pfarrer zu Obermelsungen zu ertheilen;

den Oberstlieutenant von Heimrod a la suite der 1. Infanterie-Regiments (Knrsürst), und mit der Führung des Kommandos dieses Regiments beauf­tragt, zum Oberst und Kommandeur desselben zu er* uennenv .

den Premierlieutenant Osterwald vom 3. In­fanterie Regiment (Prinz Friedrich Wilhelm von Hes­sen) zum Hauptmann zu ernennen und demselben zu ,k' aggregiren; den Premierlieutenant von Loßberg, Adjutant der 1. Infanterie-Brigade, zum Hauptmann und Kompagnie-Chef im Leibgarde-Regiment zu ernennen.

Die letzte Nacht.

Novolle vonE. A. König.

(Aus demJllustrirteu Famitien-Journal«.

Marie hatte sich dem Freiherrn genähert, stolz und zürnend stand sie ihm gegenüber.Konrad, ich habe Dich stets geachtet", sagte sie, und der sanfte Ton ihrer Stimme war einem kalten Ernst gewichen,selbst der Leichtsinn konnte Dir meine Achtung nicht rauben. Ich beklagte Dich, aber die Hoffnung, der Ernst des Manne-

würde über den Leichtsinn des Jünglings siegen, ließ ich nie fallen. Der Augenblick ist gekommen, 'in welchem Du diesen Ernst zeigen mußt, die Stunde hat geschlagen, die den Mutb und die Thatkraft veS Mannes von Dir fordert, und jetzt zögerst Du, dem hereinbrechenden Stürme die Stirn zu bieten, dem Schicksal mit Ernst und Muth entgegenzutreten! Das raubt Dir meine Achtung, Kon­rad, nicht der Sturz Deines Hauses beschimpft Dich, sondern die feige Gleichgültigkeit, mit welcher Du diese» Sturz gescheben läßt.»

S'e schritt, ohne eine Erwiederung abzuwarten, hin­aus, Konrad blickte mit düsterm Trotz ihr nach.Bah", murmelte er,das Herz deS WeibeS glaubt in jeder Sternschnuppe einen Stern zu entdecken,'es hält an der Hoffnung fest, bis die Wellen die letzte Planke verschlun- gen haben. Die letzte Nacht!" fuhr er fort, und ein Schatten der Wehmutb glitt über sein düsteres, bleiche- Antlitz.Die letzte Nacht in dem Vaterhaus« l Als der Vater starb, als er die Hand segnend auf Mein Haupt legte, bab, wozu diese ernsten Gedanken? Können Klagen und Vorwürfe das Rad deS Schicksals in seinem Laufe hemmen? Fort mit ihnen, ich will heiter sein, hei­ter das Erbe verlassen, welches ich heiter antrat."

Er näherte sich der Thür und zog die Glocke.

Eine Flasche Champagner!" herrschte er den ein­tretenden Diener an.Wird wohl nicht manche Flasche mehr im Keller liegen, alte Nachteule, daß Du den Kopf schüttelst, he? Vorwärts, sage ich, der Jude, der morgen hier einzieht, mag daS Einzugsfest mit seinem eigenen Weine feiern, der Keller deS Freiherrn von Bärensorst soll auch keinen Tropfen dazu liefern.«

Der alte Diener blickte vorwurfsvoll seinen Herrn an.Entsinnen Sie sich nicht mehr, gnädiger Herr, daß gestern Abend Ihre Gäste die letzte Flasche auSgegossen haben?" sagte er, das graue Haupt schüttelnd. ,Sie selbst gaben Befehl, daß der Keller den Trun . . ., den Herren geöffnet werden sollte.«

Schweig, alter Nabel" fuhr der Freiherr zornig auf.Was kümmert's Dick!"

Wenn aber der gnädige Herr eine Flasche Tokaier auS dem Keller seines alten Dieners nicht verschmähen wollen» .........

Sieh, sieh, Du hast Deinen eigen Weinkeller?"