Hers selber Anzeiger.
J\? 3. Hersfeld, dcn 10. Januar. 1866»
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile ober deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Koni .^A^ haben allergnädigst den Sergeant
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den Hauptmai ment (Kurfürst) dem Staatära erster Klasse des i verleihen. '
Die letzte Nacht.
Novolle von E. A. König.
(Aus dem „Illustrirtezi Familien- Journal".
Konrad machte keinen Versuch, sie zurückzuhalten. Sein Blick ruhte wieder auf der Landschaft, die er einst sein eigen genannt hatte, aus der er, der Sohn des stolzen, reichen Freiherrn von Bärenhorst, morgen mit Schimpf und Schande beladen scheiden mußte. Wohl hatte die Mutter Recht, ihn allein traf die Schuld! Die Vorwürfe, die sein eigenes Gewissen ihm machte, erbitterten ihn. Hätte ein schwerer Schicksalsschlag ihn getroffen, hätte Krieg, Mißwachs oder Betrug ihm das Erbe der Vater entrissen, er würde sich vielleicht geduldig in das Unvermeidliche gefügt und mit ungebeugtem Muth in die Zukunft geblickt haben. Nun er sich aber sagen mußte, daß sein Leichtsinn, seine Verschwendung ihn an den Bettelstab brachten, suchte er die Schuld Anderen znzuschiebeu, auf die er seinen Unmuts übertragen sonnte. Vergangenheit und Zukunft beschäftigten in die« fern Augenblick seine Seele nicht, er dachte nur an die Gegenwart, an den Schimpf, der ihm bevorstand. Da fühlte er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter, er wandte sich um und blickte in das Antlitz Mariens, welche ihn wehmüthig ernst anschaute.
., »Deine Mutter zürnt", sagte sie sanft, „ich kann ihr nicht Unrecht geben. Sie ist vor dreißig Jahren als glückliche Braut in dieses Haus des Reichthums und der
ichen Pracht eingezogen und soll es jetzt als Bett- verlassen."
Kann ichs ändern?" unterbrach Konrad sie. „Glaubst mich lasse der Sturz unseres Hauses kalt und gleich- I? Der Name meiner Väter ist beschimpft, die alte er, — — doch brechen wir ab, der Gedanke an die welche dem heutigen folgen, verstimmt mich, und arf nicht weich sein, — mit dem Stolz des AdelS ch diesem Hebräer gegenübertreten, wie einen Bet- nnig will ich ihm die Papiere vor die Füße werfen!" arie legte ihre Hand aus den Arm deS jungen ___________s und führte ihn zu einem Sessel.
„Du weißt, ich bin ein armeS, schlichtes Mädchens sagte sie, als der Freiherr sich gesetzt hatte, „die Freifrau von Bärenhorst adoptirte mich, als meine Großmutter, die alte Schloßverwalterin, starb. Du zähltest bereits sechszehn Jahre, als ich ein fünfjähriges Kind Dich zum erstenmal Bruder nannte. Du liebtest mich, wie ein Bruder seine Schwester lieben kann."
Der Freiherr nickte gedankenvoll. »Ja,'^, es"beär eine schöne Zeit, als wir noch mitsammen im Schloßpark spielten", flüsterte er, „weshalb rufst Du die Erinnerung an sie wach?"
„Wohl war es eine schöne Zeit", fuhr Marie fort, „ich erfreute mich Deiner Liebe, Deines Vertrauens, — hätte ich sie nie verloren! Du wärst heute noch der reiche, beneidete Freiherr von Bärenhorst."
„Wann habe ich sie dir entzogen?" fragte Konrad, ohne den Blick zu erheben.
„Wann? Entsinnest Du Dich noch des Tages, an welchem ich Dich warnte vor Deinen Freunden? Erinnerst Du Dich noch des Brieses, welchen ich Dir schrieb, als Du von Italien aus den Verwalter beauftragtest, den Wald lichten zu lassen? Du erwiedertest, Deine Freunde seien treu, und Vertrauen auf die Redlichkeit des Verwalters könne durch einen ungerechtfertigten Argwohn nicht erschüttert werden. Ich mußte schweigen, Deine Antwort bewies mir, daß ich Dein Vertrauen nicht mehr besaß." , '
Der Freiherr blickte auf. „Du gehst zu wen, Marie", sagte er. „Damals fordertest Du, ich ssolle mit meinen Freunden brechen und den Verwalter entlassen, Du zähltest erst sechszehn Jahre, ich mußte Deine For-