schnell als möglich vem Kaiser Alexander von Rußland, der von dessen Existenz offenbar gar keine Ahnung hatte, mittheilen müsse. Der russische Gesandte Budiakin, welcher an dem Bourbonen-Hof beglaubigt gewesen war, befand sich noch als Privatmann in Paris. Napoleon ließ Hn zu sich bitten und übergab ihm die Urkunde mit dem Ersuchen, sie dem Kaiser Alexander einzuhäudigen, wobei er noch binzufügte: „Ich erlaube mir nicht, über diese Angelegenheit eine Bemerkung zu machen, bin eS aber dem Kaiser schuldig, ihm ein solches Document nicht vorzuenthalten."
Budiakin reiste nach Wien ab und belehrte durch Vorlegung der Urkunde seinen Herrn, wie man ihn mehrere Wochen hintergangen und trotz des Friedenskongresses bereits AlleS, Truppen und Feldherrn, bestimmt hatte, um gegen ihn und seinen preußischen Alliirten zu Felde zu ziehen. Alexander war bei diesen Enthüllungen auf'S Heftigste empört, aber er bewies eine Klugheit, wie sie bei dieser gefahrvollen Lage nicht günstiger hätte gezeigt werden können. Daß Talleyrand so handelte, war ihm sehr wohl begreiflich. Bei Metternich aber, dem Alliirten von Dresden und Kulm, von Leipzig und Paris stand die Frage anders. Daß dieser fahnenflüchtig wurde und die Franzosen noch einmal nach Deutschland hineinlocken wollte, um die Vergrößerung seiner Verbündeten zu hindern. war eine der undeutschesten Handlungen, welche sich dieser Minister zu Schulden kommen ließ.
Alexander ließ ihn zu sich kommen, zeigte ihm die Vertrags Urkunde und fragte ihn, ob er sie kenne. Met- lernich, welchem solche Scenen nichts Neues waren, verzog keine Miene, schwieg eine Weile und wollte gerade aus seinem Lügenregister eine der nichtssagendsten Rede- wendungen hervorholen, da unterbrach ihn Alexander mit den Worten: „Metternich! so lange wir leben, soll über diesen Gegenstand zwischen uns niemals wieder die Rede sein. Jetzt aber haben wir andere Dinge zu thun. Napoleon ist zurückgekehrt, und es muß also unsere Allianz fester sein als je." Mit diesen Worten warf er das Document in das neben ihm flackernde Kaminfeuer.
Der Minister warf einen glücklichen Blick in das Feuer, einen minder glücklichen auf den Mann, welcher ihm wohl unter Allen der unbequemste Zuhörer war. Bevor nämlich Alexander ihn zu sich entboten hatte, ließ er den Minister Stein, diesen kräftigsten aller deutschen Patrioten, diese Säule deS neuen Baues einer geträum« ten deutschen Größe, rufen. Er zeigte ihm den Tractat und sagte: „Ich hab' auch den Fürsten Metternich zu mir entbieten lassen und wünsche, daß Sie bei dieser Unterredung als Zeuge zugegen seien." Die Augen fest auf den armen Sünder von Metternich gerichtet, stand Stein neben Alexander, und ohne den Muth zu haben, auch nur einen Blick zu ihm auszuschlagen, entfernte sich Metternich, das böse Diplomatengewissen vor dem erzürnten Deutschland.
Die Trichinen.
(Aus der Pfälzer Zeitung.)
„So üwcldran war ich noch nie Wie cwe mit dem Koche;
Mcr hän e Sau, c Prachtstückvieh, Die vorig Woch gestoche.
Den zarte Speck! das weiße Schmalz!
Die schöne, gute Schiuke!
Wie dnhn die Lappe aus'm Salz So appetitlich winke!
Nix! — wann ich jetzt am Disch als kreisch Un mach die trübsckte Miene — Mci Alter ißt ke Schweinefleisch
Vun wege de Trichine.
Die zarte Rüwe in der Kraut, Die wollt' ich schun verschmerze, Doch ach! mei Bütt voll Sauerkraut Die geht mer schwer zu Herze;
Ich muß dezu — ich duh'S sunscht nie — ] Jetzt als ch Häring brote:
Du lumpiges Trichinevieh! Ich weeß mcr net zu rothe. Wie kammcr wege so're Sach Nor gar so lang sich wehre, Nu wart — ich weeß jetzt, was ich mach — Ich will dich schun bekehre!"
So schilt die Fraa un räsonnirt, Dann holt se was im Keller;
Jetzt werd gekocht, versucht, transchirt Un Hergericht die Deller.
Gleich nachher kummen von der Jagd Ihr Alter un e Junger, Die hän sich heut recht müd gemacht Un hän en Bärehunger.
„„Geh, liewi Fra, un hol' uns was, Mer hän noch nix im Mage, Vun früh bis Owends isch ke Spaß, Ich kann der's gar nit sage!""
„No, sägt se, 's werd waS üwrig sei, Ich will im Keller gucke!"
Sie bringt e kalt Stück Rindfleisch rei, Ganz faserig un trucke;
Dann bringt se noch in aller Ruh En Käs un harte Eier, En Häring legt se noch dezu (Forelle sin zu deuer).
„Ihr Herre, sägt se, alles Das Isch ganz alleen for Jhne, So Sache schaden Niemand waS, Sie hän jo ke Trichine.